Neue Zeitrechnung für Burgenlands Olympiastarter. Für die Teilnehmer aus dem Burgenland oder von rot-goldenen Klubs heißt es ein Jahr warten — die BVZ hörte sich um.

Von Martin Ivansich. Erstellt am 03. April 2020 (06:28)

Für Thomas Zajac und Tanja Frank wird es im Sommer vorläufig keine weitere Olympia-Medaille geben. Der sportliche Höhepunkt des Jahres wurde — wegen der Corona-Krise — um ein Jahr verschoben, wird nun im Sommer 2021 (24. Juli bis 8. August) in Tokio stattfinden. Ein Entschluss, der für alle Sportler als sinnvoll erachtet wird.

„Es ist gut, dass die Gesundheit der Menschen ganz oben steht. Eine Verschiebung war für mich definitiv nicht zu vermeiden. Das war eine Entscheidung der Vernunft“, meint Zajac, der vor vier Jahren in Rio noch Österreichs einziges Edelmetall bei den Spielen 2016 (Bronze) holte. Damals noch gemeinsam mit ihm im Nacra17-Boot: Tanja Frank, die jetzt mit Lorena Abicht eigentlich im 49erFx-Bewerb um Medaillen segeln hätte sollen: „Dass wir heuer nicht zu den Olympischen Spielen fahren, ist für uns absolut nachvollziehbar, die Entscheidung absolut richtig“, sieht auch Frank die Absage als völlig alternativlos an.

Planung ist aber für die 27-Jährige aktuell noch nicht möglich: „Wir sind noch immer zu Hause und halten uns daheim mit Training fit. Daneben gibts zahlreiche Online-Meetings mit dem Segelverband. Wir haben uns aber noch keinen Plan machen können, weil wir ja nicht wissen, wann wieder Wettkämpfe sind und wo diese auch sind. Wir wissen ja noch nicht einmal, wann wir wieder segeln können. Aktuell geht nur eine Planung Woche für Woche.“

Noch nicht ganz geklärt: das Thema Qualifikation

In Bezug auf eine neuerliche Qualifikation meint Frank: „Alle Nationen-Tickets sind vergeben. Und laut IOC bleibt das auch so. Ich weiß, dass es bei uns um das Nationen-Ticket geht, aber ich denke mir, warum sollten sie uns unseren Startplatz wieder wegnehmen? Andere Nationen haben schon bestätigt, dass die interne Qualifikation so belassen wird. Ich hoffe, dass dies auch bei uns noch der Fall sein wird. Wir werden jedenfalls so gut es aktuell geht fokussiert trainieren.“

Thomas Zajac ist mittlerweile, genauso wie seine Neusiedler Nacra17-Partnerin Barbara Matz, aus seiner zweiwöchigen Quarantäne, die er am Neusiedler See verbrachte — die BVZ berichtete — raus: „Ich bin wieder in Wien, wo ich weiterhin mit den Trainingsplänen unseres Kondi-Trainers allein trainiere. Organisatorisch ist viel zu erledigen. Von Montag bis Freitag gibts viele Workshops, Pressanfragen und Telefonkonferenzen.“ Aktuell ist Zajac beim Bundesheer „on hold“, was so viel heißt: „Wenn sich die Lage verschärft, kann es durchaus sein, dass ich eingezogen werde.“ Konkret werden in Bezug auf Sport geht momentan praktisch nicht: „Mehr als den Termin, dass die Spiele wieder im Juli stattfinden, wissen wir nicht. Das ist aber gut für uns Segler, weil wir die gesamten Wetterdaten bereits für genau diesen Zeitraumen gesammelt haben. Spiele im Frühjahr oder im Herbst wären für uns viel schlechter gewesen, weil wir da keine Daten über Wind und Wetter haben. Der Plan für Olympia 2021 ist dementsprechend auch „on hold“. Unser Wunsch wäre, dass wir im Sommer in Japan trainieren, im Herbst in Europa Wettkämpfe bestreiten können und im Winter einen Spot suchen, der ähnlich ist wie Japan. Vielleicht wieder Uruguay. Das wäre der Idealfall, uns ist aber vollkommen klar, dass wir uns so wie alle anderen Menschen an die Maßnahmen halten müssen. Wenn wir vom Segelverband den Call bekommen, dass wir segeln können, dann werden wir uns rasch ein Konzept zulegen.“

