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Alfred Lehner: Der Bildungsdirektor hat ehrgeizige Ziele
Bildungsdirektor im Talk
Seit fünf Wochen ist Alfred Lehner im Amt und er hat einen klaren Fokus: Die Umstrukturierung des Landesschulrates zu einer Bildungsdirektion. Dieses Vorhaben erfordert Geduld und Ausdauer. In einem Interview betont er die fundamentale Bedeutung von Bildung für das soziale und wirtschaftliche Wohl Österreichs und hebt hervor, dass eine gut gebildete Bevölkerung der Schlüssel zur gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Teilhabe ist.
Alfred Lehner (li.) m Gespräch mit Bildungslandesrätin Daniela Winkler und Landeshauptmann Hans Peter Doskozil kurz nach seiner Präsentation als Bildungsdirektor.
© Wolfgang Millendorfer
BVZ: Wie waren Ihre ersten Wochen als Bildungsdirektor? Was ist Ihnen aufgefallen?
Alfred Lehner: Was die Systematik betrifft, befinden wir uns im Umbau des Landesschulrates zu einer Bildungsdirektion. Da sind wir aber noch nicht angekommen, daran arbeite ich nun und das braucht Zeit und Geduld.
Sie sind seit fünf Wochen im Amt, welchen Stellenwert hat Ihrer Meinung nach Bildung für das soziale und wirtschaftliche Wohl Österreichs?
Lehner: Eine gut gebildete, leistungsfähige und qualifizierte Bevölkerung ist für das soziale und wirtschaftliche Wohl Österreichs von grundlegender Bedeutung. Bildung ist ein entscheidender Faktor, damit der Einzelne beziehungsweise die Einzelne über das Wissen, die Kenntnisse, die Haltung und die Kompetenzen zur effektiven Teilnahme am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben verfügt. Die Steigerung des Bildungsniveaus der Schüler:innen ist daher ein vorrangiges Ziel des österreichischen Bildungssystems.
Wie unterstützt das österreichische Schulsystem die Schüler in der Entfaltung ihrer Stärken und der Nutzung digitaler Chancen?
Lehner: Junge, selbstbestimmte Menschen sollen am Ende ihrer Schullaufbahn ihre Stärken und Begabungen kennen. Sie sehen ihre Perspektiven in einer sich verändernden Gesellschaft im digitalen Zeitalter. Sie ergreifen die Chancen, die sich ihnen bieten, um ihr privates und berufliches Leben meistern zu können. Als aktive Mitglieder der Gesellschaft kennen sie die Bedeutung von demokratischer Mitbestimmung und Mitgestaltung. Das Ziel des österreichischen Schulsystems ist es, Schüler:innen den für sie individuell geeigneten Bildungsweg beschreiten zu lassen.
Man hört immer wieder, dass junge Menschen nicht sinnerfassend lesen können und dass bei vielen Kindern grundlegende Deutschkenntnisse fehlen. Im Burgenland ist dies noch nicht so ausgeprägt wie in Wien. Wie kann man dieser Entwicklung entgegenwirken, welche Antwort hat das Bildungssystem darauf?
Lehner: Sprache lernt man nur durch Kommunikation. Als vorbildhaft möchte ich hier die burgenländische Mentalität erwähnen: Als ich in die Schule ging, saßen in einer Klasse Schüler:innen mit österreichischen, ungarischen und kroatischen Wurzeln. Diese Vermischung der Volksgruppen im Burgenland ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Problematik von Kindern mit Migrationshintergrund gelöst werden kann. Wir müssen darauf achten, dass in den Klassen eine gute Durchmischung der Sprachen erfolgt. Dafür brauchen wir in jeder Klasse genügend Schüler:innen mit guten Deutschkenntnissen.
Welche Rolle spielt das Schulqualitätsmanagement?
Lehner: Das Schulqualitätsmanagement ist die Basis für eine moderne Schul- und Unterrichtsorganisation. Wenn ich nicht weiß, wie ich Schule planen oder organisieren soll, wird es auch keine gute Schule geben. Der Qualitätsrahmen liefert die Planvorgabe für gute Schulen.
Bereiten Schulen mit ihren verstaubten Lehrplänen wirklich aufs Leben vor?
