SVM: Führungsanspruch ohne große Töne. SVM-Profi Andi Gruber will Leader sein und Tore sprechen lassen, denn: „Ich bin keiner, der im Spiel viel redet.“

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 17. Oktober 2019 (05:25)
Ivansich
Tor gegen den Ex-Klub. Andreas Gruber beim Elfer zum 3:3-Endstand am 21. September gegen Sturm Graz. Die Erinnerungen an die Zeit beim Ex-Arbeitgeber sind für den Steirer durchwachsen.

Unkonzentriert werden. Abgelenkt sein. Atemnot. Diese oder ähnliche Probleme hätte Andreas Gruber wahrscheinlich, wenn er sich am Platz verste llen müsste. Wenn er eine ihm fremde Schablonen-Rolle einnehmen müsste und ständig den Mund offen hätte. Viel lieber will der 24-jährige Profi in seiner dritten Saison für den SV Mattersburg aber authentisch bleiben und sich weiterentwickeln. „Nach den ersten beiden Jahren habe ich mir nun zum Ziel gesetzt, noch mehr Tore zu schießen und auch noch mehr Führungsspieler zu werden.“

Dabei wolle er einer sein, der die Mannschaft am Platz lenkt, der für entscheidende letzte Pässe sorgt oder selbst aus dem Nichts zuschlagen kann. Einfach ein sportlicher Leader, den man am Platz aber nicht zwingend auch noch in der Dauerschleife hören muss. Wobei schon was gehen würde, wie er selbst zugibt. „Vielleicht sollte ich noch ein bisserl mehr reden, das ist halt so eine Sache. Ich bin keiner, der im Spiel viel spricht.“

Solange Gruber Tore und gute Leistungen für sich sprechen lässt, ist sein Statement am Platz laut genug. Nicht weniger als sechs Treffer aus den vergangenen fünf Spielen weisen ihn als torgefährlichsten SVMler aus. Was auch Trainer Franz Ponweiser freut: „Andi ist ein Unterschiedsspieler mit unglaublicher Qualität.“ Auch wenn nach einem Pressball in Altach das Seitenband beleidigt war, er deshalb gegen Rapid aufgrund von Schmerzen ausgetauscht werden musste und in der Länderspielpause vorwiegend Regeneration angesagt war: Gruber ist on fire.

„Natürlich rattert es da im Kopf“

Das war zu Saisonbeginn noch ganz anders. Die ernüchternde Bilanz: Ersatz in Runde eins gegen Hartberg, gar nicht im Kader in Runde zwei in Salzburg, Ersatz in Runde drei gegen die Austria. Ponweiser wollte mehr von seinem Offensivmann sehen, vor allem defensiv. Mittlerweile steht der Steirer wieder permanent in der Startformation, das Joker-Thema ist bis auf weiteres erledigt. „Er hat einen großen Schritt nach vorne gemacht, vor allem bei der Arbeit gegen den Ball. Läuferisch hat er es drauf, bei ihm geht es um die Grundüberzeugung,“ so der Chefcoach. Offensichtlich hat Grubers Reaktion aber gepasst.

Der erinnert sich ebenfalls an den Meisterschaftsbeginn: „Eine Woche davor habe ich im ÖFB-Cup in Pinkafeld (Anm.: 10:0) noch von Beginn an gespielt, dann war ich nicht dabei. Natürlich rattert es da im Kopf. Ich habe mich aber nicht beirren lassen und Gas gegeben. Vor allem habe ich mir eines gedacht: Das brauche ich nicht wieder, ganz egal, wo es ist.“

Was er nicht wieder braucht: die Erfahrungen der Saison 16/17. Im dritten Profijahr bei Sturm Graz lernte Gruber unter dem damaligen Coach und aktuellen Teamchef Franco Foda die Dauer-Reservistenrolle kennen. „Das war richtig schwierig für mich. Obwohl ich in den ersten beiden Saisonen gespielt habe, bin ich dann praktisch ein Jahr ohne Begründung auf der Bank gesessen. Irgendwann habe ich vorwiegend für mich selbst trainiert und individuell im körperlichen Bereich zusätzlich extrem viel gemacht, um ja nicht abzubauen. Letztlich war dann für mich klar, dass ich so nicht mehr in Graz bleiben will.“

"Puh, das wird schwierig"

