Statt klassischer Weltspartagsgeschenke setzt die Raiffeisenbank erneut auf soziale Unterstützung. Die Kindergärten in Mattersburg erhalten heuer eine finanzielle Förderung für ihre Arbeit mit den jüngsten Kindern.
Wie eine Japanerin im Burgenland ein neues Zuhause fand
Von Köbe nach Mattersburg
Ein Klick auf einer Sprachlern-App hat das Leben von Yu Matsushita grundlegend verändert. Die 28-jährige Japanerin lernte dort den Mattersburger Harry Pinter kennen. Aus ersten Gesprächen über Sprache und Kultur wurde eine Beziehung, aus einer Fernbeziehung schließlich ein gemeinsames Leben im Burgenland. Seit Jänner dieses Jahres lebt die gebürtige Japanerin in Mattersburg und entdeckt Schritt für Schritt ihre neue Heimat.
Yu Matsushita ist Japanisch-Lehrerin, auch privat dreht sich vieles um Sprache und Kultur.
© zVg, Harry Pinter
Ein Klick auf einer Sprachlern-App hat das Leben von Yu Matsushita grundlegend verändert. Die 28-jährige Japanerin lernte dort den Mattersburger Harry Pinter kennen. Aus ersten Gesprächen über Sprache und Kultur wurde eine Beziehung, aus einer Fernbeziehung schließlich ein gemeinsames Leben im Burgenland. Seit Jänner dieses Jahres lebt die gebürtige Japanerin in Mattersburg und entdeckt Schritt für Schritt ihre neue Heimat.
Die Geschichte des Paares begann im Jahr 2024. Yu Matsushita wollte ihre Deutschkenntnisse verbessern, Harry Pinter bereitete sich auf eine Reise nach Japan vor und suchte nach japanischen Gesprächspartnern. Die beiden fanden einander über eine Sprachlern-App.
„Es war das erste Mal, dass ich mit jemandem aus Österreich gesprochen habe“, erinnert sich Matsushita. Der Kontakt blieb bestehen, und als Pinter später nach Japan reiste, trafen sie sich persönlich. Gemeinsame Restaurantbesuche und Ausflüge führten dazu, dass aus der Freundschaft bald eine Beziehung wurde.
Schon lange bevor sie ihren heutigen Lebensgefährten kennenlernte, hatte Matsushita eine besondere Vorstellung von Österreich. Diese entstand durch einen Manga über das Leben Mozarts, den sie als Kind gelesen hatte.
„Dadurch hatte ich Österreich immer als Land der Musik wahrgenommen“, erzählt sie. Als sie später ihren jetzigen Lebensgefährten kennenlernte, wurde dieses Bild noch verstärkt. Er spielt seit seiner Kindheit Geige, seine Eltern unterrichten Klavier beziehungsweise klassische Gitarre an einer Musikuniversität. Musik sei daher von Anfang an ein verbindendes Element gewesen.
Zum ersten Mal besuchte die Japanerin Österreich Ende 2024. Eine Erinnerung ist ihr dabei besonders geblieben: der Jahreswechsel. „Wir haben zu ,An der schönen blauen Donau’ getanzt, während draußen Feuerwerk aufstieg“, erzählt sie. In Japan gebe es zwar ebenfalls Feuerwerke, allerdings meist im Rahmen von Sommerfesten. Tanzveranstaltungen für Erwachsene seien dort weit weniger verbreitet. Gerade deshalb sei dieser Abend für sie etwas ganz Besonderes gewesen.
Der endgültige Umzug nach Mattersburg erfolgte im Jänner 2026. Die Eingewöhnung verlief grundsätzlich gut, doch zunächst hatte die Japanerin mit dem Winter zu kämpfen. „Es war oft bewölkt, sehr kalt, die Sonne ging früh unter und es gab kaum Grün“, beschreibt sie die ersten Wochen. In Japan seien Wintertage häufig sonniger, weshalb ihr die dunkle Jahreszeit zunächst aufs Gemüt geschlagen habe. Umso mehr genoss sie den Frühling.
