Anria Reicher: „Haydn war größerer Star als Mozart!“. Im Krimi-Debüt der Eisenstädterin Anria Reicher wird wegen Joseph Haydns Erbe gestritten, gestorben und geliebt.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 11. Juni 2020 (05:20)
Anria Reicher
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Irgendwie schafft es der verrückte Juni-Wind, sogar auf den Kalvarienberg der Eisenstädter Bergkirche hinaufzublasen. Virus und Wind waren den Touristen anscheinend dann doch zu viel, die 309 Jahre alte Darstellung des Leidensweges Christi ist menschenleer.

So kennt Anria Reicher die Bergkirche gar nicht. Und sie ist immerhin quasi ums Eck aufgewachsen. Hier spielt auch eine Verfolgungs-Szene in ihrem neuen Krimi „Das Haydn-Pentagramm“.

„Ich habe mich mit Zettel und Stift unter die Touristen gemischt und bei einer Führung über den Kalvarienberg überlegt, wie man hier wohl einem Verfolger entfliehen könnte. Das ist ja das reinste Labyrinth – und damit perfekt für die Szene“, erzählt Reicher.

Psalm 117 („Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werk verkündigen.“) ziert Haydns Mausoleum und Reichers Buch.
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Neben der Quasi-Nachbarschaft zur Bergkirche hat Reicher aber noch einen wesentlich stärkeren Bezug zur Joseph Haydn: Ihr Vater, Walter Reicher, war Intendant der Haydn-Festspiele und gilt nach wie vor als einer der weltweit führenden Haydn-Experten.

Die Begeisterung für klassische Musik hat er seiner Tochter schon mit in die Wiege gelegt. Den literarischen Stein ins Rollen gebracht hat eine seiner Anekdoten: „Die Freimaurer haben damals versucht, Haydn aus dem Vertrag mit den Esterházy zu ,befreien‘ und ins Ausland zu holen. Immerhin war Haydn damals noch ein größerer Star als Mozart.“

Freimaurer, die Haydn-Stadt und eine familiäre Zugriffsmöglichkeit auf die weltweit führende Haydn-Expertise – das ist der Stoff, aus dem ein guter Krimi gemacht wird. Und das dachte niemand Geringerer als der Berliner „Aufbau“-Verlag: „Ich habe das Manuskript an einen Literaturagenten geschickt, der an den Verlag und der hat noch über Nacht zugesagt.“ So schnell kanns gehen.

G‘riss ums Haydn-Erbe

In dem Buch werden der Cellistin Estrella (Reicher: „Schon ein bisschen ich, aber doch auch überdramatisiert!“) Unterlagen zugespielt, die auf Joseph Haydn zurückgehen. Der Überbringer wird bald tot aufgefunden, er hinterlässt nur ein Pentagramm aus Blut. Als jemand in Estrellas Wohnung einbricht, nimmt der Thriller Fahrt auf und entführt den Leser von Mexiko City nach Wien und einmal eben auch nach Eisenstadt.

Der Thriller (400 Seiten, 10,30 Euro, ISBN 978-3-7466-3663-4) ist ab 15. Juni im Buchhandel und online erhältlich.  Foto: zVg Aufbau-Verlag
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„Ich wollte ein Buch schreiben, das für Leser aller Bildungsschichten spannend ist“, erklärt die 33-Jährige. Gut, vielleicht nicht für alle, ihren beiden Kindern (sieben und neun Jahre) kann Reicher noch nicht daraus vorlesen. „Aber meine Tochter hat mir schon gesagt, dass sie sich drauf freut, wenn sie das Buch auch einmal lesen kann“, lacht Jung-Autorin.

Am kommenden Montag, 15. Juni, erscheint der Thriller in einer auch für den Buchmarkt schwierigen Zeit. Die Corona-Maßnahmen zwangen Reicher zur Absage aller geplanten Lesungen. Das ist einerseits bitter, andererseits lässt es Reicher mehr Zeit für die Fortsetzungen des Romans, eine Trilogie ist geplant, verrät die Autorin: „Ich habe ein paar ,Cliffhanger‘ eingebaut. Auch wenn das Buch ein eigenständiges Werk ist: Es bleiben also noch spannende Fragen für die beiden Fortsetzungen offen.“