Bauchtanz aus der Ukraine nun in Bad Sauerbrunn

Erstellt am 05. Juni 2022 | 04:49
Lesezeit: 4 Min
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Nadja Tkachenko wohnt mit ihren beiden Söhnen, bei Sylvia Linc in Bad Sauerbrunn. Am 10. Juni gibt Nadja einen Bauchtanz-Workshop, zu dem alle Frauen, die diesen Tanz lernen wollen, eingeladen sind.
Foto: Artner
Nadja Tkachenko flüchtete am 18. März mit ihren beiden Söhnen, Ivan und Pascha, nach Österreich. In der Ukraine führte sie ein Tanzstudio für Kinder und Erwachsene. Ihre Spezialität, den Bauchtanz, möchte sie jetzt auch in Bad Sauerbrunn lehren.
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Ursprünglich stammt Nadja Tkachenko aus der rund 66.000 Einwohner zählenden Stadt Smila in der Region Kirosvohradska, einem Gebiet in der Zentralukraine.

Am 18. März, drei Wochen nach Kriegsbeginn, war für sie klar, dass auch in ihrer Stadt damit gerechnet werden müsse, dass die russische Armee bis dorthin vordringen könnte. Russische 8er-Bomber hätten das Gebiet bereits überflogen. „Deswegen war die Entscheidung, entweder wir gehen jetzt oder wir warten. Aber wenn wir warten, ist es vielleicht zu spät.“

Ehemann Alexander und viele andere blieben zurück

Nadjas Ehemann, Alexander, mit dem sie im Juni ihren ersten Hochzeitstag feiert, blieb zurück, genauso wie ihre Eltern und Schwiegereltern und andere Familienmitglieder. Nach aktuellem Stand, sagt Nadja, sei ihr Heimatort bisher unversehrt geblieben. Wie es morgen, in einer Woche oder einem Monat sein wird, könne aber niemand wirklich vorhersagen.

Alexander war vor dem Krieg Historiker und Journalist. Jetzt müsse er sich bereithalten, erzählt Nadja. In den Krieg eingerückt und aktiv in Kampfhandlungen involviert sei er bisher aber nicht gewesen. Stattdessen übernimmt er humanitäre Hilfsdienste. Mehrmals am Tag, sagt sie, spricht sie per Videotelefonat mit ihm und ihrer Familie.

„Ich mag es hier sehr. Wir wurden gastfreundlich und herzlich empfangen. Wir sind von tiefstem Herzen dankbar.“ Nadja Tkachenko Bauchtanzlehrerin

Heute lebt Nadja mit ihren beiden Söhnen bei Sylvia Linc in ihrem Privathaus in Bad Sauerbrunn. Davor waren sie einen Monat im Sauerbrunner Hof untergebracht. Ihre Reise bis nach Österreich dauerte drei Tage, sie fuhren mit dem Bus, dem Auto, dem Zug. Mitgenommen haben die Drei lediglich das Notwendigste: Alles passte in einen Koffer und einen Rucksack.

Sylvia Linc, ausgebildete Juristin, Bankdirektorin in Pension und Entdeckerin der originalen Abschiedsbriefe von Mary Vetsera, der Geliebten von Kronprinz Rudolf, und zuletzt Verwalterin der Bad Sauerbrunner Flohmarktraritäten, hatte sich nach Ausbruch des Krieges sofort bereit erklärt, eine ukrainische Familie bei sich aufzunehmen.

„Sie sind jetzt einen Monat bei mir und ich finde das echt super. Alle drei sind so liebe Menschen. Nadja ist schon eifrig bemüht, Deutsch zu lernen und sich nützlich zu machen“, freut sich Sylvia Linc. „Das bewundere ich. Man muss nur mal überlegen, was es heißt, wenn man aus einem Krieg flüchtet und alles daheim zurücklassen muss.“ Deutsch lernt Nadja zweimal in der Woche in einem Kurs in Neudörfl, zusätzlich nimmt sie Unterricht in einem Onlinekurs. In persönlichen Gesprächen behilft sie sich mit einer Handy-App, die übersetzt.

Ihr jüngerer Sohn, Ivan, 10 Jahre alt, der auch Wanja gerufen wird, so wie es in der Ukraine gängig ist, dass man zum offiziellen Namen auch einen Kosenamen bekommt, geht in Bad Sauerbrunn in die Volksschule. Pascha, auch Pavlo genannt, ist 15 und bekommt derzeit Online-Schulunterricht aus der Ukraine.

Im Herbst, berichtet seine Mutter, wird er im Gymnasium in Mattersburg lernen. Beide spielen auch im Bad Sauerbrunner Fußballverein und haben schon die eine oder andere Freundschaft geschlossen.

In ihrer Heimat hatte Nadja Tkachenko eine Ausbildung als Sozialarbeiterin gemacht. Ihre große Leidenschaft gilt aber dem Tanz, weshalb sie zuletzt auch ein kleines Tanzstudio für Kinder und Erwachsene ihr Eigen nannte. Bauchtanz ist dabei ihre Spezialität. Am 10. Juni wird es deshalb in Bad Sauerbrunn von 18:00 bis 19:30 im Veranstaltungssaal Genussquelle einen Schnupper-Workshop zum Thema Tanzen und Bauchtanz mit Nadja geben.

Außerdem hat sich Nadja auf Henna-Tattoos mit verschiedenen Mandala-Mustern spezialisiert. Hennas halten ungefähr ein bis zwei Wochen auf der Haut. „Viele Menschen, die sich überlegen ein Tattoo stechen zu lassen, probieren Henna vorher aus, um zu schauen, wie es aussehen würde“, erklärt Nadja. Sie können aber auch einfach für bestimmte Anlässe als Zierde auf die Haut aufgetragen werden.

Was sich Nadja derzeit am meisten wünscht, ist natürlich Frieden in der Ukraine und ein baldiges Wiedersehen mit ihrem Mann Alexander, ihrer Familie und ihrer Katze, Busja, die ebenfalls in der Ukraine zurückgeblieben ist.

Österreich gefällt ihr sehr gut, sagt sie: „Ich mag es hier sehr. Wir wurden sehr gastfreundlich und herzlich empfangen. Wir sind von tiefstem Herzen dankbar.“

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