Mattersburg: Jetzt im Eiltempo Richtung Ernstfall. Nach dem 0:3 beim einzigen Test in Wolfsberg muss sich Mattersburg für Altach bereit machen – und das möglichst schnell.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 31. Mai 2020 (05:56)
Glatte Sache. Der WAC mit dem Ex-Mattersburger Michael Novak (l.) setzte sich im Test am Dienstag gegen den SVM (Andi Kuen, r.) am Ende klar mit 3:0 durch.
Archiv/Ivansich

Lediglich ein Probegalopp war in der kurzen Vorbereitungszeit auf die dicht gedrängte Bundesliga-Fortsetzung nach der Corona-Pause erlaubt. Diesen besagten Test versemmelte der SV Mattersburg am Dienstag beim WAC zumindest vom Ergebnis her klar – 0:3. Vor der Pause fingen sich die Burgenländer (bei denen Philipp Erhardt aufgrund einer Bänderzerrung im Knöchel geschont wurde und Marko Kvasina nach einer Zahn-OP daheim geblieben war) alle drei Bummerl ein.

Trainer Franz Ponweiser über die Meisterschafts-Generalprobe: „In der ersten Hälfte müssen wir 1:0 führen, da ist Martin Pusic nach einer schönen Kombination über Andi Gruber und Andi Kuen alleine auf den Goalie zugelaufen. Dann haben wir aber die Kontrolle verloren, uns zu sehr reindrängen lassen und die Bälle nicht mehr sichern können. Der WAC hat das mit seinem schnellen Spiel eiskalt ausgenützt.“

Auch nach der Pause wäre für die Burgenländer, wie der Coach vom Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit berichtete, etwas drin gewesen. „Wir hätten da aus unseren Gelegenheiten zumindest ein Tor machen müssen, da hat aber die Durchschlagskraft gefehlt.“

Erst Abstiegskampf, dann europäischer Reiz

Sämtliche Rückschlüsse dieser Begegnung müssen nun jedenfalls rasch verinnerlicht werden. Bereits am kommenden Dienstag um 18.30 Uhr startet der Ernstfall in einer druckvollen Dauerschleife. Die Qualifikationsgruppe beginnt hier mit dem Heimspiel gegen Altach und hat dann fünf Wochen lang immer einen Dienstag-Samstag-Spielrhythmus am Plan – vor leeren Rängen, das ist bekanntlich der Deal des Geisterspiel-Konzepts der Bundesliga. Ein Monsterprogramm, bei dem es für die beteiligten Teams der unteren Gruppe aus der ehemaligen Zwölferliga primär einmal darum geht, dem unmittelbaren Abstiegskampf zu entrinnen.

Erst dann könnte ein anderer positiver Reiz greifen – nämlich über die Spitze der Qualifikationsgruppe noch einen Platz für das Europa League-Play off nach dem Ende der Meisterschaft zu ergattern. Platz eins der Qualifikationsgruppe berechtigt sicher für die Ausscheidungsspiele um ein internationales Ticket, eventuell sogar Platz zwei – dann übrigens, wenn Red Bull Salzburg am Freitag das ÖFB-Cupfinale gegen Austria Lustenau für sich entscheidet, dadurch im Besitz zweier europäischer Tickets wäre und so über die Liga ein zusätzlicher europäischer Startplatz frei werden würde.

Doch egal, wie man es beschreibt, ob gegen Abstiegskampf pur oder pro Europa League-Play off: Dafür braucht es rasch Punkte, liegen alle Mannschaften doch vor dem ersten Spiel innerhalb von nur vier Punkten. Optimal wäre da gleich ein Heimsieg gegen die spielstarken Altacher – das weiß mit Andi Kuen auch einer jener Mattersburg-Profis, deren spielerische Klasse den Ausschlag geben könnte: „Jede Mannschaft wird auf einen guten Start hoffen. Punkte in den ersten zwei, drei Spielen bringen das nötige Selbstvertrauen. Aber es ist schon davon auszugehen, dass es generell ganz eng zugehen wird. Gerade deshalb wird es am wichtigsten sein, dass für uns hinten die Null steht. Vorne sind wir immer für ein Tor gut.“

So gesehen war also die Generalprobe beim WAC ein Paradebeispiel dafür, wie es nicht gehen sollte. Die Chancen wurden nicht genutzt, defensiv fehlte die totale Stabilität. Zum Glück kommt der Ernstfall erst – eben am Dienstag gegen Altach. Und weil es in der Qualifikationsgruppe eben so unglaublich eng zugeht, will Ponweiser, angesprochen auf die Erwartungshaltung für den Auftakt, in erster Linie eines: „Nicht verlieren, das ist zum Start einmal entscheidend. Natürlich wäre ein Sieg gleich optimal, aber gerade zum Auftakt wird viel Geduld gefragt sein. Ich erwarte eine enge Kiste.“

Das oft zitierte Gemetzel im Zusammenhang mit dem beinharten Abstiegskampf könnte trotzdem vorerst nur eine wortgewaltige Darstellung der Hochspannung sein. Tatsächlich muss sich der beinharte Kampf um die Punkte nicht sofort auch sichtbar auf das Spielfeld übertragen. Dafür bringt die Geisterspiel-Premiere noch zu viel Ungewissheit mit sich. Die ungewohnte Atmosphäre, die angespannte Ausgangslage, die Pflicht zumindest ein Punkterl zu holen. Das alles können auch Indizien für taktisch geprägte Duelle sein.

„Vom Kopf her werden sicher alle bereit sein“

In weiterer Folge könnte mit Fortdauer der englischen Wochen auch die Müdigkeit hinzukommen. Angst vor Verletzungen, wie sie aufgrund der hohen Belastung zu befürchten sind, hat Andi Kuen nicht – und das, obwohl der 25-Jährige bereits zwei Kreuzbandrisse überstanden hat. „In dieser Hinsicht bin ich froh, dass ich schon einiges mitgemacht habe und auf meinen Körper hören kann.“

Um nichts zu riskieren, hat Trainer Franz Ponweiser zuletzt seine defensive Mittelfeldstütze Philipp Erhardt gschont. Die Bänderzerrung sollte für den Dienstag aber kein Hindernis darstellen. Auch Alois Höller, der die vergangene Woche krank war und in Wolfsberg aber bereits wieder Einsatzzeit erhielt, steht bereit.

Der Chefcoach kann also aus einem aktuell großen Pool an Spielern wählen und die aus seiner Sicht Besten für Altach aufstellen. Was die Einstellung betrifft, sollten ohnehin alle 30 Nominierten des Kaders für die Qualifikationsgruppe am Punkt sein, denn: „Jeder weiß, wie wichtig ein guter Start ist. Vom Kopf her werden daherr ganz sicher alle bereit sein.“