Strommer: „Wir Senioren sind ein Faktor“

Rudolf Strommer folgt im Seniorenbund auf Kurt Korbatits. Im BVZ-Gespräch erklärt er, was die ältere Generation bewegt – und vor allem, warum sie gehört werden sollte.

BVZ Redaktion Erstellt am 16. September 2021 | 03:16

Mit 96,6 Prozent wurde Rudolf Strommer zum Nachfolger von Kurt Korbatits und neuen Landesobmann gewählt, der den Überblick über 149 Seniorenbund-Ortsgruppen und mehr als 10.000 Mitglieder hat. Welche Aufgaben hinter diesen Zahlen stecken, erklärt der ehemalige Zweite Landtagspräsident im Gespräch mit der BVZ.

BVZ: Worauf kommt es Ihnen an, wenn es um Fragen der älteren Generation geht?

Rudolf Strommer: Wir sehen ältere Menschen nicht als Kostenfaktor, sondern als Wirtschaftsfaktor. Zudem leisten sie vieles an unbezahlter und ehrenamtlicher Arbeit für Jüngere. Und: 43 Prozent der Wahlberechtigten bei der letzten Nationalratswahl waren über 60 Jahre alt – und sie gehen auch wählen. Das ist ein starker politischer Faktor.

Stichwort Politik: Als ÖVP-Klubchef waren Sie sozusagen nie um eine Debatte verlegen. Wie halten Sie es jetzt damit?

Strommer: Wir werden uns nicht zu jedem tagespolitischen Thema äußern. Das ist nicht Aufgabe des Seniorenbundes. Aber wenn es um die ureigensten Fragen geht, um Pensionen, Soziales oder um die Gesundheitsversorgung, dann wird der Seniorenbund im Sinne der Älteren seine Stimme erheben.

Was fällt Ihnen zum Thema Gesundheit als Erstes ein?

Strommer: Die Versorgung vor Ort ist in den vergangenen zwei Jahren in einer Art und Weise dezimiert worden, wie es noch nie der Fall war. Da denke ich an die Rufbereitschaft oder an die Wochenend-Bereitschaft der Hausärzte. Die Zugeständnisse der Landesregierung, dass die fünf Krankenhäuser erhalten bleiben sollen, nehmen wir wohlwollend zur Kenntnis. Wir wollen aber nicht nur, dass das Gebäude dasteht, sondern, dass in den Spitälern entsprechende Dienste angeboten werden.

Wie soll die große Frage der Pflege künftig bewältigt werden?

Strommer: Die Pflege zuhause, wie wir das von früher kennen, die gibt es so nicht mehr. Weil die höhere Lebenserwartung irgendwann auch mit einer höheren Lebensarbeitszeit einhergeht, gibt es kaum Menschen, die zuhause pflegen können. Hier muss man Vorsorge treffen. Was die Pflegeheime betrifft, glaube ich, dass die angestrebte Größe von 60 Betten pro Heim zu hoch gegriffen ist, eine familiäre Atmosphäre ist besser.

Die Mobilität ist ein weiteres Thema, das „bewegt“ …

Strommer: Es ist ein Unterschied, ob man ein Senior in Wien oder in der ländlichen Region ist. Da werden wir ohne Auto nicht auskommen, auch wenn der öffentliche Verkehr natürlich so umfangreich wie möglich sein soll. Mobilität bedeutet für mich auch, dass man sich im Internet bewegen kann. Das hat uns gerade die Lockdown-Zeit gezeigt.

Was ist im Hinblick auf Corona jetzt für Sie entscheidend?

Strommer: Ich hoffe und glaube nicht, dass ein weiterer Lockdown notwendig sein wird. Die Impfbereitschaft ist aus meiner Sicht relativ hoch ausgereizt. Es wird so sein, dass jene, die den Impfschutz nicht genießen, die Dinge nicht so tun können wie Geimpfte, aber das werden sie anscheinend in Kauf nehmen.

Interview: Wolfgang Millendorfer