Taskforce gegründet: „Der See darf nicht austrocknen“. Eine Landes-Taskforce soll Wasser aus der Donau zuführen lassen. Das ist nicht nur teuer, sondern birgt auch Gefahren.

Von Markus Wagentristl und Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 04. Juni 2020 (05:53)
„Muss“ erhalten werden: Der Neusiedler See.
Archiv Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel

Die Regenfälle der vergangenen Tage waren nur ein Tropfen auf den heißen Stein: Der Wasserstand des Neusiedler Sees ist nach wie vor auf dem niedrigsten Niveau seit 1965. Landesrat Heinrich Dorner beschloss daher die Gründung einer Taskforce, in der alle „Stakeholder“ vertreten sein sollen: Österreich, Ungarn, Tourimus und Umweltschutz. Das Ziel ist klar formuliert: „Der See darf nicht austrocknen!“, fasst Dorner zusammen. Sollten Niederschläge völlig ausbleiben, wäre es aber in drei bis vier Jahren soweit, ergeben die Kalkulationen des Leiters der neuen Taskforce.

Landesrat Heinrich Dorner mit dem neuen Taskforce-Leiter Christian Sailer bei der Pressekonferenz.
Wagentristl

Christian Sailer ist der Hauptreferatsleiter für Wasserwirtschaft in der Baudirektion des Landes. Seine Taskforce soll einen Zufluss von der Donau (die Raab führt im Sommer zu wenig Wasser) zum See legen lassen. Bei der letzten Trockenperiode 2003 hatte das Land Niederösterreich der Zufuhr eine Abfuhr erteilt, so Sailer. Die Befürchtungen seien damals gewesen, dass wegen der Wasserabfuhr die Donau an gewissen Stellen verebben könnte. Die Raab geht also nicht, die Donau auf österreichischer Seite scheidet auch aus. Was bleibt dann übrig? „Wir führen Gespräche mit der ungarischen Seite, mehr kann ich dazu noch nicht sagen“, bleibt Dorner kryptisch. Wo er aber recht deutlich wird, ist der finanzielle Aspekt: „Günstig wird das nicht.“ Gegenüber der BVZ präzisiert Sailer, dass eine Zufuhr Straßen und Gleise kreuzen müsse, dazu brauche es ein offenes Kanalsystem oder ein zumindest teilweise unterirdisches. 2003 seien die Kosten dafür auf 65 Millionen geschätzt worden.

Sorgen für Bauern und Umweltschützer

Die ausbleibenden Regenfälle sind auch für die Landwirte des Seewinkels ein Problem. Sie dürfen 22 Millionen Kubikmeter zur Bewässerung aus dem Grundwasser nehmen, schlägt eine der drei Messstationen wegen Wassermangels Alarm, gilt ein Entnahmestopp.

Und auch Umweltschützer melden sich zu Wort: Sowohl Grüne als auch der WWF warnten vor einer „Aussalzung“ des Sees durch die Zufuhr von Flusswasser. Schwankende Wasserstände „bis zu völliger Austrocknung“ seien laut WWF für Steppenseen „völlig normal, ja sogar lebensnotwendig“.

Thomas Zechmeister, Leiter der Biologischen Station in Illmitz bemerkt eine Verschiebung der Niederschläge.
BVZ

Ähnlich sieht das auch der Leiter der biologischen Station in Illmitz, Thomas Zechmeister. wobei er betont, dass die Wasserstandsschwankungen durch eine Dotierung des Sees nicht wegfallen würden. Vielmehr würde der See durch Wasserzuführung im Winter aufgespiegelt werden und von diesem Vorrat den ganzen Sommer zehren. Wie viel Seewasser an einem Sommertag verdunstet, verdeutlicht er mit einem anschaulichen Vergleich: „Es ist die dreifache Menge der Kubatur des Stephansdoms.“

Dass die Diskussion einer Wasserzuleitung in den Neusiedler See nun wieder angefacht wird, wundert Zechmeister nicht: „So ist das immer bei niedrigem Wasserstand.“ Nun müssten neue Erkenntnisse mit altem Wissen gepaart werden, um sachlich entscheiden zu können.

Er gibt im BVZ-Gespräch allerdings zu bedenken, dass der Niederschlag im Moment nicht merklich weniger geworden sei, aber eine Verschiebung stattgefunden habe: „Es regnet weniger in den Wintermonaten, dafür gibt es im Sommer mehr Niederschlag.“