Lehner: Es gibt keine verstaubten Lehrpläne mehr, sondern es geht vielmehr darum, dass die neuen Lehrpläne in den Schulen auch umgesetzt werden. Diese enthalten neben den Fachinhalten auch überfachliche und fächerübergreifende Inhalte, die die Schüler:innen durch die Verschränkung der Lerninhalte mit anderen Fächern und darüber hinaus auf die Zukunft gut vorbereiten und Bezug nehmen auf die vier Grundkompetenzen, die den Heranwachsenden in der Schule mitgegeben werden sollen: Kooperation, Kommunikation, Zusammenarbeit und Kreativität.
Welche Rolle spielen digitale Technologien im Bildungsprozess und wie wollen Sie sicherstellen, dass die effektiv genutzt werden?
Lehner: Künstliche Intelligenz ist gekommen, um zu bleiben. Unsere Kinder wachsen mit künstlicher Intelligenz auf und gehen mit ihr ganz natürlich um. Für den Bildungsbereich gilt es, künstliche Intelligenz optimal in den Unterricht zu integrieren und die Schüler:innen mithilfe fachdidaktischer Konzepte darin zu unterrichten.
Welche Ziele verfolgen Sie in den nächsten Jahren, was liegt ihnen besonders am Herzen, was ist Ihnen wichtig?
Lehner: Die Bildungsreform 2017 stellt die Regionalität in den Vordergrund. Ich möchte im Burgenland nicht eine, sondern zwei Bildungsregionen (BR Nord – Neusiedl/Eisenstadt/Mattersburg; BR Süd – Oberpullendorf/Oberwart/Güssing/Jennersdorf) zur stärkeren Anpassung des Bildungsangebotes auf die regionalen Bedürfnisse im Burgenland etablieren. Das Nordburgenland unterscheidet sich vom Südburgenland hinsichtlich des Bevölkerungswachstums, des Wirtschaftsstandortes, der Infrastruktur, der Schulgrößen, des Kinderbetreuungsangebotes und vielem mehr.
Wie können Bildungs- und Förderprogramme in der Region gestaltet werden, um die individuellen Stärken und Fähigkeiten der Kinder zu erkennen und zu entwickeln, damit diese eine zukunftsfähige Perspektive in ihrer Heimat sehen und langfristig zum wirtschaftlichen und sozialen Wachstum der Region beitragen?
Lehner: Die Kinder einer Region sind nicht nur deren Gegenwart, sondern auch deren Zukunft. Deshalb gilt es, Potentiale dieser Kinder zu erkennen und diese entlang ihrer Stärken und Fähigkeiten auch im Sinne der Zukunftsfähigkeit der Region zu fördern und zu entwickeln. Damit soll gewährleistet sein, dass sich manche von ihnen dazu entschließen, auch in ihrer Heimat wohnhaft zu bleiben und ihren Lebensunterhalt in der Region zu verdienen.
Wie können Schulautonomie und die Professionalisierung von Schulleitungen zur Lösung lokaler Probleme beitragen?
Lehner: Die Stärkung der Schulautonomie sowie die Professionalisierung von Schulleitungen in Bezug auf eine flexible, kreative und zeitgemäße Schul- und Unterrichtsentwicklung an den jeweiligen Standorten in der Region ist wichtig. Probleme müssen nämlich vor Ort gelöst werden.
Welche Lösungsvorschläge gibt es hinsichtlich veränderter gesellschaftlicher Strukturen und dem Fehlen traditioneller Betreuungsmöglichkleiten?
Lehner: Für mich ist hier der Ausbau der schulischen Ganztagsbetreuung das zentrale Thema. Großeltern, welche früher die Kinderbetreuung übernahmen, gibt es heute in der Form kaum noch. Darauf müssen wir reagieren und sinnvolle Angebote schaffen, wie etwa die schulische Ganztagsbetreuung. So können gesellschaftliche Veränderungen schülerorientiert abgefedert werden.
Wie können Bildungseinrichtungen und gesellschaftliche Programme in Ihrer Region effektiv darauf vorbereitet werden, um neue Herausforderungen zu meistern?
Lehner: Hier gilt es, die Herausforderungen unserer Zeit, wie das Friedens- und Demokratieverständnis oder ein Integrationskonzept zum Verständnis der unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Weltanschauungen zu bewältigen. Das ist nicht einfach, aber machbar.
Woran werden Sie Ihren Erfolg als Bildungsdirektor messen?
Lehner: Ich gehe den Weg, den ich für richtig halte, das habe ich in meiner bisherigen beruflichen Laufbahn immer gemacht. Meinen Erfolg werde ich daran messen, ob es mir gelungen ist, die Bildungsreform 2017 sinngebend ihrer Intention im Burgenland sowohl für Schulen als auch für die Verwaltung auf den Weg gebracht zu haben.
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