Feuerwehrkommandant: "Wir werden links liegen gelassen". Die Feuerwehr war ursprünglich im Covid19-Impfplan in Stufe 2 vorgesehen. Nun wurden die Einsatzkräfte komplett aus dem Impfplan gestrichen – sehr zum Unmut der Basis.

Von Richard Vogler. Erstellt am 11. Februar 2021 (05:44)
Symbolbild
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Unmut und Unverständnis prägen aktuell die Stimmungslage bei der Feuerwehrbasis im Bezirk Mattersburg. Im ursprünglich vorgesehenen Impfplan Mitte Jänner waren die Feuerwehrmänner noch in Phase 2 berücksichtigt, da die Wehr zur kritischen Infrastruktur zählt. Im überarbeiteten Covid19-Impfplan wird nun gar kein Bezug mehr zur Feuerwehr hergestellt.

Was bei vielen Feuerwehrmännern sauer aufstößt: Bei den zweiten Corona-Massentests vom 13. bis 17. Jänner halfen viele Feuerwehrmänner tatkräfig mit. Der Ablauf in der Mattersburger Bauermühle etwa wurde von der Feuerwehr organisiert. Insgesamt 120 Mitglieder von 12 Feuerwehren halfen mit, nun ist man beim Impfplan nicht mehr dabei.

„Sonst bedient man sich für jede Kleinigkeit bei der Feuerwehr, nun werden wir links liegen gelassen.“ Bezirksfeuerwehrkommandant Adi Binder

Bezirksfeuerwehrkommandant Adi Binder zeigt sich „ sehr enttäuscht. Beim Testen sind wir eingeteilt worden, bei den Einsätzen sind wir stets bereit, stehen in der Nacht auf. Wir müssen uns nun überlegen, ob wir für gewisse Arbeiten zur Verfügung stehen. Sonst bedient man sich für jede Kleinigkeit bei der Feuerwehr, nun werden wir links liegen gelassen“, so Binder, dessen Kritik sich auch in die eigenen Reihen richtet: „Vom Bundesfeuerwehrpräsidenten und den Landesfeuerwehrkommandanten bin ich enttäuscht, sie hätten sich mehr für ihre Leute einsetzen sollen.“

Bezirksfeuerwehrkommandant Adi Binder missflällt die Entscheidung.
zVg / Vogler

Geht es nach Bezirksfeuerwehrkommandantstellvertreter Adi Binder junior, so „weiß man bei bestimmten Tätigkeitsfeldern sehr wohl, dass es die Feuerwehr gibt und bei manchen werden wir einfach ausgeschlossen, dies ist einfach keine Wertschätzung.“

Thomas Dienbauer, Mattersburger Stadtfeuerwehrkommandant: „Ich bin enttäuscht. Zuerst wird man zur kritischen Infrastruktur gezählt, dann wird man heimlich still und leise herausgestrichen. Bei Massentests haben sie genau gewusst, wo sie hingehen müssen“, so Dienbauer, der weiter ausführt: „Wir haben doch zum Teil mit verletzten Personen zu tun, bei denen man nicht weiß, ob sie mit Corona infiziert sind.“

Auch Stadtfeuerwehrkommandant Thomas Dienberger und vielen anderen Feuerwehrmitgliedern gefällt die Entscheidung nicht.
zVg

Von Seiten des Bundesfeuerwehrverbandes gab es diesbezüglich eine Aussendung, in der Präsident Albert Kern verärgert reagiert. „Das kann ich weder verstehen noch akzeptieren. Ich appelliere an das Gesundheitsministerium, hier rasch Nachjustierungen vorzunehmen.“ Landesfeuerwehrkommandant Alois Kögl kann die Kritik von Bezirksfeuerwehrkommandant Adi Binder in Richtung Bundesfeuerwehrverband und Kommandanten nicht nachvollziehen.

„Wir haben uns sehr wohl bemüht. Der Österreichische Bundesfeuerwehrverband hatte mit dem Gesundheitsministerium ausverhandelt, dass wir als kritische Infrastruktur gelten und in Impfphase 2 dabei sein werden. Völlig überraschend haben wir dann den neuen Impfplan erhalten, bei dem wir nicht berücksichtigt sind“, so Kögl, der darauf verweist, dass der Bundesverband das Gespräch mit dem Bund suchen wird. „Ich habe einen Brief an die Landesimpfkoordinatorin, an den Landesrat und an den Landesfeuerwehrdirektor mit dem Anliegen verfasst, sich für uns einzusetzen.“