Video- und Spielanalyst: Ein Helm für die Austria. Stephan Helm (34) ist neuer Video- und Spielanalyst der Violetten. Aus dem kompromisslosen Kicker wurde ein höchst gefragter Taktiker mit einem geschulten Auge.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 16. Februar 2018 (02:48)
Bernhard Fenz
Stephan Helm ist seit Beginn der Frühjahrsvorbereitung für die Video- und Spielanalyse bei der Wiener Austria zuständig.

Schon das ganze Leben lang ist der Fußball ständiger Begleiter von Stephan Helm. Bundesliga-Reife erlangte der 34-Jährige nun aber nach seiner aktiven Spieler-Karriere.

Helm, der als Kicker jahrelang in der Regionalliga die Sechser-Position innehatte (bei den SV Mattersburg Amateuren, Parndorf, Sollenau und Neusiedl), hat sich in Österreichs Elite am Sektor der Video- und Spielanalyse einen Namen gemacht. Diese Entwicklung gipfelte Ende des Jahres 2017 im Angebot der Wiener Austria, den nach Dortmund abgewanderten Kai Schulz zu ersetzen.

Somit wechselte Helm die Seiten. Davor war er nämlich seit 2013 beim TV-Sender Sky gemeinsam mit dem Deutschkreutzer Sportwissenschaftler und Videoanalysten Roland Leser für die Videoanalyse zuständig. „Ich habe mich am Ende meines Sportstudiums an der Schmelz verstärkt mit Fußballtaktik beschäftigt. Bei Leser habe ich dann meine Diplomarbeit über modernes Verteidigen geschrieben. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und uns schließlich auch gemeinsam bei Sky beworben.“

„Als Spieler hätte ich das nicht erfüllt. Aber fair war ich immer.“Stephan Helm über das Anforderungsprofil der Austria, technisch hochwertigen Fußball zu zeigen. Nun ist er in anderer Funktion ein Violetter.

Dort war das Duo – Leser ist übrigens nach wie vor dabei – für die Aufarbeitung sämtlicher Spielsituationen zuständig. Helm: „Die Tätigkeit war sehr intensiv und trotzdem ein Traum, weil wir Szenen gezeigt haben, die für die Mannschaften wirklich exemplarisch waren. Da geht es ja nicht einfach um lässige Situationen, sondern um klare Muster, damit so auch Laien Einblick bei der Analyse gewährt wird.“

Der Schritt zur Austria ist nun jedenfalls das Erschließen einer neuen Ebene. Bis dato war die Analyse-Tätigkeit für Stephan Helm Teil eines Gesamtpakets. Im Gymnasium Neusiedl/See blieb dem gelernten Sport- und Geschichte-Lehrer noch (Teil-)Zeit für die eine oder andere Sportstunde. Auch bei seinem Stammverein Pamhagen konnte sich der Burgenländer als Spielertrainer entfalten.

Seit Jahresbeginn ist er aber Vollzeit in Diensten der Violetten und somit auch mit aller Kraft ein Angestellter der Austria, der sich als Teil des Trainerteams rund um Chefcoach Thorsten Fink nun ausschließlich dieses einen Jobs annimmt. „Die Chance, so eine Tätigkeit hauptberuflich ausüben zu können, ist extrem reizvoll und muss man nutzen. Schließlich ist das ja auch die Austria und nicht irgendwer.“

Sympathiepunkte sammelten die Veilchen bei Helm ohnehin schon seit der Kindheit am laufenden Band („Ich komme aus einer Austria-Familie“), so gesehen musste sich der Fußball-Experte auch gar nicht erst umpolen – und landete jetzt bei dem Klub, zu dem er es als Kicker nicht geschafft hätte, wie er schmunzelnd zugibt – Stichwort technisch hochwertiger Fußball, der sogar als Anforderungsprofil im offiziellen Austria-Leitbild verankert ist. „Was meine aktive Spielerkarriere betrifft, war ich aufgrund des Talents und der fehlenden Ausbildung limitiert. Als Kicker hätte ich das Austria-Profil nicht erfüllt.“

Nachsatz des Akteurs, der viele Jahre eine Bank im defensiven Mittelfeld war und etwa mit Parndorf sogar zweimal in der Relegation um den Aufstieg in die Erste Liga gestanden ist: „Fair war ich immer und ich konnte mich in der Regionalliga durchsetzen. So gesehen passt das schon.“

„Du bist so nah dran, wie es nur sein kann“

Den Spieler hat Stephan Helm aber hinter sich gelassen. Als Video- und Spielanalyst führt der Mann aus Pamhagen nun eine feine violette Klinge. Spielvorbereitung, Gegneranalyse und die permanente visuelle Begleitung der Profi-Tätigkeiten im taktischen Bereich erfordern jede Menge Arbeit. „Seit der Zusage Ende 2017 habe ich mich jeden Tag mit der Austria beschäftigt.“ Und die ersten Erfahrungen sind durch die Bank positiv: „Ich wurde sehr gut aufgenommen. Hier wird zielgerichtet gearbeitet – und auf lange Sicht bringt das meistens einen Erfolg.“

Zudem schätzt Helm die spannende Aufgabe im Austria-Kern. „Du musst als Analyst die Überlegungen des Trainers kennen und über alles Bescheid wissen, um das Material entsprechend aufzuarbeiten. Da bist du also so nah dran, wie es nur sein kann.“ Und auch wenn es sportlich aktuell weniger gut bei der Austria läuft, ist Stephan Helm von der Trendwende überzeugt. „Wenn das Auftreten und der Plan passen, kannst du konstant etwas zusammenbringen. Ich bin überzeugt davon, dass wir auf einem guten Weg sind.“

Ob da das Gastspiel im Burgenland beim SVM am Samstagabend hilfreich ist? Zumindest die Statistik gibt den Wienern Recht. Seit März 2012 hat die Austria im Pappelstadion keinen einzigen Punkt mehr abgegeben. Zumindest in dieser Hinsicht gibt es schlechtere Voraussetzungen.