Diözese: 60 Jahr-Feier mit Corona-Verspätung

Anlässlich der Feier zum 60. Geburtstag der Diözese Eisenstadt, blickt die BVZ zurück Jahre der Wiener Verwaltung, deutscher Unterdrückung – und des Virus.

Erstellt am 28. Mai 2021 | 05:38

Bevor das Burgenland entstand, gehörte die Region zu den Diözesen Györ (Raab) und Szombathely (Steinamanger). Nach 1921 ging die kirchliche Verwaltung erst von Wien aus. Am 18.5.1922 wurde eine Apostolische Administration – und damit Vorgänger der Diözese – für das Burgenland errichtet. Der damalige Erzbischof von Wien, Friedrich Gustav Kardinal Piffl, wurde Apostolischer Administrator. Er versuchte, dem Priestermangel entgegenzuwirken, weil viele Priester in die ungarischen Mutterdiözesen abberufen wurden. 1924 wurde der Heilige Martin von Tours zum Landespatron bestimmt. Dies sollte das Zusammengehörigkeitsgefühl zu den Ex-Diözesen stärken, denn Martin soll ja in Savaria, dem heutigen Szombathely, geboren worden sein.

Nach dem Tod Kardinal Piffls im Jahre 1932 wurde sein Nachfolger in der Leitung der Erzdiösese Wien, Erzbischof Theodor Innitzer, auch zum Apostolischen Administrator für das Burgenland ernannt. Seine kirchliche Aufbauarbeit wurde 1938 durch den „Anschluss“ an das Deutsche Reich und der damit verbundenen Auflösung des Burgenlandes unterbrochen. Trotz Innitzers umstrittener Vermittlungsversuche zerschlugen die Nazis das konfessionelle Schulwesen, kirchliche Güter wurden enteignet und kirchliche Einrichtungen geschlossen. Dafür blieb die Apostolische Administration für das Burgenland, wenn auch mit geringem öffentlichen Einfluss, bestehen.

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Nach dem Krieg war die Linderung der Not der Menschen vordringlichste Aufgabe der Kirche, es wurde 1945 das Caritas-Referat der Apostolischen Administration gegründet.

1949 wurde erstmals ein Apostolischer Administrator bestellt, der nur für das Burgenland zuständig war. Er war dies der Dechant von Wien-Mauer, Dr. Josef Schoiswohl. Er wurde am 2.9.1951 in der Stadtpfarrkirche zum hl. Martin zum 1. Bischof des Burgenlandes geweiht.

Nach 40 Jahren Warten: Endlich eine Diözese!

Als Schoiswohl zum Bischof der Diözese Graz-Seckau wurde, ernannte man seinen Kanzleidirektor DDr. Stefan László am 30.1.1954 zu seinem Nachfolger ernannt. Am Landesfeiertag, dem 11.11.1956, erfolgte die Konsekration. Nachdem die Republik Österreich die Gültigkeit des Konkordates von 1934 nach Klärung strittiger Punkte mit den „Kirchenverträgen“ vom 23.6.1960 anerkannt hatte, stand einer Erhebung zur Diözese nichts mehr im Wege: Am 15.8.1960 errichtete Papst Johannes XIII. Mit der Bulle „Magna quae“ die Diözese Eisenstadt und ernannte Bischof Stefan László wenig später zum ersten Diözesanbischof.

Das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965) brachte auch für die junge Diözese viele Neuerungen, insbesondere hinsichtlich der Beteiligung von Laien am kirchlichem Leben und der Verwendung der Volkssprache in der Liturgie. Bischof László machte sich sehr um den Aufbau der kirchlichen Infrastruktur verdient, er wird ja auch gerne als „Bauherr“ oder „Baumeister“ der Diözese bezeichnet. Seine „Bilanz in Stein“ zeigt sich heute in zahlreichen Neubauten und Renovierungen von Bildungs- und Sozialeinrichtungen sowie Kirchen und Pfarrhöfen. Da László selbst dreisprachig aufwuchs, widmete er sich besonders den burgenländischen Kroaten und Ungarn. Der Besuch von Papst Johannes Paul II. Am 24.6.1988 in Eisenstadt und Trausdorf markierte einen Höhepunkt seiner Ära.

