Das „gesunde Wasser“ unterm Neusiedlersee. Unterhalb des Neusiedlersees befindet sich das größte Minerlwasservorkommen Europas.

Von Richard Vogler. Erstellt am 07. April 2021 (10:41)
Ein Bild aus früheren Tagen der Firma „Güssinger“. Das Unternehmen ist jedoch bereits Geschichte, im vergangenem Jahr schlitterte es in die Insolvenz.
Landesarchiv

Der Neusiedlersee, auch als „Meer der Wiener“ bezeichnet, ist das Tourismus-Aushängeschild des Landes. Als größter Steppensee Europas ist er weit über die Grenzen Österreichs bekannt. Von der Öffentlichkeit unbemerkt und nur marginal genutzt, hat das Burgenland eine weitere Superlative zu bieten: Das größte Mineralwasservorkommen Österreichs, die als „Mineralwasserlagerstätte Neusiedler See“ bezeichnet wird.

Im Jahre 1955 wurde durch eine Zufallserschließung anlässlich des Versuches, für das damals im Bau befindliche Seehotel in Mörbisch Süßwasser zu erbohren, die Mineralwasserlagerstätte Neusiedlersee entdeckt. Sie umfasst ein Gebiet von rund 250 Quadratkilometern und besteht aus zwei „Stockwerken“.

Das obere reicht bis in eine Tiefe von 150 Metern und liefert hoch konzentrierte Natriumsulfat- und Magnesiumsulfatwässer. Dabei wurden auch Mineralwässer mit einem Salzgehalt von über 37 g/1 angetroffen. Die Heilwirkung solcher Mineralwässer ist bei Leber und Gallenleiden, aber auch zum Beispiel bei Durchfallerkrankungen nachgewiesen. Im selben Stockwerk liegt auch der zweite Grundwasserhorizont (30 - 100 Meter Tiefe), der häufig gespannte Wässer mit Verweilzeiten von mehr als 30.000 Jahren enthält.

Keine kommerzielle Nutzung

In den obersten Schichten des unteren Mineralwasserstockes (bis 800 bzw. bis 1200 Meter) wurden fluorreiche Kochsalzlösungen angetroffen, die zur Regulation der Magensäure geeignet wären.

Kommerziell wie etwa die bekannten burgenländischen Marken wird die Mineralwasserlagerstätte nicht genutzt. Dennoch gibt es Mineralwasser zum Trinken davon: Die „Bartholomeusquelle“ in Illmitz. Seit dem Jahre 1930 steht das Mineralwassser, im Volksmund „Arteserwasser“ genannt, der Öffentlichkeit unentgeltlich zur Verfügung. Das Quellgut tritt rund 3,5 Meter unter der Geländeoberkante aus. Bei der St. Bartholomäus-Quelle handelt es sich um einen „Natrium-Hydrogencarbonat-Mineral-Trinksäuerling“ mit einer Quelltemperatur von 15,6 Celsius aus 201,3 Mete Tiefe. Die Burgenländische Landesregierung hat 1996 die St. Bartholomäus-Quelle zur Heilquelle erklärt. Empfohlene Therapie: Trinkkuren bei bestimmten Magen-, Darm- und bei Harnwegserkrankungen.

Die Mineralwässer und Säuerlinge auf dem Gebiet des heutigen Burgenlandes sind einige der wichtigsten Bodenschätze und haben an manchen Orten überregionale Bedeutung erlangt.
Kultur Burgenland

Die Bartholomäus-Quelle ist nicht die einzige kleinere Mineralwässeranlage zur Selbstentnahme im Burgenland. In Bad Sauerbrunn etwa wurde bei der Bohrung der Gemeindequelle 1967 im neuen Kurpark ein artesischer Säuerling entdeckt. Die Entnahmemöglichkeit von der „Paul Quelle“ hat mittlerweile mit der „Genussquelle“, nur wenige Meter davon entfernt, einen neuen Standort.

Im Mittelburgenland steht den Piringsdorfern die „Sulzquelle“ zur Verfügung. 2007 wurde ein Gutachten zur Anerkennung und Nutzung des Heilvorkommens als „Sulzquelle“ erstellt. Weitere Standort solcher Mineralwässer befinden sich in Ollersdorf (Marienquelle) und im Bad Taztmannsdorfer Kurhaus gibt es einen Brunnen mit Mineralwasser zur Entnahme.

Große wirtschaftliche Bedeutung haben die bekannten burgenländischen Mineralwassermarken. Die Quellen der heutigen Römerquelle in Edelstal waren schon in der Römerzeit bekannt und sind artesisch. Ab 1925 begann die kommerzielle Nutzung des Wassers, 1965 wurde die Quelle auch staatlich als Heilquelle anerkannt. Aus dieser wurden 2005 von der 1965 gegründeten Firma Römerquelle GesmbH. und Co. KG jährlich 150 Millionen Liter abgefüllt. 2003 wurde das Unternehmen von Coca-Cola übernommen.

Der ursprüngliche Standort der Wasserentnahmestelle des Bad Sauerbrunner Säulerlings. Mittlerweile ist er in der Genussquelle beheimatet.
Topothek Bad Sauerbrunn

Die Kobersdorfer Waldquelle wurde im Jahr 1830 erstmals registriert und befand sich ursprünglich im Besitz der Fürstenfamilie Esterházy. Anfang des 20. Jahrhunderts schloss ein Wiener Ingenieur einen Pachtvertrag mit der Familie Esterházy ab und legte damit den Grundstein des Unternehmens Waldquelle. Die Inbetriebnahme des ersten Abfüllortes von Waldquelle erfolgte 1912. 1958 wurde das Unternehmen von der Familie Hohl übernommen. Diese investierte in Maschinen und in die Abfüllhalle. 1986 wurde auf einem 20.000 Quadratmeter großem Grundstück in Kobersdorf ein neuer Abfüllbetrieb errichtet. Die Geschichte der Deutschkreutzer „Juvina“ reicht bis ins Jahre 1777 zurück als der „Keresztur-Säuerling“ zum ersten Mal erwähnt wurde. Die erste Abfüllanlage datiert aus dem Jahre 1961, seit 1989 sind die Quellen im Besitz der Familie Starzinger.Die Produktion der Pöttschinger „Markusquelle“ wurde 2009 eingestellt, das „Güssinger“ schlitterte 2020 in die Insolvenz.