FSG younion: Ferstl einstimmig gewählt. Dietmar Ferstl aus Schattendorf wurde zum Landesvorsitzenden der FSG younion gewählt. Seine Ziele: der Mindestlohn und Kontrolle des Bedienstetenschutzgesetzes.

Von Christian Artner. Erstellt am 26. Juni 2021 (06:42)
440_0008_8110232_mat25ca_ferstl2.jpg
FSG-younion-Bundesvorsitzender Christian Meidlinger, Dietmar Ferstl, Nationalrat Maximilian Köllner, Doris Handler, FSG-Landesvorsitzender Erich Mauersics, SPÖ-Landesgeschäftsführer Roland Fürst und Gerhard Horwath.
FSG Landesorganisation Burgenland, FSG Landesorganisation Burgenland

BEZIRK Die Gewerkschaft younion – eine Teilgewerkschaft des ÖGB (Österreichischer Gewerkschaftsbund) –, die 2015 aus der „Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, Kunst, Medien, Sport und freie Berufe“ entstanden ist und seitdem auch den Beinamen Daseinsgewerkschaft trägt, hat unlängst in Eisenstadt ihre Landeskonferenz abgehalten. Mit der Mattersburgerin Doris Handler (41) und dem Schattendorfer Dietmar Ferstl (51) wurden zwei Gewerkschafter aus dem Bezirk einstimmig zu Stellvertretern von Gerhard Horwath, dem Landesvorsitzenden der younion Burgenland, gewählt. Ferstl hat diese Funktion schon seit 2016 inne und konnte sich nun – ebenso wie Handler – auf eine 100-prozentige Zustimmung der 40 Delegierten, die an der Konferenz teilnahmen, freuen. Gleichzeitig wurde Ferstl auch zum Landesvorsitzenden der FSG younion gewählt, der Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen. „Das ist ein wenig kompliziert. Man kann es aber vergleichen mit einem Bürgermeister einer Gemeinde und dem Parteivorsitzenden derselben Partei.“

Mancherorts gäbe es weder WC noch Heizung

Die Versammlung stand dabei unter dem Motto „Bei uns geht´s jeden Tag ums Ganze“, und neben den Wahlen wurden auch die Themen für die kommenden fünf Jahre diskutiert. Für Ferstl stehen vor allem zwei Punkte prominent auf der Agenda: so geht es zum einen um die Umsetzung des Mindestlohns von 1.700 Euro Netto in allen burgenländischen Gemeinden und zum anderen um mehr und insbesondere gesetzlich vorgeschriebene Kontrollen des Bedienstetenschutzgesetzes. „Es kann nicht sein, dass Schwimmbäder, Altstoffsammelstellen oder Kinderspielplätze regelmäßig von Behörden kontrolliert werden, die Kontrollen des Bedienstetenschutzes jedoch nicht durchgeführt werden. In erster Linie geht es hier um die Sicherheit an den Arbeitsplätzen und um die Gesundheit und das Leben der Beschäftigten“, kritisiert Dietmar Ferstl. Er kenne zum Beispiel Gemeinden im Burgenland, in denen es auf Bauhöfen – Ferstl ist selbst Bauhofleiter in Schattendorf – weder ein WC, noch Waschmöglichkeiten, noch eine Heizung gebe. Das sei auf keinen Fall tragbar. „Deswegen ist es mir ein Anliegen, dass Bauhöfe und andere Gemeindedienststellen regelmäßig von den Behörden überprüft werden, ob die Pflichten aus dem Bedienstetenschutzgesetz eingehalten werden.“

„Es kann nicht sein, dass Schwimmbäder, Altstoffsammelstellen oder Kinderspielplätze regelmäßig von Behörden kontrolliert werden, die Kontrollen des Bedienstetenschutzes jedoch nicht durchgeführt werden“ , kritisiert Dietmar Ferstl.

Ferstl ist zuversichtlich, dieses Ziel auch zu erreichen: „Aufgrund dessen, dass man gesehen hat, wie schnell es plötzlich beim Mindestlohn ging, glaube ich, dass es möglich sein wird, auch die verbindlichen Kontrollen des Bedienstetenschutzgesetzes innerhalb der nächsten fünf Jahre umzusetzen.“

Der Mindestlohn – das zweite wichtige Anliegen von Ferstl und der FSG younion – ist zwar schon in 77 von 171 burgenländischen Gemeinden verwirklicht, Ziel sei es aber, ihn in allen Gemeinden einzuführen. „In 35 weiteren Gemeinden liegen dazu bereits Anträge vor. Gleichzeitig heißt das aber auch, dass 54 Gemeinden ihren Beschäftigten immer noch einen Mindestlohn in der Höhe von zehn Euro pro Stunde verwehren.“ Der flächendeckende Mindestlohn sei zwar ambitioniert und keine unmögliche Aufgabe, trotzdem aber aufgrund der aktuellen Lage nicht einfach zu realisieren. „Es gibt sicherlich Gemeinden, die derzeit in einer finanziell schwierigen Lage sind, weil Bedarfszuweisungen und andere Einnahmen weniger geworden sind und die Belastungen steigen. Ich hoffe aber, dass das Land Burgenland, weil von dort die Initiative für den Mindestlohn ausging, finanzielle Unterstützung anbietet und wir es somit schaffen, die 1700 Euro Netto überall in den nächsten fünf Jahren einzuführen.“

Doris Handler, younion-Landesfrauenvorsitzende und erste Stellvertreterin von Gerhard Horwath, sieht den Mindestlohn in allen Gemeinden ebenfalls als ein wichtiges Ziel und betont, dass vom Mindestlohn vor allem viele Frauen profitieren. „Diese zukunftsweisende Reform wäre ohne das Zutun und Mitwirken der Gewerkschaft nicht und schon gar nicht mit diesem Ergebnis zustande gekommen“, sagt Handler.

Aufgrund der besonderen Voraussetzungen wurde gemeinsam mit der younion-Landeskonferenz auch die younion-Landesfrauenkonferenz durchgeführt, bei der Handler, die in Mattersburg Kindergartenleiterin ist, einstimmig in ihrer Funktion als „younion“-Landesvorsitzende bestätigt wurde.

Weitere Forderungen der Teilgewerkschaft, die Beschäftigte im Gemeindedienst und in Verbänden auch KindergartenpädagogInnen, KünstlerInnen, SportlerInnen, Beschäftigte im Pflegebereich und freie JournalistInnen vertritt, sind: die europaweite Absicherung der Daseinsvorsorge, eine verpflichtende Pensionsvorsorgekassa für Gemeindebedienstete, ein einheitliches Bundesrahmengesetz für elementarpädagogische Einrichtungen und Horte.