Am 28. Dezember 1992 ernannte Papst Johannes Paul II. Dr. Paul Iby zum Bischof von Eisenstadt. Am 24. Januar 1993 empfing Paul Iby durch seinen Vorgänger, Bischof Stephan László, die Bischofsweihe.

Iby, geboren am 23.1.1935 in Raiding, war nicht nur ehemaliger Leiter der Caritas sondern auch des Schulamts der Diözese. Ein besonderes Anliegen war ihm daher der Dialog mit allen Menschen im Land. Er war sich – wie sein Vorgänger – allen Volksgruppen veranwortlich. So wurden 1995 auch die Roma neben Deutschen, Kroaten und Ungarn als vierte Volksgruppe anerkannt.

Von 1995 bis 2003 war Iby auch Jugendbischof, dabei verfasste er auch Jugendbriefe zu Themen wie Frau in der Kirche, Zölibat, Liebe und Kirche. Er sorgte auch für Aufsehen, als er den Zölibat hinterfragte und verheirateten die Priesterweihe zugestehen würde. Iby war stark in den österreichweiten „Dialog X“ eingebunden, woraus „72h ohne Kompromiss“ resultierte.

Baulich erfolgte im Juni 1996 unter seiner Leitung die Renovierung und Umgestaltung des Bildungshauses „Haus der Begegnung“. 2001 startete die Renovierung und Umgestaltung der Dom- und Stadtpfarrkirche zum hl. Martin.

In seine Amtszeit und Initiative fiel am 23.3.2003 die Seligsprechung des Augenarztes Dr. Ladislaus Batthyány-Strattmann, der erste Selige aus der Diözese Eisenstadt. Iby wurde 2007 mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet.

Im Juli 2010 wurde Ägidius Johann Zsifkovics (am 16.4. 1963 in Güssing geboren und aufgewachsen in Hackerberg/ Stinjacki Vrh) durch Papst Benedikt XVI. zum Nachfolger Ibys ernannt. Die Bischofsweihe empfing er am 25. September 2010 in der Eisenstädter Domkirche St. Martin durch den Wiener Erzbischof Christoph Schönborn; Mitkonsekratoren waren der Erzbischof von Zagreb, Josip Kardinal Bozanić, und sein Amtsvorgänger, Bischof Paul Iby. Er gehört zur Volksgruppe der burgenländischen Kroaten. Als Priesterseminarist studierte er an der Universität Wien und Universität Zagreb sowie, nach seiner Priesterweihe am 29. Juni 1987 in Eisenstadt, Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Seit 1999 war er, auf Vorschlag des damaligen Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, deren Generalsekretär.

Jubiläumsfeier mit Corona-Verspätung

Die Diözese hatte im Jubiläumsjahr 2020 eine Reihe von Veranstaltungen geplant, wie etwa ein Fest im Schlosspark Eisenstadt mit Kulturprogramm und Gottesdienst, eine Jubiläums-Pilgerreise nach Rom und eine Prozession vom Oberberg zum Dom. Leider machte die Corona-Pandemie einen Strich durch das Programm 2020. Die Feier zum Gründungstag der Diözese am 15. August 2020 fand in reduzierter Form statt.

Am Pfingstmontag, 24. Mai 2021, fand nun als feierlicher Abschluss des Jubiläumsjahres der große Festgottesdienst im Martinsdom statt – Diözesanbischof Zsifkovics: „Wir möchten – wenn auch in eingeschränkter Form – dieses besondere Jahr abrunden und Dank sagen“.

Die Verschiebung der Jubiläumsfeierlichkeiten ermöglichten auch gleich das Feiern eines zweiten Jubiläums: 100 Jahre Burgenland. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) hob dabei die „gute Partnerschaft“ hervor. Anlässlich des gemeinsamen Jubiläums, „60 Jahre Diözese – 100 Jahre Burgenland“, wird ein gemeinsames Projekt verwirklicht: In Deutsch Jahrndorf werden Land und Diözese eine künstlerisch gestaltete Gedenkstätte errichten, die sich mit dem Thema „Grenze“ auseinandersetzt. „Teilen, füreinander da sein, zusammenhalten: diese Eigenschaften prägen seit 100 Jahren das Burgenland und seit über 60 Jahren die Diözese.“