Oberwart Gunners feierten doppelte Erfolgsstory. Die Südburgenländer feierten vor 25 Jahren mit Cupsieg und Bundesliga-Aufstieg einen Meilenstein ihrer Klub-Historie.

Von David Marousek. Erstellt am 06. Mai 2020 (02:15)

Es sollte eine historische Woche für den burgenländischen Basketball werden: Im April 1995 setzten sich sowohl die Oberwart Gunners als auch die Mattersburg 49ers (die bis 2007 erstklassig bleiben sollten) im Aufstiegs-Playoff durch und stiegen so gemeinsam in die damalige „A-Liga“ auf. In der gleichen Spielzeit konnten die Gunners zudem das Cup-Final-Four für sich entscheiden.

Der damalige Kapitän Andreas Leitner erlebte den sportlichen Wahnsinn hautnah mit: „Nachdem wir den Cup gewannen, kam dann auch noch der Aufstieg hinzu. Es war der Startschuss für eine lange Erfolgsgeschichte.“ Und auch der heutige Gunners-Präsident Thomas Linzer, der damals im Vorstand für Finanzen und Marketing tätg war, war schon dabei: „Es war eine Sensation, dass es mit dem Aufstieg so schnell ging. Generell kam es aber nicht so überraschend. Wir wollten Oberwart in die Bundesliga bringen.“ Das klappte nachhaltig.

Bryant: „Fans hatten sehr großen Einfluss“

Andi Leitner war als danach langjähriger Manager einer von vielen Eigenbauspielern und seit 1984 im Verein. Mit ihm komplettierten Berthold Lehner, Thomas Benkö, Joachim Kainz, Walter Obojkovits, Rene Laky, Werner Geisberger, Arno Frühwirth und Bernd Volcic das österreichische Feld, das schon damals mit US-Legionären ergänzt wurde. Paris Bryant, Charles Payton und Roy Howard waren wie auch der Tscheche Ondrej Pavelka entscheidend beteiligt. Der Erfolg blieb für immer, die Erinnerungen daran werden regelmäßig aufgefrischt. „Im Sommer treffen wir uns jährlich, nehmen die Kinder, dafür aber keine Basketbälle mit“, berichtet Leitner schmunzelnd, und lobt vor allem Bryant in höchsten Tönen: „Er ist eine der ganz großen Legenden und einer der besten Gunners aller Zeiten.“

Dieser schloss Oberwart ins Herz, wie er der BVZ bekräftigt: „Als ich im August 1993 nach Oberwart kam, war die Bundesliga unser Ziel. Dass wir das schafften, war sehr zufriedenstellend. Es war für die Bevölkerung so wundervoll, den Cup und die Liga zu gewinnen. Die Fans hatten großen Einfluss auf unseren Erfolg.“ Die Auszeichnung zum besten Spieler, kurz MVP genannt, holte er sich im Rahmen des Cup-Final-Fours. Den hätte er liebend gerne geteilt: „Roy Howard und ich hätten Co-MVPs werden sollen.“

Seit 1995 bereichern die Gunners die Bundesliga, verbesserten sich stetig und konnten die Erfolgsvitrine weiter auffüllen. Federführend dabei? Leitner, der selbst zweimal Cupsieger wurde und zweimal die Saison als Vize-Meister beendete. Als Manager holte er zudem 2011 die Meisterschaft ins Südburgenland, 2015 dann das Double.

Der Basketball hat sich in den letzten 25 Jahren allerdings verändert. Vor allem die Arbeitsweise ist eine gänzlich andere, wie Leitner bestätigt: „Früher rannten wir taschenweise mit VHS-Kasetten herum, um Spieler zu scouten.“ Auch Präsident Linzer beschreibt das ähnlich: „Es gab kein Internet, Fax und Telefon waren unsere Kommunikationsmittel. Einmal im Jahr kam dazu ein Magazin mit allen College-Spielern der USA heraus. Über College-Coaches und Agenten kamen wir dann zu den Spielern.“ Eine Spielerverpflichtung dauerte damals bis zu zwei Monate. In Zeiten sozialer Netzwerke ist das mittlerweile undenkbar. „Wir hatten horrende Telefonrechnungen. Heute bekommen wir fast täglich Listen von Agenten für neue Spieler. Jemand, der heute in das Business einsteigt, kann sich das gar nicht mehr vorstellen“, lacht Linzer.

Mit dem aktuellen Team, wo aufgrund Corona noch sehr viel Eigeninitiative der Profis gefragt ist, zeigt sich Ex-Kapitän Andreas Leitner zufrieden: „Da gibt es einen hervorragenden Eigenbau. Das Vertrauen, das Headcoach Horst Leitner in die Österreicher gesetzt hat, wird sich in einer für Legionäre unsicheren Zeit sicher bezahlt machen.“