Rapid-Handtor gegen SVM: Die komplizierte Absichtsfrage. Stefan Schwabs Handtor zu Rapids 1:0-Sieg sorgte für Diskussionen – für Günter Benkö war die Sache klar.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 04. Oktober 2017 (06:17)
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Zum Verzweifeln. Andreas Gruber (l., hier im Duell mit Rapids Bestem an diesem Abend – Boli Bolingoli) symbolisiert es deutlich: Der SV Mattersburg musste am Samstag gegen Rapid eine höchst unglückliche 0:1-Pleite einstecken – vor allem das Tor zum 0:1 liegt den Burgenländern im Magen.
Martin Ivansich

Burgenlands Schiedsrichterobmann und Ex-FIFA-Referee Günter Benkö bestätigte beim 1:0-Siegestreffer von Rapid in Mattersburg, was viele Zuseher dachten: „Ein mit der Hand erzieltes Tor ist nicht regelkonform. Dieser Treffer hätte nicht zählen dürfen.“

Minute 28: Stefan Schwab wurde im Zuge eines Rapid-Angriffs von Mattersburgs Jano bei dessen Klärungsversuch angeschossen. Der Ball fand von Schwabs Unterarm aus elf Metern Entfernung den Weg ins Tor. Referee Manuel Schüttengruber wertete das Handspiel als nicht absichtlich und deshalb auch nicht als strafbar, wie er im Sky-Interview feststellte.

„Durch Haltung offensichtliche Körperverbreiterung“

Absichtlich. Unabsichtlich. Die Sache ist kompliziert, weil der Interpretationsspielraum offensichtlich groß ist. Denn anders sah die höchst strittige Szene nicht nur die gesamte SVM-Crew, auch viele neutrale Beobachter wunderten sich, dass der Treffer zählte.

Günter Benkö: „Dieser Treffer war eindeutig nicht regelkonform.“
Ivansich

Benkö: „Man kann in dieser Situation zuerst einmal nicht von der Hand weisen, dass der Ball durch das Handspiel eine völlig andere Richtung einnahm und nur so ins Tor flog. Hinzukommt aber vor allem eine durch die Haltung offensichtliche Körperverbreiterung, durch die der Spieler dann den Ball auch an die Hand bekam. Darum kann man auch nicht davon sprechen, dass hier keine Absicht vorlag.“

Bitter jedenfalls für den SV Mattersburg, weil sich die Burgenländer nun schon zum dritten Mal wesentlich benachteiligt sahen. Beim Match gegen die Austria sprang Christoph Monschein der Ball vor dem Tor zum 2:1 entscheidend an die Hand. Bei der Heimpartie gegen Salzburg passierte Munas Dabbur ein ähnliches Handspiel nach einem Eckball, der zu seinem Treffer zum 1:0 führte.

SVM-Trainer Gerald Baumgartner: „In unserer Situation ist das alles schon sehr bitter. Der Spielverlauf ist Rapid sehr entgegengekommen, weil wir durch dieses 0:1 aufmachen mussten. Erst dadurch konnte Rapid dann natürlich kontern und fand auch Chancen vor.“

Hinzu kam, dass den Burgenländern vor der Pause drei Treffer aberkannt wurden, jedes Mal wegen Abseits – knapp, aber doch. Auf der einen Seite fehlte somit das offensive Glück, auf der anderen Seite stand das höchst umstrittene 0:1 zu Buche. Trotzdem, oder gerade deshalb will der Chefcoach nun wieder rasch nach vorne blicken: „Jammern hilft uns nichts. Wir müssen weiterarbeiten.“

„Müssen jetzt auch mal Sieg erzwingen“

Ähnlich sah es Kapitän Nedeljko Malic, der seiner Verwunderung über den Spielverlauf gegen Rapid aber auch eine klare Ansage folgen ließ: „Wir müssen jetzt auch einmal einen Sieg erzwingen.“

Diese Gelegenheit bietet sich nach der Meisterschaftspause (aufgrund der WM-Qualifikation) allerdings erst wieder am 14. Oktober mit dem Auswärtsspiel beim WAC. Davor wollen sich die Grün-Weißen nach Möglichkeit noch wettkampfmäßig Selbstvertrauen holen. Morgen, Donnerstag (18.15 Uhr), wird ein Testspiel bei Ostligist Amstetten eingeschoben.