Lagerhaus geht, Büros kommen: Nachruf auf ein Haus. Das alte Lagerhaus in Eisenstadt wird 2020 abgerissen. Die BVZ hat sich auf eine nicht so einfache Spurensuche in seine Geschichte begeben.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 18. September 2019 (06:16)

Es gibt wohl keinen Eisenstädter, der das alte Lagerhaus nicht kennt: Es ist riesengroß, liegt neben dem Bahnübergang auf der Rusterstraße und wenn man ebendort beim Schranken wartet fragt man sich zwangsläufig, was das für eine ästhetisch fragwürdige Malerei an der Fassade ist.

Was sich anscheinend noch nie jemand gefragt hat: Wie alt ist das Teil eigentlich? Das Landesarchiv gab auf Bitte der BVZ sein Bestes, musste nach Lektüre mehrerer Fachbücher (wie „Architektur in Eisenstadt“ oder „90 Jahre Raiffeisenbank Burgenland“) aber aufgeben: Es ist historisch einfach nichts dazu verzeichnet. Auch die Lagerhaus-Direktion hatte keine Unterlagen: Errichtet wurde das Haus von einer kleineren Genossenschaft, erst nach zweimaliger Fusion gelangte es in die Lagerhaus-Verband.

Nach langer Suche im Lagerhaus-Archiv wurde immerhin die Einreichung der Baupläne gefunden: 1952 wurde der älteste Teil des Hauses bei der Behörde eingereicht. Das Burgenland war damals noch sowjetische Besatzungszone, das Baurecht war die geringste Sorge, sieben Jahre nach Kriegsende.

Ein altes Haus hat viele Geschichten

So kam es auch zu einer der vielen kuriosen Geschichten rund um das alte Haus: Man baute in den Sechzigern einfach nach hinten aus. Dass der Grund den ÖBB gehörte schien damals niemanden zu stören. Erst vor wenigen Jahren wurde mit einem Grundstückstausch die Rechnung beglichen.

Apropos Rechnung: Die Rechnung ohne den Wirt gemacht hatte eine Grupper junger Eisenstädter, die vor etwa zehn Jahren versuchten dem Haus Leben in Form einer Disko und eines Kinos einzuhauchen. Der Wirt, das war die Brandschutzpolizei. Und das Projekt gestorben.

Bauern entwickeln sich vom Lagerhaus weg

Die Veränderung in der Landwirtschaft war es schließlich, die dem Lagerhaus die Existenzgrundlage entzog. Früher produzierten die Bauern des Bezirks viel mehr Getreide und brachten es in kleinen Säcken ins Lagerhaus. In den Siebzigern wurden die Getreidebauern weniger, aber ihre Säcke größer.

„Unsere Maschinen packen fünfTonnen schwere Lieferungen. Die in Halbturn schaffen 80“, bringt es ein langjähriger Mitarbeiter auf den Punkt. Und liefert gleich den nächsten: Die Traktoren der Bauern sind so groß geworden, dass sie den Stadtverkehr lahmlegen würden. Daher sei für ihn das neue Lagerhaus in der Neusiedlerstraße die beste Lösung.

Die größere dortige Fläche ermöglicht auch einen größeren Verkaufsraum: Die Mitarbeiterzahl wird dadurch von vier auf geplante 22 erhöht.

Büros als Symbol der neuen Arbeitswelt

Abgelöst wird das alte Lagerhaus durch die neue Zentrale der Oberwarter Siedlungsgenossenschaft OSG. Obmann Alfred Kollar plant zwei neue Gebäude: Ein Kleineres, das die OSG, die Kanzlei Dax & Wutzlhofer sowie Gemeinschaftsflächen beinhalten soll.

In den größeren straßenseitigen Bauteil kommt ein Techniker-Büro, Ordinationen, weitere Büros und Wohnungen. Mitte 2020 ist Bau Start, dann heißt es Abschied nehmen von einem Symbol der alten Arbeitswelt für eines der neuen.

Führung im Lagerhaus

Die BVZ begab sich übrigens (natürlich mit Genehmigung der Direktion) auf Erkundungsreise durch das alte Lagerhaus. Von eigenen „Urban Exploring“ Missionen wird dringend abgeraten, der Dachboden ist schwer einsturzgefährdet. Die Bilder der "Exkursion" findet ihr oben in der Fotoserie zum Durchklicken.