Eisenstadt-Umgebung: Wahl noch nicht ganz geschlagen

Erstellt am 02. Oktober 2022 | 21:44
Lesezeit: 6 Min
Die SPÖ konnte die ÖVP bei Stimmen und Mandaten im Bezirk überholen, welche Partei die Nase im Bezirk vorne hat, werden aber 3 Stichwahlen entscheiden. FPÖ und MFG blieben unter ihren Erwartungen, Grüne und NEOS können sich über 7 bzw. 3 neue Mandate freuen.
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Die am heißesten umkämpfte Gemeinde - in der Landeshauptstadt kandidierten acht Listen - erhielt dann doch eines der unspektakulärsten Ergebnisse des Bezirks: Thomas Steiner (leichtes Plus) und seine ÖVP (leichtes Minus) hielten die Absolute und den Schlüssel zum Rathaus fest in der Hand. Keine Selbstverständlichkeit - wenn man sich so manch andere Stadt in den anderen Bezirken anschaut. Charlotte Toth-Kanyak (SPÖ) konnte bei ihrem ersten Antreten einen Achtungserfolg einfahren und ein Mandat dazugewinnen, auch die Eisenstädter Grünen bekamen eines dazu und halten nun Klubstatus. Diesen hat die FPÖ, ebenso wie zwei Mandate, verloren. Sie hält nur noch bei einem für Spitzenkandidat Matthias Hahnekamp. Die vier kleineren Listen kamen nicht in die Reichweite eines Mandates.

SPÖ holt Steinbrunn und Purbach, ÖVP könnte in Stichwahlen in Rust und Großhöflein triumphieren

Harald Neumayer hatte bereits bei der Landtagswahl mit besonders vielen Vorzugsstimmen aufhorchen lassen, dieser Trend wurde bei der Gemeinderatswahl bestätigt: Purbach geht an die SPÖ, die auch die absolute Mehrheit im Gemeinderat erobert. Selbiges gelang ihr in Steinbrunn, der Heimatgemeinde von Astrid Eisenkopf. Die Gemeinde bekommt mit Isabella Radatz-Grauszer ihre erste Bürgermeisterin. In beiden Gemeinden war der SPÖ zugute gekommen, dass die beiden amtierenden ÖVP-Bürgermeister ihr Amt übergeben hatten bzw. nicht mehr angetreten waren.

Das Haar in der roten Suppe könnte aber die Stichwahl werden. Die SPÖ-Bürgermeister von Großhöflein und Rust, Heinz Heidenreich und Gerold Stagl, müssen - zur großen Überraschung selbst türkiser Kommentatoren - in die Stichwahl. In beiden Orten werden die Bürgerlisten-Stimmen eher zu Maria Zoffmann bzw. Georg Seiler (beide ÖVP) wandern, wie sich Grün und Blau verhalten, ist offen. Ein Erfolg ist die Stichwahl für Bettina Zentgraf in Mörbisch. Sie matcht sich in 

Ein strategisch wichtiger Sieg für die SPÖ ist zweifelsohne Wimpassing, wo Ernst Edelmann die Absolute holte und selbst mit einem ordentlichen Plus ausgestattet wurde. Photovoltaik-Volksabstimmung und Gemeinderatswahl seien eben zwei Paar Schuhe, kommentierte er. 

Großer moralischer Sieg für die ÖVP ist - neben den erzwungenen Stichwahlen in Rust und Großhöflein - die Absolute in Wulkaprodersdorf, wo mit Fritz Zarits "der größte Bürgermeister des Landes" sein umkämpftes Amt sicherte und darüber hinaus die Absolute im Gemeinderat eroberte.

Kleinere Listen sorgten für Überraschungen

In Breitenbrunn sorgte NEOS-Landessprecher Christoph Schneider, der mit drei Mandaten gleich um eines mehr holte, als er eigentlich besetzen kann. Nun wird es spannend, ob eine Nachnominierung zulässig ist: Falls ja, verliert der bestätigte Bürgermeister Helmut Hareter seine rote Mehrheit, falls nicht, kommt es zu einem Patt, denn SPÖ und die gemeinsame Opposition hielten bei je 10 Mandaten.

Aus dem Stand neun Mandate holte Daniel Trattner mit der MFG in Wimpassing, es blieb die einzige Gemeinde im Bezirk, in der der MFG der Einzug gelang.

Ein Grund dafür war das schlechte Ergebnis der FPÖ, sie halbierte sich auf 3 Prozent der Stimmen, neun Mandate sind ein Minus von 12. 

Überholt wurden die Blauen von den Grünen, die mit 4 Prozent der Stimmen 10 Mandate und damit ein Plus von 7 Mandaten holen konnte. 

Ein leichtes Minus gab es für die Bürgerlisten, zwar nicht prozentuell, aber in Mandaten (10 statt 14). Dennoch gab es Achtungserfolge, wie die 14 Prozent in Großhöflein für Norbert Fenk und die 18 Prozent in Rust für Mario Horvath - beide "aus dem Stand" wohlgemerkt. Sie spielen in beiden Gemeinden daher die Königsmacher bei der Mehrheits-Findung - auch keine schlechte Ausgangslage.

Rote und türkise Bezirksparteispitzen zufrieden

Landeshauptmannstellvertreterin Astrid Eisenkopf aus Steinbrunn freut sich - nicht nur aber natürlich auch - über den Erfolg in ihrer Heimatgemeinde: „Die SPÖ ist wieder die stärkste Kraft im Bezirk Eisenstadt. Wir haben unser Ziel – bestimmende Kraft im Bezirk Eisenstadt zu werden - erreicht. Es waren die großartigen KandidatInnen und die dahinterstehenden Teams in den Gemeinden, die den Wahlkampf und die Programme vor Ort gemacht haben und denen dieses großartige Ergebnis für unseren Bezirk zu verdanken ist. Wir können stolz auf diese positive Entwicklung des Bezirks mit sozialdemokratischer Handschrift sein. Motor dieser positiven Entwicklung im Bezirk Eisenstadt sind die Gemeinden. Ich bin überzeugt, dass wir mit diesem Ergebnis in den nächsten fünf Jahren eine moderne und sozial gerechte Politik für die Menschen in unseren Städten und Dörfern umsetzen werden und den positiven Kurs für die Menschen im Bezirk und in den Gemeinden fortsetzen. Besonders erfreut bin ich über das Ergebnis in meiner Heimatgemeinde Steinbrunn. Isabella Radatz-Grauszer ist die richtige Kandidatin für den Bürgermeistersessel in Steinbrunn, das bestätigt das Ergebnis der heutigen Wahl.“

ÖVP-Bezirksparteiobmann Christoph Zarits ist ebenfalls zufrieden: "Bei den heutigen Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen haben wir uns als Volkspartei im Bezirk Eisenstadt entgegen aller Erwartungen und angesichts des starken Gegenwindes sehr gut geschlagen. Wir sind stolz auf unsere Kandidatinnen und Kandidaten im Bezirk. Natürlich sind einzelne Ergebnisse nicht so, wie wir sie uns vorgestellt haben. Wir stellen als Volkspartei vorerst 10 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister und sind auch noch in drei Gemeinden in der Stichwahl."

Hier geht's zu allen Gemeindeergebnissen im Bezirk Eisenstadt-Umgebung:

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