Zur Quali: „Was wir wissen, ist, dass die Nationen-Tickets fix bleiben. Die werden nicht angerührt. Noch nicht kommuniziert wurden die internen Qualifikationen. Das Interesse des Verbands muss sein, dass der Beste hingeschickt wird. Und es heißt ja nicht, dass derjenige, der jetzt vorne ist, auch im Frühjahr 2021 die Nummer eins ist.“

Für die Parndorfer Schwimmerin Lena Grabowski ändert sich nicht viel in Bezug auf die Olympischen Spiele, weil sie auch 2021 ihr Tokio-Ticket fix hat: „Es ist dasselbe Ziel, nur ein Jahr verschoben.“ Zur Entscheidung meint die 17-Jährige: „Ich finde es gut, dass verschoben wurde, weil es den Sportlern gegenüber unfair gewesen wäre, die noch Chancen auf eine Qualifikation hatten. Einige waren nur ganz wenig davon entfernt.“

Für Grabowski hätte der Entschluss durchaus früher fallen können: „Ich hatte das Gefühl, man wollte nicht, dass die Spiele verschoben werden. Erst als Olympische Komitees, wie etwa jene von Kanada und Australien, verlautbarten, ihre Athleten nicht nach Tokio zu entsenden, hat man sich umstimmen lassen. Das finde ich schade, dass man zuerst Druck ausüben musste.“

Bahnrad-Routinier Andreas Müller (40) vom RSC Südburgenland muss auf seine Olympia-Premiere mindestens ein Jahr warten: „Die Verschiebung auf 2021 ist sicherlich für alle Beteiligten sinnvoll. Die gezielte Vorbereitung kann aktuell noch niemand planen, solange noch nicht klar ist, wann es wieder Wettkämpfe geben wird. Bis dahin trainieren wir alle individuell mit den bekannten Einschränkungen, da es aber derzeit alle fast identisch trifft, ist es kein Nachteil. Eine erneute Olympia-Qualifikation halte ich für extrem unwahrscheinlich. Das IOC hat genug mit den Sportarten zu tun, wo Qualifikationen noch ausständig sind, da sind sie froh über jede Sportart, die bereits durch ist.“

Für Österreichs besten Golfer, Bernd Wiesberger, wären die Olympischen Spiele — auch wenn der Zeitpunkt mit vielen US-Turnieren im Sommer kollidiert wäre — definitiv ein Thema gewesen. Der Südburgenländer hat die Prozedur, mit allen Akkreditierungen, die für Olympia notwendig sind, auf sich genommen und sich die Option Tokio offengehalten: „Das ist jetzt hinfällig, aber eine absolut richtige Entscheidung“, so Wiesberger, der sich daheim in Bad Tatzmannsdorf fit hält und vorerst nur abwarten kann, wie und wann es für ihn sportlich weitergeht.

Badminton-Ass Luka Wraber (ASKÖ Neudörfl) hatte die Olympia-Qualifikation so gut wie in der Tasche, war nach elf der zwölf Qualimonate nur mehr theoretisch aus den Quotenplätzen zu verdrängen. War das jetzt alles hinfällig? „Das kann ich mir nicht vorstellen, weil ja auch die Signale vom IOC in die Richtung gehen, dass alles zählen soll.“ Die wahrscheinlichste Variante ist, dass die im März und April abgesagten Qualifikationsturniere zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden, glaubt Wraber. Ein offizielles Statement des Badminton-Weltverbandes stand zu Redaktionsschluss am Mittwochvormittag noch aus.