SVM: Nach dem Fest ist vor dem Finaltag. Mattersburg ist durch das 2:1 gegen Rapid vor dem Ende des Grunddurchgangs im Rennen um die Top-Sechs. Theoretisch.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 15. März 2019 (04:03)
Bernhard Fenz
Würdiger Rahmen. 10.200 Besucher sorgten am Sonntag dafür, dass die Kulisse an die Mattersburger Anfangszeiten in der Bundesliga erinnerte. Damals waren fünfstellige Zuschauerzahlen keine Seltenheit, mittlerweile gibt es das kaum mehr. Umso schöner für die Burgenländer, dass die Ränge gegen Rapid so voll waren. Natürlich trugen auch zahlreiche Anhänger der Hütteldorfer ihren Teil dazu bei – so oder so war es ein Fußballfest in Mattersburg mit dem perfekten Ende für den SVM. Die Mannschaft von Klaus Schmidt siegte 2:1.

Am 22. und letzten Spieltag des Grunddurchgangs mischt der SV Mattersburg noch um die Top-Sechs der Liga mit. Das ist das positive Resultat der bisherigen Spiele im Pflichtspieljahr 2019. Ein 1:1 gegen Sturm Graz, ein 1:0 in Innsbruck und das jüngste 2:1 gegen Rapid hält Grün-Weiß vor dem Finaltag im Rennen. Freilich sind die Chancen eher theoretischer Natur.

So schafft es der SVM in der Praxis noch. Das Team von Trainer Klaus Schmidt muss am Sonntag (17 Uhr) in St. Pölten gewinnen und auf Austria sowie Hartberg hoffen. Die Violetten (die sich nach dem blamablen 1:3 gegen Altach von Trainer Thomas Letsch trennten) müssen Sturm in Graz schlagen, Hartberg wiederum muss in Wien bei Rapid zumindest ein Remis holen – oder siegen.

„Die Burschen sind super drauf und werden auch in St. Pölten alles geben. Nur der Punkteverlust beim 1:1 gegen Sturm stört.“SVM-Präsident Martin Pucher über die Pflichtspiele 2019

Eine extrem schwere Aufgabe, die den Burgenländern in dieser Konstellation maximal Außenseiterchancen der kleineren Sorte einräumt. Cheftrainer Klaus Schmidt kommen, wie er angesprochen auf die schwierige Ausgangslage sagt, ob einiger Punkteverluste aus dem Herbst die Tränen. Stichwort 1:1 gegen Altach, 1:2 gegen Hartberg, 2:2 gegen Admira oder das 1:2 in der Nachspielzeit bei Meister Salzburg.

Und Präsident Martin Pucher findet den Fehler im Top-Sechs-System auch in der jüngeren Vergangenheit. „Die Burschen sind super drauf und werden auch in St. Pölten alles geben. Der Sieg gegen Rapid war verdient, unsere beiden Tore waren herrlich. Nur der Punkteverlust beim 1:1 gegen Sturm Graz stört.“ Jede Mannschaft unterhalb des Strichs wird freilich die Zähler finden, die derzeit für die Elite fehlen. Im Fall des SV Mattersburg hätte Pucher mit einem Sieg gegen Sturm Graz nun eine optimale Ausgangslage vorgefunden – dass es Grün-Weiß selbst in der Hand hätte.

Ziel: 14 Punkte, unten wichtig, oben pikant

So aber ist man auf kollektive Schützenhilfe angewiesen. Klaus Schmidt aber will sich für den letzten Spieltag deshalb gar keinen Kopf machen, sagt nur: „Wir wollen in St. Pölten gewinnen, um nach der Liga- und Punkteteilung mit 14 Punkten zu starten.“

Denn mit einem vollen Erfolg würden die Grün-Weißen auf 29 Punkte kommen, was (abgerundet) nach der Teilung eben 14 Zähler bedeuten würde. Für die künftige Tabelle würde man übrigens bei Punktegleichstand mit einem Team, dessen Punkte nicht abgerundet wurden, unabhängig des Torverhältnisses in der Folge vorgereiht. Sehr wahrscheinlich wird Mattersburg in der Qualifikationsgruppe der unteren sechs Mannschaften landen.

Besonders pikant ist aber: Sollte die Sensation gelingen, würden die SVM-Profis nach der Punkteteilung mit lediglich zwei Punkten Rückstand auf Platz drei (!) starten. Auch das belegt, wie sich das gesamte Feld vor den verbleibenden zehn Spieltagen in der Meister- und Qualifikationsgruppe zusammenschiebt.

Rasen im Pappelstadion stand im Fokus

Dass Mattersburg bei den Rechnereien noch dabei sein darf, ist dem jüngsten 2:1-Sieg gegen Rapid geschuldet. Darum ist Mattersburg, wie Klaus Schmidt sagt, „in der Verlosung“ noch dabei. „Nach wie vor sind wir das Zünglein an der Waage.“ In der Nachbetrachtung des Fußballfests gegen Rapid – 10.200 Fans sorgten für eine tolle Kulisse – entlud sich auf Rapid-Seite auch der Ärger über die schlechten Platzverhältnisse im Pappelstadion. Trainer Didi Kühbauer, der als langjähriger Mattersburg-Kapitän noch als Aktiver jahrelang beste Platzverhältnisse vorgefunden hatte, stellte etwa fest: „Das soll keine Ausrede sein, aber man hat hier kein strukturiertes Spiel aufziehen können. Der Ball hat sich immer wieder versprungen.“

Ein Umstand, der auf Nachfrage beim SVM mit den Spätfolgen eines Pilzbefalls im Herbst zu tun hat. Martin Pucher: „Das wird im Frühjahr deutlich besser werden, wenn das Gras wieder neu anwachsen kann. Dass der Platz in so einem schlechten Zustand war, ist witterungsbedingt und war nicht zu verhindern.“ Der Klubchef konterte aber im gleichen Atemzug auf die Kritik der Hütteldorfer. „Jeder darf sich über den Rasen beschweren, aber nicht Rapid. Dort gab es lange Zeit ein ähnliches Problem.“

Die Wiener mussten im Sommer einen Pilzbefall bewältigen, tauschten in der Folge den Untergrund und kämpften nach der Neuverlegung im Herbst mit Verschleißerscheinungen. Im Winter wurde der Rasen mit Spezialmaschinen und Lichtbalken bearbeitet.“

Zurück ins Pappelstadion. Gegen Sturm Graz war der holprige Untergrund noch nicht ganz so offensichtlich, gegen Rapid bildeten sich aber nach dem ersten und aufgrund der Unregelmäßigkeiten unterschiedlichen Anwachsen Löcher. Auch Klaus Schmidt hofft auf Besserung. „Die Löcher waren größer als gegen Sturm. Der Platz ist in dieser Form nicht bundesligatauglich, wir würden auch lieber auf einem besseren Rasen spielen. Die Hoffnung ist, dass wir nach der Punkteteilung die erste Partie auswärts haben, dann ist rund vier Wochen Zeit, um das Problem beheben zu können.“