Aus für 60 Mobilheime im Seebad Breitenbrunn

Erstellt am 20. Juni 2022 | 05:44
Lesezeit: 4 Min
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Der Mobilheimplatz Süd wird geräumt, einige Mobilheime sind bereits abgegbaut (links im Bild). Das Areal soll für „Beherbergungsmöglichkeiten für touristische Zwecke genutzt werden“.
Foto: Wagentristl
Pächter zeigen sich verärgert über das Aus für den Mobilheimplatz Süd im Seebad Breitenbrunn. Neue Pläne auch für das ehemalige Areal des Yachtclubs.
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Im Seebad Breitenbrunn ist mit der Übernahme durch die Esterhazy Stiftung ein neues Zeitalter angebrochen. Das schilfgedeckte Restaurant und der Yachtclub Breitenbrunn mussten für die Modernisierungs- und Aufwertungspläne am Neusiedler See bereits weichen, nun sind die Tage auch für den Mobilheimplatz Süd gezählt.

Die 60 Pächter der Anlage wurden kürzlich informiert, dass ihre Verträge nicht mehr verlängert werden — was bei einigen für erheblichen Unmut sorgte.

Meist mittlere fünfstellige Beträge in Mobilheime gesteckt

Michael Schrittwieser war zwölf Jahre lang „so oft und so lang wie möglich“ in seinem Mobilheim in Breitenbrunn, erzählt er der BVZ. Während alle über die Pläne in Ungarn sprechen, schaue keiner auf die Vorgänge am burgenländischen Ufer, kritisiert er: „Nach der Übernahme des Seebades von der Gemeinde, haben die Esterhazy Betriebe zuerst die Pacht nahezu verdoppelt. Wir haben dann statt einem unbefristeten Vertrag einen Drei-Jahres-Vertrag bekommen, zuletzt nur mehr für ein Jahr — mit dem Versprechen, wenn die Planungen der Erneuerung abgeschlossen sind, bekommen wir dann längerfristige Verträge.“

Daraus wurde nun aber nichts, mit Ende September müssen die Mobilheime geräumt werden. Wirtschaftlich sei das äußerst unerfreulich, die meisten Bewohner steckten mittlere fünfstellige Beträge in ihre Mobilheime. Diese abzubauen, zu transportieren und wieder aufzubauen sei schwer möglich, der Verkauf nicht rentabel. „Wir haben nur ein Angebot bekommen, alle anderen wollten noch Geld für den Abbruch“, schildert Schrittwieser, der als Baumeister auch Fachwissen mitbringt.

Schlimm sei die Kündigung vor allem „für die vielen Pächter mit kleiner Pension“, die schon seit Jahrzehnten in Breitenbrunn seien und denen nun ihre Träume für den Ruhestand zunichte gemacht werden sollen.

Esterhazy: „Alle Mieter wurden informiert“

Statt den bisherigen Pächtern setze Esterhazy nun auf Tagesgäste und Kurzurlauber, „die der Region nichts bringen. Die Dauerpächter bringen wesentlich mehr Wertschöpfung, gehen im Ort Essen, kaufen Wein und sogar ihre Kleidung hier. Die Tagesgäste reisen dagegen mit der Jause aus Wien an und bringen nichts außer Verkehr“, so Schrittwieser, selbst Wiener.

Bei der Esterhazy Stiftung will man die Kritik so freilich nicht stehen lassen. „Alle Mieter wurden im Rahmen von mehreren Informationsveranstaltungen bereits seit 2018 von Esterhazy Immobilien laufend über alle Pläne informiert“, das Aus sei also absehbar gewesen, erklärt man auf BVZ-Anfrage. „Bereits in den ersten Plänen war ersichtlich, dass die Fläche für Beherbergungsmöglichkeiten für touristische Zwecke genutzt werden soll. Die Maßnahmen werden im Herbst 2022 starten, da während der Sommersaison keine Bauarbeiten stattfinden.“

Die Bauphasen seien so geplant, dass das Seebad Breitenbrunn in den Sommermonaten fast ungestört genutzt werden kann. Auch werde besondere Rücksicht auf das Tierreich genommen. Bis zu Beginn der Vogelbrutzeit sollen etwa geräuschintensive Vorgänge abgeschlossen sein. Als Datum für die Fertigstellung nennt man seitens des Unternehmens den Sommer 2024.

Auch für das ehemalige Areal des Yachtclubs Breitenbrunn gibt es bereits Pläne: „Esterhazy wird diese große Fläche wieder für die Öffentlichkeit zugänglich machen und weiterentwickeln. Bei Fertigstellung der Modernisierungsmaßnahmen des Seebad-Areals stehen den Gästen rund 10.000 Quadratmeter mehr öffentlich zugänglicher Raum auf unverbauten Grünflächen zur Verfügung. Die Vergrößerung der zusammenhängenden Liegewiese mit der Sportfläche wird rund 33 Prozent betragen, was etwa 7.000 Quadratmetern entspricht“, so eine Unternehmenssprecherin gegenüber der BVZ. Esterhazy will mit einem „generationenübergreifenden Freizeitangebot im Seebad-Areal“ weiterhin verschiedene Zielgruppen ansprechen, so die Sprecherin abschließend.

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