Bauten in Fertörakos: Betonblock statt Schilfhütte. Die Bauarbeiten in Fertörakos nehmen Fahrt auf. Video zeigt Fortschritt und Ausmaße des umstrittenen neuen Seeareals.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 16. April 2021 (06:06)

Dass es um das Mega-Projekt auf der ungarischen Seite des Neusiedler Sees zuletzt eher leise war, ist wohl kein Zufall: Das ganze Areal ist weitläufig abgesperrt, es herrscht Betretungsverbot. Ein Drohnenvideo lässt nun erstmals die Ausmaße des geplanten Bauprojekts erahnen:

Geplant sind ein Vier-Sterne-Hotel, diverse Sportanlagen — auch Indoor-Möglichkeiten soll es geben — , ein weitläufiges Campinggelände, Parkplätze für fast 1.000 Autos und ein moderner Yacht- und Sporthafen. Besonders bizarr: Auch ein „Ökozentrum“ auf drei Etagen, bei dem Besucher die natürliche Schönheit des Neusiedler Sees in einem modernen Beton-Bau kennenlernen können, soll am Seeufer entstehen.

„Im Ökozentrum kann man sich dann anschauen, was vor der Türe zerstört wurde.“Adrienn Szalay von den ungarischen Freunden des Neusiedler Sees (Fertő tó barátai)

„Dort kann man sich dann anschauen, was vor der Türe zerstört wurde“, findet Adrienn Szalay von den ungarischen „Freunden des Neusiedler Sees“ (Fertő tó barátai) im BVZ-Interview klare Worte. „Es wundert mich, dass sie nicht gleich ein Fußballstadion bauen wollen“, so Szalay.

Dabei sind die Freunde des Neusiedler Sees gar nicht generell gegen das Projekt, lediglich gegen die Dimension. Ihr Gegenvorschlag: Ein naturnahes Projekt, das auf „den Charme der Schilfhütten“ setzt, statt auf Vier-Sterne-Hotels. „Wo man die Natur mit dem Kajak und nicht in einem Betonblock kennenlernt.“

Ihrer Meinung nach hätte man nicht auf ein einziges Mega-Projekt in Fertörakos setzen, sondern alle Gemeinden auf ungarischer Seite des Sees berücksichtigen sollen. „Das wäre umweltschonender, optimal für Fahrrad-Tourismus und würde für eine positive Entwicklung der ganzen Region sorgen.“

Die „Non-Profit Aktiengesellschaft“, über die das Projekt läuft, hatte eigentlich angekündigt, keine bisher unberührten Flächen zu verbauen. Erste Pläne sprachen bereits eine andere Sprache, Drohnenaufnahmen zeigen nun das ganze Ausmaß der Umweltzerstörung für das Bauprojekt.

Schilfhütten sind bereits Geschichte

Die Schilfhütten wurden bereits zum Großteil entfernt. „Die ungarische Regierung mag scheinbar keine Schilfhütten am Neusiedler See — nur auf den Malediven“, so Adrienn Szalay mit Blick auf den Orban-Vertrauten Lőrinc Mészáros. Der unter Orban zum Milliardär avancierte Unternehmer ist beim Bauprojekt in Fertörakos involviert, entspannt aber Medienberichten zu Folge lieber am Indischen Ozean.

Die ungarischen und österreichischen Freunde des Neusiedler Sees wollen künftig ihre Zusammenarbeit intensivieren und haben sich dazu auch personell neu aufgestellt. Szalay ist auf beiden Seiten der Grenze aktiv, sie selbst ist in Fertörakos aufgewachsen — „mit Blick auf den See.“