Neustart für das Gasthaus Leiner. Josef Leiner, Eigentümer des Gasthaus-Pizzeria Leiner in Henndorf, geht mit 1. März in Pension. 42 Jahre lang stand er als Wirt hinter der Theke. Tochter Tanja übernimmt den Betrieb.

Von David Marousek. Erstellt am 26. Februar 2020 (04:35)
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Gastwirt Josef Leiner tritt seinen Ruhestand an. Tochter Tanja folgt ihm im Betrieb nach.
David Marousek

„Bei uns hatte die Landwirtschaft zunächst immer Vorrang. Aber das Erste, das ich dann nach der Übernahme gemacht habe, war das Landwirtschaftsgebäude zu planieren“, erinnert sich Leiner zurück. Die Gastronomie sei immer schon sein Herzstück gewesen.

„Als Kind war ich immer schon hier drinnen und bin auch im Gasthaus aufgewachsen. Es hat mir richtig gefallen, immer etwas ändern zu können“, fasste der scheidende Wirt zusammen. Geändert hat er gleich so einiges. Neben einigen Anbauten Anfang der 80er-Jahre, kam auch die Unterhaltungsgastronomie immer größer auf. „Wir hatten fast jeden Monat ein bis zwei Veranstaltungen mit Live-Bands und auch einige Hochzeiten“, erklärt Leiner. Selber geheiratet hat er dann 1981 seine Gertrud. „Sie hat mich immer unterstützt. Ab 1992 hat sie dann auch die Küche geleitet“, bedankt sich Josef Leiner bei seiner Frau.

Tabubruch mit „Fünf-Uhr-Tee“

Keine Scheu davor etwas Innovatives auszuprobieren, war eine Tugend des Henndorfer Wirts. 1984 führte Josef Leiner den „Fünf-Uhr-Tee“ ein. Sonntags, mitten in der Fastenzeit, wurde gefeiert und getanzt. In der damaligen Zeit etwas Undenkbares.

„Der Pfarrer hat dann eine Predigt gehalten. Ich hab das aber trotzdem gemacht und das war der Renner. Davon reden die Leute heute noch, wir hatten jeden Sonntag über 300 zahlende Gäste“, schwelgt Leiner in Erinnerungen. Tee wurde dabei aber nur seltenst getrunken. Mit damals bekannten Bands wie „The Swingers“ und der „Rio Band“, wurde am heiligen Sonntag gefeiert.

Wenn du nicht mitgehst, dann bist du weg

Anfang der 90er sei dann eine Veränderung in der Gesellschaft passiert. „Da hat man gemerkt, dass diese Live-Unterhaltung immer weiter zurück geht“, erinnert sich Leiner. Für die Jugend wurden plötzlich Diskotheken immer interessanter, also musste sich der Wirt erneut neu erfinden. 1992 wurde dann damit begonnen, dass aus dem Gasthaus auch eine Pizzeria wurde. Zusätzlich wurde noch eine Terrasse angebaut und auch Grillabende veranstaltet. Die reguläre Küche bekam ebenfalls einen Ausbau. Es sei dennoch immer schwieriger, am Land genügend Umsatz zu generieren.

„Hier fehlt es uns einfach an Laufkundschaft. Wir haben da viel tote Zeit. Früher sind die Pensionisten in Jennersdorf einkaufen gewesen und am Rückweg sind sie auf ein Achterl oder zwei eingekehrt. Wir kommen da jetzt in ein ganz anderes Zeitalter. Wenn du da nicht mitgehst, dann bist du weg“, fasst Leiner zusammen.

Beim traditionellen Faschingsgschnas, dem Kindermaskenball und auch allen Feuerwehrbällen, sei jedoch immer noch volles Haus. Auch der hauseigene Stammtisch trifft sich regelmäßig. „Den gibt es seit 1978, also genau so lange wie mich hier“, lacht der Wirt. Für Tochter Tanja, gelernte Hotelfachfrau, jedoch sind die vielen Veranstaltungen nichts Neues. Auch die übernächste Generation bereitet sich schon vor. Tanjas Zwillinge besuchen ebenfalls, wie damals die Mutter, die Hotelfachschule in Gleichenberg. „Die beiden wollen auch unbedingt in die Gastronomie“, freut sich Josef Leiner.