"Pucher-Areal" nun versteigert. Wiener Immobilienentwickler Gerhard Aigner kauft das Areal in Mattersburg für das geplante Impulszentrum. Der Plan: Neben dem Rathaus-Bau sollen auch „Big Player“ angelockt werden, um das Zentrum zu beleben. Projektname: RIZ (Reise ins Zentrum).

Von Richard Vogler. Erstellt am 04. März 2021 (05:55)
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Eine sehr lange Zeit hatte Martin Pucher am „Impulszentrum“ in der Mattersburger Innenstadt geplant. Bereits in den 1990er-Jahren kaufte die Commerzialbank die ersten Grundstücke, die sich im Laufe der Zeit vermehrten, ehe im Dezember 2019 die große Präsentation erfolgte: Mit einem Investitionsvolumen von 29,5 Millionen Euro sollten in das Impulszentrum die neue Commerzialbank-Zentrale, das Rathaus, Wohnungen, Geschäftslokale und Büroräume kommen, 265 Abstellplätze sollten für ausreichend Parkraum sorgen.

Bekanntlich kam der Commerzialbank-Skandal dazwischen, der Masseverwalter war am Zug und vergangene Woche erfolgte die Versteigerung. Den Zuschlag erhielt der Wiener Immobilienentwickler Gerhard Aigner.

„Den Zuschlag habe ich für mein Hauptunternehmen, der Sanag Sanierung GmbH bekommen. Der Kauf wird dann in den nächsten Tagen abgewickelt. Neben der Sanag besitze ich weitere Gesellschaften wie zum Beispiel eine Baufirma oder ein Unternehmen für Immobilienprojekte. Wir kaufen Großgrundstücke ab 10.000 Quadratmeter“, berichtet Aigner, um weiter auszuführen: „Im Bereich der Immobilienentwicklung sind wir in der Größenordnung wie in Mattersburg oder noch größer tätig.“ Die ersten Planungen von Aigner gehen in jene Richtung, wonach „wir gerade dabei sind, die Pläne neu aufzusetzen. Natürlich wollen wir dem bereits bestehenden Projekt nichts in den Weg legen. Es hat ein erstes Gespräch mit Bürgermeisterin Ingrid Salamon gegeben. Das Rathaus wird auf jeden Fall kommen, vorbehaltlich der Zustimmung meiner Gesellschafter im Hintergrund.“ Laut Aigner gab es auch bereits Kontakte zu den Projektentwicklern des Impulszentrums, der Pannonia Consult (ein Unternehmen der WoschitzGroup von Richard Woschitz).

Ronny Kain, Geschäftsführer der Pannonia Consult, bestätigt den Kontakt mit Aigner, konkretisiert wurde noch nichts. „Eine fertige Idee gibt es ja bereits, man muss schauen, ob man sich aktiv einbringt“, so Kain.

„Wir haben vor, auch Fachmärkte vom Ortsrand in das Zentrum zu holen, es haben sich schon ‚Ankermieter‘ bereits angekündigt.“ Gerhard Aigner

Die ursprünglichen Pläne von Pucher sahen zwar Räumlichkeiten für Geschäfte vor. Aigner will diesen Bereich noch mehr forcieren mit dem Ziel der Aufwertung der Innenstadt. Studien zufolge sind „Big Player“, also große Markenfirmen, ein wichtiger Punkt für eine florierende Innenstadt.

„Ich denke, dass im Mattersburger Zentrum vieles möglich ist, wir wollen die Leute in die Innenstadt bringen. Wir haben vor, auch Fachmärkte vom Ortsrand in das Zentrum zu holen, es haben sich schon ‚Ankermieter‘ angekündigt. Wir wollen, dass die Reise in die Zukunft geht. Der aktuelle Projektname lautet ‚RIZ‘ als Abkürzung für ‚Reise ins Zentrum‘.“ Dem Vernehmen nach soll sich der Preis um 375 Euro pro Quadratmeter bewegen. „Dazu möchte ich nichts sagen, das will ich nicht nach außen tragen. Wir haben stark investiert, wir haben eine gute Basis für das Projekt, der Rest ist ein Entwicklungsthema.“

Beim Bau selbst wird sich Aigner mit der Gemeinde abstimmen müssen. Vergangenes Jahr wurde für das Areal ein Baustopp erlassen (mittels Gemeinderatsbeschluss kann dieser wieder aufgehoben werden) und neue Bebauungsrichtlinien sind in Ausarbeitung.

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Bürgermeisterin Ingrid Salamon bestätigt das Gespräch mit Aigner. „Es war auch der Rathaus-Neubau ein Thema. Von unserer Seite her besteht weiterhin Interesse, an diesem Standort das neue Rathaus zu errichten. Natürlich müssen die Voraussetzungen auch passen“, berichtet Salamon.

„Florianihof-Parkplatz“ ebenso versteigert

Eine zweite ehemalige Liegenschaft kam vergangene Woche ebenfalls unter den „Hammer“: Jene eingezäunte Fläche, die sich gegenüber des Florianihofs in der Schubertstraße befindet und für Kunden des Restaurants als Parkfläche diente. Käufer des Grundstücks ist der Schattendorfer Gerhard Schwentenwein mit seiner „Schwentenwein Baubetreuungs GmbH.“ „Wir haben nun einmal das 1.500 Quadratmeter große Grundstück erworben. Nun geht es an die Planungen. Ich denke, dass wir im kommenden Jahr mit dem Bau starten werden.“

Fix ist, dass ein Mix aus Geschäftslokalen und Wohnungen kommen soll. „Es wird in etwa die Hälfte der Fläche für das Gebäude genutzt werden. Der Rest für Parkplätze, da eine Tiefgarage nicht in Frage kommt.“ Im Erdgeschoß sollen die Geschäftslokale platziert werden, in den Etagen darüber die Wohnungen.

Schwentenwein wird als Projektentwickler fungieren. „Natürlich gibt es bereits Kontakte zu Siedlungsgenossenschaften.“ Auf den kolportierten Preis von 400 Euro pro Quadratmeter angesprochen, hält Schwentenwein fest: „Etwas hoch, aber da könnte man nicht falsch liegen.“