Auf den Spuren der Römer in Müllendorf. Das Gebiet des heutigen Burgenlandes war für die Römer aufgrund seiner strategisch wichtigen Lage von großem Interesse.

Von Redaktion bvz.at. Erstellt am 08. September 2020 (16:57)

Führte doch eine der Hauptversorgungslinien, die Bernsteinstraße, von Oberitalien zu den Militärlagern und Städten an der mittleren Donau durch das heutige Burgenland. Über 400 Jahre lang beherrschten sie unser Gebiet, das damals zu Pannonien gehörte, und errichteten Straßen, kurzfristige Militärlager, Dörfer, Prachtvillen sowie Guts- und Friedhöfe. An der antiken Hauptstraße von Scarbantia (Sopron) nach Vindobona (Wien), im Ortskern der Gemeinde Müllendorf, befand sich damals ein Dorf mit kleinstädtischer Struktur, ein sogenannter Vicus, der im Zuge der Errichtung einer Wohnhausanlage zu Tage gekommen ist und Zeugnis dieser vergangenen reichen Hochkultur ablegt.

Das Land Burgenland hat auf Initiative von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil mit Partnern eine über drei Jahre laufende Lehrgrabung ermöglicht. Die diesjährige Grabung hat am 17. August begonnen und läuft noch bis einschließlich 11. September. An diesem letzten Tag hat die Öffentlichkeit die Gelegenheit, den Archäologen bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen.

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„Die topografisch äußerst günstige Lage beschert dem Burgenland eine nahezu unüberschaubare archäologische Vielfalt. Diese archäologischen Denkmäler sind unverzichtbar für unsere kulturelle Identität, denn sie geben Einblick in die Entwicklung menschlicher Gemeinschaften. Das Burgenland ist reich an derartigen historischen Fundstellen und insgesamt stets bemüht, diese in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt und den Gemeinden entsprechend zu sichern und wissenschaftlich aufzuarbeiten“, sagte dazu Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Das Land übernimmt deshalb auch den Großteil der Finanzierung, das Bundesdenkmalamt und die Gemeinde Müllendorf beteiligen sich an den Kosten.

Auf mehr als 3.000 m2 bietet sich ein Fenster in die Vergangenheit, das es wissenschaftlich, in Zukunft vielleicht auch touristisch zu nutzen gilt. In Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt, der Universität Wien und dem Landesmuseum Burgenland wird auch in den Jahren 2021 und 2022 eine für jeweils vier Wochen anberaumte archäologische Grabung durch das Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie durchgeführt, um diese einzigartige Fundstelle aus der römischen Kaiserzeit des ersten bis vierten Jahrhunderts n. Chr. zu erforschen. Begleitend werden dazu an der Fundstelle selbst und auf ausgewählten Grundstücken Messungen mit dem Bodenradar durchgeführt, um das Ausmaß und den Stellenwert der Fundstelle besser bewerten zu können. Deshalb und auch um die Fundstelle vor Witterung zu schützen, wurde die Fundstelle wieder zugeschüttet und wird Zug um Zug abschnittsweise erforscht.
 

Die Ausgrabung in Müllendorf, Hauptstraße 39, (Zufahrt zur Grabungsfläche über Gartenstraße) steht am 11. September 2020 für Besucherinnen und Besucher offen und gewährt Einblicke in die Freilegung dieses römischen Vicus aus dem 2. – 4. Jhdt. n. Chr. Beginn/Einlass ist um 14.00 Uhr. Die Eröffnung und Begrüßung erfolgt um 15.00 Uhr durch LH-Stv.in Mag.a Astrid Eisenkopf.