Sorge um Erdbeer-Ernte

Aufgrund der Grenzschließungen bangen die Erdbeerbauern im ganzen Bezirk um ihre Erntehelfer, die größtenteils aus dem Ausland kommen.

Erstellt am 09. April 2020 | 04:27
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In etwa vier Wochen sind die ersten Erdbeeren reif für die Ernte. Ob bis dahin die Grenzen für Erntehelfer geöffnet werden, ist noch fraglich.
Foto: BVZ

Die Erdbeersaison steht schon in den Startlöchern, doch aktuell stehen den Obstbauern schwierige Zeiten bevor. Zwar sind die Erdbeeren von den Kälteeinbrüchen größtenteils verschont geblieben, doch aufgrund der aktuellen Situation fürchten sich viele Landwirte, dass ihnen die Erntehelfer fehlen werden, die größtenteils aus Kroatien, Rumänien, Polen oder Bosnien kommen. Die Burgenländische Landwirtschaftskammer hat als erste Kammer in Österreich eine Online-Plattform zur Suche von Erntehelfern eingerichtet, trotzdem haben viele Bauern Angst.

„Bei den frühen Sorten gibt es schon Schäden, wie groß das Ausmaß ist, weiß ich aber erst in zehn bis 14 Tagen"

Obstbauer Michael Habeler vom Wiesener Obsthof Habeler, baut auf vier Hektar Erdbeeren an – davon drei im Freiland und einen Hektar im Folientunnel. Er erzählt: „Bei den frühen Sorten gibt es schon Schäden, wie groß das Ausmaß ist, weiß ich aber erst in zehn bis 14 Tagen. In den Folientunnel heizen wir mit Pellets, im Freien versuchen wir mit Holzfeuern und dem Abbrennen von Parafinkerzen die Kälte einzudämmen. Das ist natürlich sehr kostenintensiv.“

Habeler sieht ein großes Problem auf sich zukommen, wenn die Erntehelfer nicht über die Grenze dürfen. „Wir putzen im Moment gerade unsere Folientunnel und dazu stehen bei uns schon drei Helfer von unserem kroatischen Stammpersonal im Einsatz, die bei uns im Arbeitshaus wohnen. Aber für die Haupternte fehlen uns noch 15 bis 17 Personen, die normalerweise aus Kroatien und Rumänien kommen. Wie das heuer mit diesen Helfern ausschaut, die ja in Quarantäne müssen, falls sie überhaupt über die Grenze kommen, das weiß ich noch nicht.

Auch über die neue Online-Plattform haben sich schon einige gemeldet, aber für Jemanden, der es nicht gewöhnt ist, den ganzen Tag über gebückt am Feld zu arbeiten, wird es schwierig sein, diese Tätigkeit zu verrichten“, fürchtet Michael Habeler.

"An manchen Tagen bin ich echt verzweifelt“

Obstbauer Christoph Ramhofer aus Wiesen baut auf fünf Hektar Grund Erdbeeren an, wie es hier mit den Ernteausfällen ausschaut, lässt sich noch nicht sagen. „Das werden wir erst in etwa 14 Tagen wissen“, meint er. Auch bei ihm ist ungewiss, wie es mit den Erntehelfern aussehen wird. „Wir haben seit 20 Jahren acht bis neun Leute aus Bosnien und Kroatien zur Erntezeit da. Heuer ist alles in Schwebe, ob diese kommen werden können. An manchen Tagen bin ich echt verzweifelt“, gesteht der Obstbauer.

Auf 3,5 Hektar Land baut Fritz Pankl, vom Obsthof Pankl in Pöttsching, Erdbeeren an. Auch er muss warten, ob seine Stammerntehelfer kommen dürfen. „Bei uns Obstbauern ist es, als wäre ein Resetknopf gedrückt worden und wir müssen alle zurück an den Start. Aber wo eine Tür zugeht, geht eine andere hoffentlich wieder auf“, so hofft er.

Minusgrade sorgen für Ernteausfälle

Wie auch schon aus anderen Bezirken bekannt wurde, stehen aufgrund der Temperaturen vielen Obstbauern massive Einbußen bei den Ernten bevor.

Michael Habeler hat Obstbäume auf sechs Hektar Grund und weiß: „Durch die nächtliche Kälte sind unsere Marillen, Kirschen und Pfirsiche zu 95 bis 100 Prozent kaputt gegangen.“

Auch für Christoph Ramhofer steht die Marillenernte heuer unter keinem guten Stern. „Da schaut es heuer traurig aus, denn die sind alle kaputt“, klagt der Landwirt, der einen halben Hektar großen Grund mit Marillenbäumen bewirtschaftet.

Fritz Pankl stößt in das gleiche Horn: „Die Marillenernte ist für heuer schon abgeschlossen, bei den Pfirsichen schaut es nicht besser aus.“ Wie es um die Äpfel und Birnen steht, kann derzeit noch nicht prognostiziert werden.