Schuber: "Jakobhaus steht nicht unter Denkmalschutz“. Die Abbrucharbeiten des Jakobhauses in Pöttelsdorf ernteten viel Kritik. Bürgermeister Rainer Schuber weist darauf hin, dass das Ensemble nicht unter Denkmalschutz steht.

Von Viktoria Sieber. Erstellt am 08. Oktober 2020 (04:45)
Das Jakobhaus-Ensemble am Eck Hauptstraße/Hauptplatz. Vor dem Abriss erstrahlt es noch in alten Glanz.
zVg

Seit rund sechs Jahren ist ein neues Gemeindezentrum in Pöttelsdorf in Planung. Nun begannen die Abrissarbeiten im sogenannten Jakobhaus, bestehend aus den Häusern Hauptstraße 54 und 56. Die Abbrucharbeiten sorgten bei Kunstgeschichtlern, Denkmalschützern und Bürgern für großen Wirbel.

„Das Grundstück des Ensembles ist seit Jahren ungenutzt, jedoch ist die zentrale Lage unglaublich wichtig für das Dorf“, heißt es in einer Presseaussendung der Gemeinde. „Die Gebäude des Jakobhauses stehen zu keinem Zeitpunkt unter Denkmalschutz“, so Bürgermeister Schuber.

Auf dem Areal, welches rund 2.000 Quadratmeter erfasst, soll ein „multifunktionales Gemeindezentrum“ errichtet werden. Neben einem kleinen Dorfladen und einem Café, soll auch ein Veranstaltungssaal errichtet werden.

„Die Gemeinde hat sich mit verschiedensten Architekturbüros und Bautechnikern über viele Jahre mit dem Thema auseinandergesetzt und kam schließlich zur Entscheidung, dass mit Berücksichtigung der finanziellen Mitteln, der alte Bestand des Jakobhauses nicht in den Neubau einfließen kann.“, so Bürgermeister Rainer Schuber.

„Ebenso nehmen die neuen Gebäude die traditionelle Form der bestehenden Bebauung und interpretieren diese neu, indem ihre Dimensionen variieren. Die klar unterschiedlichen Volumina und die Orientierung der einzelnen Gebäude lassen deren Funktion und Hierarchie erkennen“, heißt es in der Presseaussendung.

„Ich war erschüttert, als ich vom Abriss hörte“

Sabrina Hanny, Kunstgeschichts-Studentin, schätzt seit Jahren die Gemeinde Pöttelsdorf aufgrund der guten topografischen Lage im Wulkatal, aber auch aufgrund der baulichen Zeugnisse bäuerlicher Architektur. „Ich war erschüttert, als ich von der drohenden Zerstörung des wertvollen Baubestandes des Jakobhaus-Ensembles gehört habe“, so Hanny. Daher fordert Hanny, dass der Abriss gestoppt wird und dadurch eine alternative und nachhaltige Planung für das Areal gefunden werden kann. Referenzbeispiele dafür sind zum Beispiel: das Weinwerk in Neusiedl und die Revitalisierung des Bürgerspitals in Rust. Durch die Revitalisierung der Bauen gelang es den Gemeinden, eine Symbiose aus historischen Stadelstrukturen und qualitätsvoller moderner Architektur zu schaffen.

Die Revitalisierung des Jakobhauses würde der Gemeinde 1,7 Millionen Euro kosten, wobei ein Neubau 1,2 Millionen Euro zu Buche schlägt. Die Förderungen würden sich nur auf 30.000 bis 50.000 Euro belaufen, hieß es seitens der Projektverantwortlichen in der Gemeinde.

„Wir leben in einer Abrisskultur“

Auch Landeskonservator Peter Adam war erschüttert von der Nachricht. Adam wollte diese Woche nach Pöttelsdorf kommen, um sich das Haus anzusehen und Möglichkeiten des Denkmalschutzes abzuwägen. „Die Gemeinde hat eine gewisse Vorbildwirkung auf die Bevölkerung. Wenn diese sagt, dass das Zentrum abgerissen wird, ist das so. Wir leben in einer Abrisskultur und diese leben wir der jungen Generation vor. Die Ortsbilder verändern sich und das ,heimatliche‘ verschwindet“, so Adam. Er habe kein Verständnis dafür und hat sich zur Aufgabe gemacht, die Identität des Burgenlandes und der Gemeinden zu wahren.

Das Jakobhaus, Hauptstraße 54 und 56, während den Abbrucharbeiten. Ende des Monats sollten die Arbeiten abgeschlossen werden.
Viktoria Sieber

Durch die Abrissarbeiten wurde jedoch das Dach schon entfernt. Adam bestätigt, dass das Haus nicht unter Denkmalschutz steht. Man könne das halbe Haus unter Denkmalschutz stellen. „Sinn hätte das aber keinen, da ohne Dach auch kein Erhaltungsschutz gegeben ist“, so Adam.

Seit dem Abbruch des Gasthauses hat Pöttelsdorf seit Jahren keinen Veranstaltungssaal mehr. Die Gemeinde möchte mit dem Bau des Gemeindezentrums das Dorfzentrum wiederbeleben. „Nach der Entscheidung des Gemeinderates im Juli 2020, den ursprünglich größer dimensionierten Saal über 2 Ausbaustufen zu erbauen, wird zunächst die erste Ausbaustufe mit ca. 125 Quadratmeter Saalgröße bis Ende 2021 realisiert. Wir hoffen einergehend mit der 750-Jahre Pöttelsdorf Jubiläums-Feier“, so die Gemeinde.