ÖFB zu Wettskandal: „Zeichen, dass wir genau hinschauen“

Die vorwöchigen Verhaftungen aufgrund des Verdachts von Wettbetrug und Spielmanipulation, vorwiegend in Bezug auf Partien mit Ostliga-Beteiligung, haben bei allem Negativ-Echo auch eine gute Seite, wie seitens des ÖFB klargestellt wird. Das eingerichtete Kontrollsystem funktioniere schließlich.

Erstellt am 26. November 2021 | 01:26
440_0008_8239986_bvz47fenz_bfv_symbolfoto4sp
Der gehobene Amateurfußball, hier speziell Spiele mit Ostliga-Beteiligung, geriet im Herbst in den Fokus von Ermittlungen. Es besteht der Verdacht des gewerbsmäßig schweren Betrugs.
Foto: Fenz

Der sogenannte saubere Sport, wie wir ihn alle lieben, hat in der Vergangenheit immer wieder Kratzer und Dämpfer erlitten. Das Dopingthema etwa untergräbt in zahlreichen Sportarten am Weg zum Erfolg seit vielen Jahren schon die Gedanken von Fairness und Chancengleichheit. Im Milliardengeschäft Profifußball wiederum ist vor allem das liebe Geld oft dann Spielverderber, wenn Top-Klubs um die größten Stücke des TV-Rechte- sowie Spieler-Kuchens zanken und Profitgier die Gefahr eines akuten Ungleichgewichts der Kräfte befeuert. Bestechung, Veruntreuung, Betrug – es gibt hier wenig bis nichts, was der große Fußball nicht schon erlebt hat.

Auf der Liste der negativen Auswüchse einer Sportart, die trotz allem nichts an ihrer Popularität eingebüßt hat, finden sich auch Sportwetten und versuchte Spielmanipulation von Aktiven. 2013 flog in Österreich ein großer Skandal rund um die Bundesliga auf. Mittendrin waren hier mit den damaligen Profikickern Sanel Kuljic und Dominique Taboga zwei Hauptdarsteller – bewusst verfälschte Partien im Zeitraum zwischen 2004 und 2013 (nachgewiesen werden konnten 18 Spiele) sowie insgesamt acht Verurteilungen waren die Folge der Causa.

Ebenfalls zur Folge hatte der damalige Skandal ein installiertes Kontrollsystem, das mittlerweile zum normalen Alltag im Profifußball zählt. Und das mittlerweile auch in der dritthöchsten Spielklasse zur Anwendung kommt. Der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) betreibt hier neben dem Play Fair Code (einem Verein, der durch Prävention und Bewusstseinsbildung Spielmanipulation und Wettbetrug vermeiden will) eine aktive Kooperation mit der Firma Sportradar, die potenziell verdächtige Wettvorgänge beobachtet. In weiterer Folge schaltet sich dann im Fall der Fälle das Bundeskriminalamt ein.

Reiner Ostliga-Skandal, oder doch weit mehr?

So geschehen im Fall des vorliegenden Wettskandals im Amateurgeschehen, bei dem, wie kolportiert wird, zehn Spiele der Herbstsaison mit Ostliga-Beteiligung manipuliert worden sein sollen. Am vergangenen Donnerstag erfolgten diesbezüglich Festnahmen.

Überwiegend soll es dabei um die Regionalliga Ost-Meisterschaft gehen, aber auch Spiele aus Cup-Bewerben könnten betroffen sein. Eine klare Grenze zu ziehen, welche Ligen und wie viele Spiele tatsächlich betroffen sind, wäre ohnehin rein spekulativ, da dieses Thema noch Gegenstand der Ermittlungen ist. Kurzum: Die tatsächliche Größe und Tragweite scheint noch offen zu sein. Und doch gibt es trotz noch ausbleibender offizieller Bestätigungen aus gut informierten Quellen handfeste Inhalte. So befinden sich zwei Spieler des SC Neusiedl am See und der Vater eines Neusiedl-Spielers in U-Haft, Gleiches soll für einen Akteur des FC Mannsdorf gelten. Vernommen wurde zudem ein Kicker des Wiener Sportclub. Die Dornbacher veröffentlichten in diesem Zusammenhang eine Stellungnahme, in der sie unter anderem festhielten: „Hintergrund dessen ist eine jahrelange sportliche, wie persönliche Verbundenheit eines der Verdächtigen und unseres Spielers. Nach eingehender Befragung und voller Kooperation durch unseren Spieler sind die Ermittlungsbehörden entsprechend zu dem Schluss gekommen, dass der Betroffene nicht als Beschuldigter geführt wird. Infolgedessen war unser Spieler am Donnerstag wieder zuhause.“

