Eisenstadt: Freispruch nach Streit für 53-Jährigen

Weil seine Ex-Freundin widersprüchlich ausgesagt hatte, kam ein 19-fach Vorbestrafter ohne neue Strafe frei. Staatsanwalt meldete Berufung an.

Erstellt am 19. August 2021 | 05:53
Gericht Symbolbild
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Foto: Von Zolnierek, Shutterstock.com

Am 16. Mai dieses Jahres hatte ein 53-jähriger, 19-fach vorbestrafter Notstandshilfebezieher Grund zu feiern: Kurz zuvor war sein Enkelkind zur Welt gekommen.

Irgendwann kam es dann in der Wohnung seiner Freundin in Eisenstadt zum Streit.

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Sie sperrte ihn auf den Balkon – und bekam dafür eine Diversion mit Geldbuße.

Freundin hörte: „Mache dich hinnich!“

Er soll sie bedroht haben, indem er ankündigte, er werde ihr das Gesicht und die Nase brechen, wenn er wegen ihr neuerlich „ins Häf‘n“ gehen müsse. Und er werde sie „anschließend hinnich machen“.

Die Frau rief die Polizei, der Mann, der erst im Juli 2020 das letzte Mal wieder aus dem Gefängnis entlassen worden war, kam in Untersuchungshaft.

Vorige Woche wurde der Prozess gegen den 53-Jährigen fortgesetzt. Der Mann hatte sich nicht schuldig bekannt, die Äußerungen seien sein „normaler Sprachgebrauch“ gewesen.

„Wenn dahinter derartig viele Vorstrafen stehen, kommt solchen Äußerungen ein erhöhtes Druckpotenzial zu, weil das Opfer weiß, dass so etwas schon umgesetzt wurde“, hielt Staatsanwalt Roland Koch den Strafantrag gegen den Angeklagten aufrecht.

Verteidigerin Claudia Ladinig-Morawetz verwies darauf, dass sich die Ex-Freundin ihres Mandanten in ihren Aussagen mehrfach widersprochen habe. Bei der Frau sei am Tag des Vorfalls überdies eine Alkoholisierung von fast einem Promille festgestellt worden.

Richterin Daniela Berger sprach den Mann im Zweifel frei. Sie gehe nicht davon aus, dass der Angeklagte „wie ein Lämmchen“ in der Wohnung gesessen sei.

Deftige Worte seien, so die Richterin, vermutlich gefallen. Man könne aber nicht genau sagen, ob eine gefährliche Drohung darunter war.

Der Staatsanwalt meldete volle Berufung an. Damit geht der Fall in die nächste Instanz. Der Angeklagte wurde dennoch enthaftet.