Und das, obwohl er bis dahin eine steirische Bilderbuchkarriere hingelegt hatte. An-dreas Gruber wuchs in Mürzsteg bei Mürzzuschlag auf, startete seine Laufbahn beim Heimatverein SV Phönix Mürzzuschlag-Hönigsberg und kam dann über die GAK-Jugend zu Sturm Graz, wo er die Nachwuchsteams durchlief. Danach ging es direkt zur zweiten Mannschaft und schließlich mit 19 Jahren 2014/2015 als Durchstarter zu den Profis. Dort sollte das dritte Jahr aber zum Karriere-Bremsklotz werden. Gruber erinnert sich an die Rückkehr nach einem U21-Nationalteam-Lehrgang zur Sommervorbereitung 2016/2017: „Im ersten Testspiel bin ich 90 Minuten auf der Bank gesessen. Da habe ich schon gemerkt: Puh, das wird sehr schwierig.“

Das Gefühl sollte ihn nicht täuschen. In 36 Runden saß er 25 Mal auf der Tribüne, elfmal war er im Kader. Auch hier blieb er jedoch vorwiegend auf der Bank. Viermal wurde er eingetauscht, ein einziges Mal durfte Gruber von Beginn an ran: In der 30. Runde am 22. April 2017 beim 0:2 daheim gegen den SV Mattersburg.

Hier sollte sich der Kreis schließen. Keine zwei Monate später bestritt der Linksfuß als Neuzugang mit dem SVM bereits die Vorbereitung auf die neue Saison.

"Das war der Plan"

„Das Familiäre hier hat mir stets gefallen und es war mir lieber in der Nähe meiner Heimat den nächsten Schritt zu setzen, als irgendwo hin nach Dänemark oder Norwegen zu gehen. In Mattersburg wollte ich wieder Praxis sammeln und dann vielleicht den Schritt zum Führungsspieler schaffen. Das war der Plan.“

Dieser Plan ging, Stand jetzt, auf. Gruber hat sich längst etabliert und ist nach dem kurzen Leerlauf zu Saisonbeginn ein Garant für die Startformation. Ob er auch über die Saison hinaus für die Burgenländer spielen wird, bleibt abzuwarten. Fakt ist, dass sein Vertrag Ende der Frühjahrsmeisterschaft 2020 ausläuft. Was dann? „Derzeit befasse ich mich damit gar nicht. Ich will einmal das halbe Jahr bis zur Winterpause gut fertigspielen, dann schauen wir weiter.“ Alles offen somit, oder? Klar schließt der 24-Jährige bei der „Was-Wäre-Wenn“-Frage auch ein künftiges Auslands-Engagement nicht aus: „Jeder Fußballer will vielleicht einmal in Deutschland, England oder Spanien spielen. Das ist eben ein Ziel, auch von mir.“

Zukunftsmusik. Momentan tanzt Andi Gruber mit seiner Mannschaft im Konzert der zwölf Bundesligisten. Zwei Punkte fehlen als Achter derzeit auf den Sechsten, Hartberg, und somit den Sprung oberhalb des ominösen Strichs, der in der Zwölferliga nach dem Ende des Grunddurchgangs und der Ligateilung ein Dasein in der Meistergruppe bedeuten würde. „Es wäre sehr viel möglich. Leider verhauen wir es uns, wenn wir nicht 90 Minuten lang jeden Ball konzentriert verteidigen.“ Das Herausstreichen des Wir-Gefühl ist auch Gruber wichtig – und spricht für den Mattersburger Teamgeist. „Jeder Spieler, der hierherkommt, weiß, dass es nur mit der Mannschaft geht, nur mit Zweikämpfen und viel Laufbereitschaft. Da bringt sich auch jeder ein und das funktioniert. Wir verstehen uns alle gut.“

Golf-Ausgleich für den werdenden Jungpapa

Auch außerhalb des Platzes, wo der Steirer vor allem an einem Ort besonders gut aktiv abschalten kann: am Golfplatz. Hier teilt er eine Leidenschaft mit Florian Hart, Fabian Miesenböck oder Thorsten Mahrer.

„Das taugt mir einfach. Auch wenn Golfen mit dem Flo derzeit ein bisserl schwieriger ist und der Miesi als mein Partner auch bald wegfallen wird.“ Hintergrund: Hart ist als frischgebackener Jungpapa anderweitig im Einsatz, Miesenböck wird in dieser Rolle zeitnah folgen. Und Gruber selbst wird im Frühjahr wohl auch des öfteren statt dem Golf- das Kinderwagerl bedienen. Seine Freundin Corinna und er erwarten im Februar die Geburt ihres ersten Sohnes.