Polizeilich verhört und ebenfalls wieder auf freien Fuß gesetzt wurde zudem auch noch ein weiterer Regionalliga Ost-Spieler sowie ein Akteur, der bei Burgenlandligist FC Deutschkreutz unter Vertrag steht. Letzteres bestätigte Obmann Robert Strobl, der auch festhielt, dass der Spieler wieder frei ist. „Mehr wissen wir nicht, inwieweit es hier einen Zusammenhang gibt. Wenn sich ein Verdacht bestätigen würde, wäre das brutal und eine Katastrophe.“

Medial kolportiert wurde auch der ASV Draßburg, was mögliche Verdächtige betrifft. Bis dato dürfte aber niemand verhört worden sein. Obmann Ernst Wild: „Ich habe die Causa natürlich mitbekommen, bin aber bislang von niemandem kontaktiert worden, dass Spieler von uns hier betroffen wären.“

Auf APA-Anfrage bestätigte die Staatsanwaltschaft Graz, dass es in den vergangenen Tagen sieben Festnahmen gegeben habe. Ermittelt wird wegen gewerbsmäßig schweren Betrugs. Der Strafrahmen bewegt sich bei diesen Vergehen in der Regel zwischen sechs Monaten und fünf Jahre Freiheitsstrafe. Ebenfalls bestätigt ist das, was auch aus Insiderkreisen hervordrang: Drei Männer sind in der Zwischenzeit wieder seit dem Zugriff vergangener Woche auf freiem Fuß.

Ermittlungen noch in „einer heißen Phase“

Das Ermittlungsverfahren sei in Graz, weil zumindest eines der potenziell manipulierten Spiele in der Steiermark stattfand und auch hier angezeigt wurde. Ergo scheint hier aber auch die Frage, welche Ligen und wie viele Spiele tatsächlich betroffen sind, nach außen hin definitiv noch nicht klar zu sein. Die Ermittlungen seien laut APA-Bericht „noch in einer heißen Phase“ und laufen schon seit Sommer. Zuletzt gab es Hausdurchsuchungen und Festnahmen – die Verdächtigen sollen den Ausgang von Spielen manipuliert haben, etwa „durch mäßige Leistungen oder spielverzerrende Aktionen“. Trotzdem gab es aufgrund der noch laufenden Ermittlungen – auch gegen weitere unbekannte Täter – eben keine offizielle Bestätigung, um welche Vereine es sich handle.

Dass es im Zusammenhang mit Spielmanipulation Zugriffe gegeben hat, bestätigte auch ÖFB-Generalsekretär Thomas Hollerer. Infos über Klubzugehörigkeiten et cetera gebe es aber nicht, denn: „Wir erhalten den entsprechend verdächtigen Wettanbieterbericht von Spielen, der dann direkt an die Polizei weitergeht – die ist auch für strafrechtrelevante Vorgänge zuständig. Darum kennen wir auch noch keine detaillierten Hintergründe, jetzt ist einmal die ermittelnde Polizei am Zug. Wenn Verhaftungen erfolgt sind, ist das aber ein wesentlicher Zwischenschritt.“ Der entsprechende Akt findet nach der polizeilichen Arbeit klarerweise den Weg Richtung Fußball-Bund, wo dann verbandsrechtliche Konsequenzen in Form von Sperren folgen können. So weit ist man aber noch nicht. Vorerst steht schließlich abseits der sportrechtlichen vor allem die strafrechtliche Komponente im Fokus.

Lückenlose Aufklärung sei aber generell ein wesentlicher Bestandteil und auch notwendig, wie ÖFB-Präsident Gerhard Milletich klarstellt. Für Thomas Hollerer sind die aktuellen Vorgänge natürlich ein bitteres Kapitel im Amateurgeschehen, aber auch „ein Zeichen, dass wir genau hinschauen und mittlerweile über die Jahre eine gute Kontrolle geschaffen haben. Das alles ist ja auch eine Frage von Qualitätssicherung. Kein Fan will schließlich manipulierten Sport sehen.“

Genau das wollen auch die Verantwortlichen in Neusiedl nicht sehen: „Wir als Vorstand des SC Neusiedl am See 1919 werden mit den zuständigen Behörden vollumfänglich zusammenarbeiten und wollen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, zur bestmöglichen Aufklärung beizutragen“, so Obmann Peter Eigl in einer Presseaussendung des Ostligisten.