Daniel Serafin: „Und der Stein muss beben …“

Erstellt am 11. August 2022 | 11:27
Lesezeit: 4 Min
Im Gespräch mit der BVZ zieht der künstlerische Direktor der Oper im Steinbruch vor dem heurigen Finale erfreut Bilanz und gibt einen Ausblick auf „Carmen“, die 2023 in St. Margarethen regiert.
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Schon kurz nachdem Daniel Serafin zu Beginn des BVZ-Gesprächs vom perfekten Festival-Wetter zu schwärmen begonnen hat, klingelt sein Handy. Er hebt ab und kündigt höflich den baldigen Rückruf an. „Ich würde mir Sorgen machen, wenn‘s nicht mehr läutet“, lacht der künstlerische Direktor der Oper im Steinbruch, „denn das Schönste ist, dieser Berufung folgen zu können.“ Dass es in diesem Sommer mit „Nabucco“ besonders schön ist, das würden die Besucherzahlen zeigen, die man direkt mit der „Zauberflöte“ 2019 vergleichen könne, seiner ersten Steinbruch-Produktion.

„Die Zuschauerinnen und Zuschauer sind uns treu geblieben und sie wollen etwas erleben. Das Steinbruch-Areal umfasst 32.000 Quadratmeter, wir haben mit 7.000 Quadratmetern eine der größten Freiluftbühnen Europas. Wenn man da nicht Kultur genießen kann, wo dann?“, spielt Serafin auf die weitaus schwierigere „Corona-Saison“ im Vorjahr an.

Viermal wird dieses Wochenende noch im Steinbruch gesungen, dann geht‘s für die Künstlerinnen und Künstler wieder hinaus in die Welt: „18 Nationen sind im Ensemble vertreten, das ist wie eine Familie, die für acht Wochen mit dem tollen Team zusammenkommt.“

Die Namen, die im Steinbruch gastieren – etwa Grammy-Gewinner Lucas Meachem in der Titelrolle und die Ukrainerin Ekaterina Sannikova als Protagonistin Abigaile – seien kein Zufall: Arrivierte Künstlerinnen und Künstler stehen neben neuen Entdeckungen; Erstere „wollen die Oper im Steinbruch auch in ihrem Lebenslauf haben“, Zweitere spürt Daniel Serafin zum Teil selbst bei kulturellen Reisen während des Jahres auf.

Liebe, Dramatik und Spektakel

Denn das alte Sprichwort, dass die neue Saison unmittelbar nach der zu Ende gegangenen beginnt, das entspreche genauso der Wahrheit: „Eine Saison endet immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die Vorfreude auf ,Carmen‘ 2023 ist aber riesig.“ Er dürfe noch nicht zu viel verraten, sagt Serafin, „aber es wird wieder viele internationale Namen geben – und man wird sich im Steinbruch vorkommen, als wäre man in Sevilla“.

In der großen Inszenierung liegt laut Serafin auch das Geheimnis, wie man die berühmte nächste Generation an Opern-Fans gewinnen kann: „Man muss faszinieren und ein Spektakel bieten! Es darf neben der Liebe und Dramatik also auch die ,actiongeladenen‘ Elemente geben. Die Oper in dieser Dimension muss das beinhalten. Der Stein muss beben!“

Und all das in der Festivalregion, die man ganz selbstverständlich mit den Seefestspielen Mörbisch und in Kooperation mit dem Land teile. „Es ist schön, so zusammenzuarbeiten. Der eine nimmt dem anderen ja nichts weg, im Gegenteil: Wenn man in der Luftlinie acht Kilometer nebeneinander liegt, muss man sich auch keine Sorgen machen.“

Die Sommer am See, die kennt der heutige Opern-Direktor seit jungen Jahren, als Vater Harald Serafin 1992 seine 20-jährige Intendanz in Mörbisch antrat: „Es gab so viele wunderschöne Erlebnisse, das Burgenland ist natürlich längst ein Teil von mir!“ Während einer Produktion bezieht er deshalb auch Quartier in Rust; zuhause ist Daniel Serafin nicht nur im Burgenland und in Wien, sondern gewissermaßen auch in New York, wo er jährlich den „Viennese Opera Ball“ auf die Beine stellt. Am kommenden Wochenende gehört der Kosmopolit aber wieder ganz dem Steinbruch St. Margarethen – und das gilt irgendwie immer, denn: „Nach der Oper ist vor der Oper …“

Info: „Nabucco“-Finale

Die letzten Vorstellungen im Steinbruch St. Margarethen finden ab heute, Donnerstag, und noch bis Sonntag, 14. August (Start: jeweils 20 Uhr), statt

www.operimsteinbruch.at