Ein Cup-Wahnsinn ohne Happy End. Der SV Mattersburg verliert einen unglaublichen Cup-Krimi gegen Salzburg.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 18. April 2018 (21:03)
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Was für ein unglaubliches Spiel, was für ein unfassbarer Cup-Krimi. Mattersburg wehrte sich im Halbfinale gegen Meister Salzburg lange geschickt, ohne aber offensiv besonders gefährlich zu werden, drehte dann das Spielgeschehen komplett, war selbst richtig am Drücker, hatte bei einem nicht gegebenen Treffer (ein Jano-Kopfball war hinter der Linie) Pech, verhaute im Finish sogar einen Penalty und ging dann im Elfmeterschießen unter. Da wurde Salzburgs Schlussmann Cican Stankovic dann der Mann des Abends und hielt alle grün-weißen Strafstöße.

MATTERSBURG - SALZBURG 0:3 nach Elferschießen (0:0).
Man werde sich auf jeden Fall etwas einfallen lassen, um Salzburg mit einem entsprechenden Matchplan zu überraschen, ließ Mattersburg-Chefcoach Gerald Baumgartner vor dem Anpfiff in Bezug auf die Taktik wissen. Ob Grün-Weiß die Roten Bullen überrascht hat? Fakt ist zweifelsohne, dass sich Grün-Weiß eine für Salzburg unangenehme Taktik zurechtgelegt hatte. Die Burgenländer standen von Beginn weg dicht gestaffelt, überließen den Europa League-Helden den Großteil des Platzes und wollten ihrerseits offensive Nadelstiche setzen. Ein Schuss von Florian Hart nach Vorlage von Takumi MInamino sorgte für Gefahr, sehr viel mehr (einmal probierte Smail Prevljak Goalie Cican Stankovic zu überraschen) kam aber nicht. Bei den Gästen knallte Fredrik Gulbrandsen eine Ulmer-Vorlage drüber, einen Minamino-Schuss klärte Goalie Markus Kuster auf Raten – Thorsten Mahrer schoss die Kugel danach aus der Gefahrenzone.

Im Großen und Ganzen aber konnte Mattersburg den haushohen Favoriten gut unter Kontrolle und weitgehend von der unmittelbaren Gefahrenzone vor dem Tor fernhalten.

Erst Stange hier, dann Wahnsinns-Chance dort, dann kippte das Spiel     

Nach der Pause war es aber so weit, da wurde das Halbfinale mehr und mehr zu einem richtig  leidenschaftlichen Cup-Fight. Erst ärgerte Prevljak Stankovic, da hätte der bosnische Legionär des SVM beinahe den Ball ergattert. Dann war es auf der Gegenseite Xaver Schlager, der nach rund einer Stunde Pech hatte. Sein Schuss klatschte an die Stange.

Zehn Minuten später aber kam sie dann, die erste Top-Chance des Spiels – und zwar auf Seiten des SV Mattersburg.  Eckball Seidl, Kopfball Jano, Stankovic klärte (wie die Zeitlupe beweisen sollte – hinter der Linie), Nedeljko Malic bugsierte den Abpraller an die Stange und Thorsten Mahrer brachte die Kugel auch nicht über die Linie. Schiedsrichter Manuel Schüttengruber und sein Assistent entschieden jedenfalls nicht auf Tor – Stichwort Jano-Kopfball. Zu Unrecht, wie die Zeitlupe zeigen sollte.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt war die Partie aber endgültig gekippt, hatte plötzlich der SVM das Sagen. Der Meister aus Salzburg wirkte immer hektischer und die Burgenländer hatten Lunte gerochen.

Elfer Prevljak und Gruber-Riesenchance – trotzdem 0:0 und Verlängerung

Und wie sie das taten. In Minute 81 war es dann soweit, fand Mattersburg den Matchball vor. Alois Höller ging nach einem Kopfball und einem Zweikampf mit Valon Berisha zu Boden, Schüttengruber entschied auf Elfer für den SVM. Smail Prevljak trat an, zielte auf die rechte untere Ecke, Stankovic aber war unten und parierte. Dem nicht genug, rannte in der 87. Minute der eingewechselte Andi Gruber auf Stankovic zu, brachte den Ball nach einem Haken aber auch nicht im Tor unter.

Letztlich rettete sich Red Bull Salzburg in die Verlängerung.

Dort gab es hüben wie drüben Chancen. Bei Mattersburg parierte Stankovic einen Malic-Kopfball gerade noch so, vergab Prevljak einen Freistoß aus Top-Position, schoss Manuel Seidl knapp vorbei. Salzburg wiederum reklamierte Handselfer (Novak wurde aus kurzer Distanz angeschossen), Minamino und Berisha scheiterten aus Schüssen.

Und dann waren die 120 Minuten vorbei, ging es ins Elferschießen.

Kein Happy End – kein Elfer verwandelt

Dort wurde dann Cican Stankovic zum absoluten Helden des Spiels, parierte er doch nicht weniger als drei Elfmeter der Hausherren – inklusive des Prevljak-Strafstoßes waren es nicht weniger als vier gehaltene Strafstöße. Und weil die Salzburger alle drei Versuche verwerteten, setzten sie sich am Ende dann deutlich mit 3:0 durch.

Der Elfmeterfilm:

Berisha: 0:1, Höller: Stankovic pariert, Ramalho: 0:2, Malic: über das Tor, Lainer: 0:3, Seidl: Stankovic pariert.

Statement

SV Mattersburg-Trainer Gerald Baumgartner: „Wir haben die Räume eng gemacht, fantastisch verteidigt und immer wieder Nadelstiche gesetzt. Dazu haben wir ein reguläres Tor erzielt, Stankovic hatte die Hände weit hinter der Linie. Im Elferschießen hat man dann die Salzburger Coolness gesehen, es gibt aber keinen Vorwurf.“

STATISTIK

SV MATTERSBURG – RED BULL SALZBURG 0:3 nach Elferschießen (0:0).-

Gelb: Haidara (29., Foul), Berisha (81., Foul); Höller (40., Foul), Novak (88., Foul).

SR: Schüttengruber.- Pappelstadion, 4.800.

Mattersburg: Kuster; Höller, Malic, Mahrer, Novak; Hart (72. Gruber), Jano; Okugawa (114. Maierhofer),  Perlak (63. Seidl), Renner (95. Lercher); Prevljak.

Salzburg: Stankovic; Lainer, Ramalho, Caleta-Car (95. Pongracic), Ulmer (104. Farkas); Haidara (30. Mwepu), Schlager, Berisha; Minamino, Wolf (76. Dabbur), Gulbrandsen.