Wir sind St. Michael.

Erstellt am 25. September 2019 (11:21) – Anzeige
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Stefan KARLOVITS, 19 Jahre Kundenberater bei der RBB Güssing,
Fußballer beim SV St. Michael und FF Mitglied
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BVZ: Warum St. Michael und nicht Wien oder Graz?
Stefan Karlovits: Nach meiner Schulzeit hat sich für mich in meinem Heimatort eine Berufsmöglichkeit ergeben, die ich nicht ausschlagen konnte. Seit ich denken kann, ist das Südburgenland meine Heimat. Die Nähe zu Freunden und Familie ist natürlich ein zusätzlicher Pluspunkt. Es gefällt mir hier einfach zu gut, um jetzt hier wegzugehen.

BVZ: Was wünschen Sie sich für die Gemeinde? Was soll sich ändern?
Karlovits: Ich wünsche mir eine Alternative zum Auto. Natürlich gibt es Busverbindungen, aber eine Zugverbindung wäre eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität am Land. Die Kosten dafür sollten in Anspruch genommen werden, um unser kleines „Kaff“ für Außenstehende attraktiver zu machen. Außerdem wäre Offenheit und Mut zu Neuem hier am Lande ganz wichtig für unsere Gesellschaft.

BVZ: Gehört dem Leben auf dem Land die Zukunft?
Karlovits: Das kommt darauf an. Wenn man weiter auf Trends und Entwicklungen reagiert und somit den hohen Standards der Städte und Industrieregionen etwas entgegenzusetzen hat, dann meine ich ja. Die Infrastruktur und der Arbeitsmarkt spielen hier eine sehr wichtige Rolle, um uns als Wirtschaftsstandort in den Mittelpunkt zu drängen. Natürlich hat die Stadt einen Vorteil in puncto Diversität und Bevölkerung, aber am Land finden sich immer eigene Wege zum Ziel.

Natalie HIERMANN, 39 Jahre Elementarpädagogin
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BVZ: Warum St. Michael und nicht Wien oder Graz?
Natalie Hiermann: Weil ich auf dem Land aufgewachsen bin. Ich habe über ein Jahrzehnt in Wien verbracht, das war genug. Am Land schätze ich das Leben im Grünen, den Zusammenhalt innerhalb der Bevölkerung und der Familie und die ursprüngliche Wertevermittlung spielt hier am Land auch eine ganz andere Rolle, als in der Stadt. Das ist ein enormes Plus.

BVZ: Was wünschen Sie sich für die Gemeinde? Was soll sich ändern?
Hiermann: Ich wünsche mir für die Gemeinde St. Michael, dass sie trotz manchmal schwieriger Zeiten auf innovativem und zukunftsorientiertem Kurs bleibt, um die vielen Vereine, die Kleinbetriebe und die Bildungsinstitutionen noch für eine lange Zeit erhalten zu können. Für eine kleine Gemeinde ist das enorm wichtig, um auch eine gewisse Lebensqualität am Land bieten zu können.

BVZ: Gehört dem Leben auf dem Land die Zukunft?
Hiermann: Die Fakten — mehr Hauptmeldungen in großen Städten —  sagen ja eigentlich etwas ganz anderes, aber es findet ein Umbruch und Umdenken statt, weil den Menschen Natur und Brauchtum immer wichtiger werden. Genau dadurch stehen die Chancen für ein Leben auf dem Land nicht schlecht. Also ja, ich denke, dass dem Leben auf dem Land die Zukunft gehört, auch wenn es in Sachen Infrastruktur sicher noch einiges braucht, um an Attraktivität zu gewinnen.

Johann MAIKISCH, 90 Jahre Pensionist, ehemaliger 1. Offizier bei der Marine und Landwirt
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BVZ: Was hat sich im Laufe ihres Lebens sehr verändert?
Johann Maikisch: Ich bin mit 19 Jahren nach Deutschland gegangen um als Offizier bei der Marine zu arbeiten. Nachdem ich als junger Mann aus Deutschland zurückgekommen bin, habe ich meine Frau geheiratet und wurde dann unerwartet Landwirt. Das Leben hier am Land wurde immer besser und wir hatten auch mehr. Wir haben Häuser gebaut – unser eigenes Haus und das der Kinder – und uns hat es an Nichts gefehlt.

BVZ: Wie haben Sie in der Gemeinde mitgewirkt?
Maikisch: Ich war ungefähr zehn Jahre Mitglied beim SV St. Michael, davon einige Jahre als Tormann selbst aktiv. Ansonsten war ich nie bei Vereinen dabei, aber ich habe immer jedem geholfen, der meine Hilfe benötigt hat. Damals hat man gemeinsam Häuser gebaut, jeder hat dem anderen geholfen, das war normal.

BVZ: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Maikisch: Ich bin jetzt 90 Jahre alt und möchte noch lange gesund bleiben und Karten spielen gehen (schmunzelt). Das mache ich täglich und wir haben sogar Zuschauer. Außer Montag, da hat das Wirtshaus Ruhetag. Früher hatten wir keine Zeit zum Schnapsen, jetzt nehme ich sie mir (lacht wieder).

BVZ: Haben Sie einen Tipp für uns beim Karten spielen?
Maikisch: Ja! Schöne Karten kriegen und gewinnen! (lacht)