Kein Einspruch: Mega-Bau kommt. Das Wasser sinkt weiter, die Temperatur des Neusiedler Sees steigt. Nun soll auch noch Süßwasser und – nachdem Klagen aus Österreich ausblieben – und der Mega-Bau Fertörakos dazukommen.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 03. September 2020 (05:45)
Symbolbild

Der Neusiedler See steuert auf eine unsichere Zukunft zu. Sowohl die Umwelt, als die Politik macht dem (Noch-?) Weltkulturerbe zu schaffen.

Nachdem im Mai und Juni der tiefste Wasserstand seit Aufzeichnungsbeginn 1965 gemessen wurde, beschloss die Landesregierung, eine Zuleitung für Donauwasser zu bauen. Während die Wirtschaft die Sicherung des Tourismusmagneten feierte, waren Umweltschützer skeptisch: Das Süßwasser der Donau könnte unberechenbare Folgen für die einzigartige Flora und Fauna des Salzwassersees haben. „Eine Zuleitung ist wichtig, um den Grundwasserpegel zu halten. Ob die Zuleitung auch Relevanz für den See hat, ist schwierig, da muss man erst bezüglich Naturschutz diskutieren“, so Landeshauptmann Hans Peter Doskozil im BVZ-Interview.

Eine weitere und noch kaum diskutierte Gefahr für das Ökosystem des Sees: Die Wasser-Temperatur steigt. In den vergangenen 35 Jahren wurde ein Anstieg der mittleren Jahrestemperatur um 1,9 Grad gemessen.

Kein Einspruch: Ist der Mega-Bau nun fix?

Doch damit nicht genug, dürfte nun auch das umstrittene Mega-Bauprojekt in Fertörakos beschlossene Sache sein: Die Einspruchsfrist gegen die 13 Hektar große Anlage mit 800 Bootsanlegeplätzen, Tennis Court und Luxus-Hotel ist am 15. August abgelaufen. Beide potenziellen Kläger, Franz Meisel (Besitzer eines Hauses in Fertörakos) und Rudolf Golubich (Verein Freunde des Neusiedlersees) mussten ihre juristischen Pläne einstellen. „Wir sahen keinen rechtlichen Stand für juristische Schritte nach ungarischem Recht gegeben, da wir keinerlei juristischen Bezug, wie etwa betroffene Immobilien, haben“, erklärt Golubich gegenüber der BVZ.

Ist das Projekt nun durch? Auf nationaler Ebene gäbe es nun keine Möglichkeit mehr, dem Bauvorhaben entgegenzutreten, so Golubich, der nun auf die UNESCO hofft: „Bis Jänner 2021 ist Ungarn vom World Heritage Center aufgefordert, einen ,state of conservation report‘ abzugeben. An diesem wird womöglich der Welterbestatus der Seeregion bemessen.“ Dazu nehme „der Widerstand in Ungarn Bewegung auf“, verweist Golubich auf eine Demonstration in Fertörakos vor dem seit zwei Saisonen schon verschlossenen Seebad.

Gleichzeitig haben alle zehn Bürgermeister der ungarischen Seegemeinden nun eine Petition für das Mega-Projekt unterschrieben. „Man sollte mit Ungarn vernünftig darüber diskutieren und nicht von vornherein sagen, dass das Projekt weggehört“, meint Doskozil dazu.