„Der Radtourismus boomt“

Zwei Neudörfler Betriebe wurden mit dem Qualitätssiegel „bett + bike“ für besonders fahrradfreundliche Unterbringungsmöglichkeiten ausgezeichnet.

Erstellt am 05. August 2021 | 04:47

„Unsere Region ist bestens für Radfahrer geeignet“, sagt Annemarie Schreiner, die seit 2019 und bis vor Kurzem Geschäftsführerin im Tourismusverband Region Rosalia – Neufelder Seenplatte war. Dass das so ist, liegt nicht nur an den Radwegen wie etwa dem Rosaliaradwanderweg, dem Hexenhügel- oder dem Leitharadweg, sondern auch an den passenden Einkehrmöglichkeiten, will heißen, an Hotels, Pensionen und Gasthöfen, die besonders fahrradfreundliche Angebote aufweisen.

Acht Betrieben aus dem Bezirk wurde in den vergangenen Wochen das vom ADFC, dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub, entwickelte Qualitätssiegel „bett + bike“ verliehen. Sechs Mindestkriterien mussten dafür erfüllt werden, erklärt Schreiner. Dazu zählen zum Beispiel die Aufnahme von Fahrradgästen auch nur für eine Nacht, ein abschließbarer Raum für die Aufbewahrung der Fahrräder oder auch die Bereitstellung eines Basisreparatursets.

Darüber hinaus konnten sich die Betriebe mit der Erfüllung von elf Zusatzkriterien auszeichnen. Die Zertifizierungen hat Annemarie Schreiner, die auch selbst leidenschaftliche Bikerin und E-Bikerin ist, auf den Weg gebracht. Vor ihrer Ernennung zur Geschäftsführerin war sie 29 Jahre ehrenamtlich im Tourismusverband tätig. „Ich habe seit Jahren sehr engen Kontakt mit unseren Betrieben gepflegt und bin dann an einige herangetreten und habe gefragt, ob sie nicht an dieser Zertifizierung teilnehmen möchten.“

Mit „bett + bike“ werden unterschiedliche Radfahrergruppen angesprochen: Da wären zum Einen die Genussradler, weiters die Rennradfahrer und schließlich die Mountainbiker. „Wir sind in der Region Rosalia in der glücklichen Lage, dass wir eigentlich alle drei Sparten gut abdecken. Die Rennradfahrer nutzen das Angebot vielleicht nur für eine Nacht, die Genussradler bleiben meistens länger im Betrieb.“ Bei allen, insbesondere aber bei den Genussradfahrern, lautet das Motto: Die Radler in die Orte holen. „Es hat ja keinen Sinn, wenn wir Radwege machen und die führen immer nur außen herum und ich besuche nicht die Ortskerne.“

Gäste kommen sogar aus Deutschland

Einer der acht Betriebe, die die Zertifizierung erhalten haben, ist das Hotel Garni in Neudörfl. Thomas Tschurlovich hat schon seit einiger Zeit ein Auge auf den Radfahrtourismus geworfen. „Diese Sparte boomt. Wir in der Region und allen voran Annemarie Schreiner haben das Gott sei Dank rechtzeitig erkannt und den Radtourismus schon seit Jahren gefördert.“ Im Keller des Hotels gibt es zum Beispiel eine Fahrradwerkstatt mit Ersatzteilen, Werkzeug, Schmiermittel und Öl, die sich auch als Abstellraum für die Räder eignet und, so ein Kriterium, auch verschließbar sein muss. „Ich hatte zum Beispiel vor Kurzem jemanden hier mit einem E-Bike um 6.500 Euro. Das kann man natürlich nicht einfach so irgendwo stehen lassen.“

Ebenfalls das Zertifikat bekommen hat das Neudörfler Tenniscenter Habeler & Knotzer. Der Radtourismus spiele dort zwar noch keine sehr große Rolle, sagt Geschäftsführerin Eva Habeler, die das Center gemeinsam mit ihrer Schwester Elisabeth Habeler leitet, „aber es wird immer mehr.“ Das erste Mal kamen Radtouristen 2019. „Davor hatten wir überhaupt niemanden mit dem Rad. Vor allem aus Oberösterreich sind jetzt unsere Gäste, aber auch einige aus Deutschland, die von hier aus Ausflüge machen“, erzählt Eva Habeler. Auch sie betont die hervorragende Lage der Region sowie die gut ausgebauten Radwege: „Man kommt sehr schnell zum Neusiedler See, es gibt eine gute Strecke nach Wien, in die Bucklige Welt oder rauf auf den Semmering.“