Geheimtipp hinter der Grenze. Hinter der Grenze lädt ein unterschätztes Ausflugsziel zum Wandern und Entdecken.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 04. Juli 2021 (06:30)

Meistens gerät die ungarische Nachbargemeinde von Mörbisch, Fertörakos (auf Deutsch: Kroisbach) durch den Mega-Bau am See in die Schlagzeilen. Aber nicht nur die Zerstörung, sondern auch die Schönheit der Natur auf der ungarischen Seite des Neusiedler Sees hat Aufmerksamkeit verdient.

Auch wenn das Seebad länger nicht betretbar ist, lohnt sich ein Ausflug nach Fertörakos. Neben der traditionell pannonischen Häuserzeile im Ort und hervorragenden Restaurants ist auch der Steinbruch mit dem Felsentheater empfehlenswert und der vorletzte Teil der BVZ-Wanderserie. Mitzunehmen sind für die Einreise ein gültiger Covid19-Test, für den Eintritt zum Steinbruch muss man einen Impfnachweis mitbringen. Eine dreiwöchige Frist wie in Österreich gibt es dabei nicht.

Einstündiger Marsch um den Steinbruch

Für 1.800 Forint (etwa fünf Euro) kann man den mit EU-Geldern ausgebauten Rundgang um und durch den imposanten Steinbruch auf der ungarischen Seite des Ruster Hügels entdecken. Nach einem ersten kurzen Anstieg bietet sich ein — für österreichische See-Freunde ungewohnter — Blick auf den Neusiedler See. Nach einem kleinen Fußmarsch um den Steinbruch erreicht man zwei Aussichtsplattformen: Die erste ist für schwindelfreie Wanderer und lässt in den Steinbruch einblicken, die andere ist Richtung See gewandt. Von dort bietet sich auch ein guter Blick auf den Mega-Bau in Fertörakos, sogar die montierten Ferngläser waren bei der BVZ-Wanderung bereits auf die riesige Baustelle eingestellt.

Weiter geht es in den, gerade bei den aktuellen Temperaturen, angenehm kühlen Steinbruch. Dort wird den Besuchern die Geschichte der Region und des pannonischen Meeres nähergebracht — mit allen positiven und negativen Facetten.

Für Archäologie-Fans ist im geräumigen Inneren des Steinbruchs eine Ausstellung zur maritimen Vergangenheit des Neusiedler Sees installiert. Gezeigt werden etwa die „Ur-Wale“, die, damals hier lebend, sogar Ungarn im Namen tragen. Das Pannonische Meer formte unsere Landschaft und schaffte die Grundlage für den Weinbau.

Aber auch die dunkle Vergangenheit des Steinbruchs wird beleuchtet. Noch heute zeugen unzählige Einschusslöcher in den Steinwänden von den Erschießungen, die von den Nazis angesichts der näherrückenden Roten Armee an Zwangsarbeitern begangen wurden.

Beheimatet ist im Steinbruch auch das beeindruckende Felsentheater, wo Konzerte und Aufführungen in ungewohntem Ambiente gezeigt werden.

In Ungarn wurden die Besitztümer der Familie Esterházy übrigens nicht restituiert, anders als im Burgenland gehört der Steinbruch also dem Staat.