Unternehmer soll Banken betrogen und belogen haben: Millionenschaden!

Erstellt am 27. Januar 2022 | 05:39
Lesezeit: 3 Min
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Auf vier Tage ist der Betrugsprozess gegen den Unternehmer im Landesgericht Eisenstadt anberaumt.
Foto: Kirchmeir
Obwohl sein Unternehmen in Siegendorf bereits zahlungsunfähig war, beantragte Geschäftsmann aus dem Bezirk Mattersburg weiter Millionenkredite.
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Ein 62-jähriger Mann aus dem Bezirk Mattersburg, der 1997 in Siegendorf ein Unternehmen gegründet hatte, muss sich wegen schwerer Vorwürfe vor Gericht verantworten. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wirft dem Mann unter anderem vor, nicht rechtzeitig die Notbremse gezogen zu haben, als ihm klar wurde, dass sein Unternehmen nicht mehr zu retten sein würde.

„Ende 2009 war sein Unternehmen zahlungsunfähig“, gab der Oberstaatsanwalt bekannt. In dieser Situation hätte ein „ordentlicher Geschäftsmann“ Konkurs anmelden müssen.

„Er darf nicht weiterwurschteln, neue Schulden machen, obwohl er weiß, dass er das Geld nicht zurückzahlen kann“, hielt der Oberstaatsanwalt dem Angeklagten vor.

Das Unternehmen ging erst 2015 mit zwölf Millionen Euro Schulden in Konkurs. Das Gericht hatte damals die Schließung der Firma angeordnet.

In der Zwischenzeit war der Schuldenberg angewachsen, weil der Angeklagte bei zwei Banken Millionenkredite aufgenommen hatte, die er in sein Unternehmen pumpte.

Zunächst soll er eine Bank mit der Behauptung getäuscht haben, dass er selbst Forderungen in der Höhe von 3,2 Millionen Euro gegenüber seinen Kunden habe. Daraufhin räumte ihm die Bank einen Kredit in genau dieser Höhe ein.

Geschäftspartner „frei erfunden“

In Wahrheit sollen die Forderungen gar nicht bestanden haben. „Geschäftspartner und Geschäftsbeziehungen waren frei erfunden“, berichtete der Oberstaatsanwalt.

Später wurde dieser Kredit aufgestockt. Für die Bank trat ein Schaden von 4,2 Millionen Euro ein.

Zwei Jahre später beantragte der Angeklagte bei einer weiteren Bank einen Kredit über vier Millionen Euro und legte dafür gefälschte Jahresabschlüsse und dieselben „Phantasieforderungen“ wie bei der ersten Bank vor. Schaden: 4,8 Millionen Euro.

Weiters soll der Unternehmer Millionenbeträge von seinem Firmen- auf sein Privatkonto und zurück überwiesen haben. „Dadurch gaukelte er ein florierendes Unternehmen vor“, erklärte der Oberstaatsanwalt.

3,4 Millionen Euro, die er von seinen Kunden erhielt, soll er überdies nicht seiner Firma übermittelt, sondern beiseite geschafft haben.

Um die Fassade eines gutgehenden Unternehmens aufrechtzuerhalten, soll der Unternehmer 170 Saldenbestätigungen und Kompensationsverträge gefälscht haben. Auch der eigene Steuerberater soll aufwändig getäuscht worden sein.

Für die Buchhaltung sollten nämlich jene Kunden, die dem Unternehmen angeblich Geld schuldeten, diese offenen Rechnungen bestätigen.

Der Angeklagte füllte die Formulare selbst aus, stempelte sie mit selbst hergestellten Firmenstempeln ab, fälschte die Unterschriften und warf die Briefsendungen in jenem Land, wo die Kunden ihren Sitz hatten, in Briefkästen.

Unternehmen war ein „reines Luftschloss“

„Sechs Jahre lang hat er Menschen um sich getäuscht“, fasste der Oberstaatsanwalt die Vorwürfe zusammen. Das Unternehmen sei ein „reines Luftschloss“ gewesen, „Lug und Trug“.

„Er war ein emsiger Unternehmer“, hielt diesen Ausführungen der Verteidiger entgegen. Sein Mandant habe „keineswegs in krimineller Absicht“ gehandelt, er habe geglaubt, dass er die Kredite zeitnah zurückzahlen werde können.

Der Angeklagte selbst bekannte sich zu den Vorwürfen teilweise schuldig. Er habe „keinen einzigen Cent zur Seite geschafft“.

„Ich war gutmütig, aber meine Partner zahlten nicht“, sagte der glücklose Unternehmer. Er gab zu, Forderungen „erfunden“ zu haben, um die Bankkredite „am Laufen zu halten“. Der Prozess wird am Donnerstag dieser Woche mit Zeugenbefragungen fortgesetzt.

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