Besonders die zahlreichen Magnolienbäume in Mattersburg haben Eindruck hinterlassen. Als die Natur innerhalb weniger Wochen erblühte, sei dies für sie ein faszinierendes Erlebnis gewesen.
An den Tag, an dem sie sich erstmals wirklich im Burgenland angekommen fühlte, kann sich Matsushita noch genau erinnern. Nur wenige Wochen nach ihrem Umzug prallte früh morgens ein großer Fasan gegen das Fenster ihres Hauses.
„Es klang wie ein Schuss“, erzählt sie lachend. In den Großstädten Tokio und Kōbe habe sie niemals Fasane gesehen. In diesem Moment wurde ihr bewusst, dass sie nun tatsächlich auf dem Land lebte. Auch eine Freundin mit dem Namen Marie-Therese habe dazu beigetragen. Solche Namen kenne man in Japan meist nur aus dem Geschichtsunterricht.
Die deutsche Sprache beschäftigt die Japanerin schon seit mehreren Jahren. Sie lernt eigenständig mit Apps und Lehrbüchern und besuchte heuer außerdem einen Deutschkurs an der Volkshochschule. Besonders schwierig seien die Artikel und Fälle. „Dass sich Artikel und Wortendungen ständig verändern, gibt es im Japanischen nicht“, erklärt sie. Hinzu komme der burgenländische Dialekt, der sich oft deutlich vom Hochdeutschen unterscheide.
Dennoch verfolgt sie ehrgeizige Ziele. Eines davon klingt durchaus charmant: Noch heuer möchte sie Falcos „Rock Me Amadeus“ auf Deutsch singen können.
Kulinarisch erlebt Matsushita derzeit eine Mischung aus Entdeckung und Heimweh. Wiener Schnitzel erinnert sie an das japanische Tonkatsu, Kaiserschmarrn wiederum an Datemaki. Trotzdem vermisst sie vor allem Sushi und frischen Tofu. „Meine Mutter hat viele Jahre in einem bekannten Tofu-Geschäft gearbeitet“, erzählt sie. Mit dem frisch hergestellten Tofu ihrer Kindheit könne sie die Produkte in Österreich kaum vergleichen.
Gleichzeitig hat sie aber längst eigene Lieblingsspeisen gefunden. Besonders gerne isst sie Frittatensuppe. Die beste bekomme sie nicht im Restaurant, sondern bei der Mutter ihres Partners. Auch Dürüm-Kebab hat es ihr angetan. Vor allem die große Menge an Gemüse schätzt sie dabei. Zu Hause kocht Matsushita meistens japanisch oder allgemein asiatisch. Für Freunde backt sie hingegen gerne Gugelhupf, besonders beliebt sei die Variante mit Kokos und Schokolade.
Am meisten beeindruckt die junge Japanerin jedoch die Mentalität der Menschen. „Die Menschen hier begegnen einem mit einer Wärme, wie man sie sonst nur in einer großen Familie erlebt“, sagt sie. Im Burgenland habe sie erlebt, dass Freunde, Familien und Bekannte eng miteinander verbunden seien. Bei Feiern lerne man automatisch neue Menschen kennen und erweitere seinen Freundeskreis.
Während in japanischen Großstädten Arbeit und Alltag oft den Großteil der Zeit beanspruchen, empfindet sie das Leben im Burgenland als entspannter. Dass Geschäfte sonntags geschlossen haben und vielen Menschen Zeit für Familie und Freunde bleibt, schätzt sie sehr.
An eine burgenländische Eigenheit musste sie sich allerdings gewöhnen: die Länge von Feiern. Geburtstage und Hochzeiten, die bis tief in die Nacht dauern, seien für sie zunächst ungewohnt gewesen. „In Japan muss man meistens den letzten Zug um Mitternacht erwischen. Da gehen alle früher nach Hause“, erzählt sie schmunzelnd. „Manchmal denke ich mir heute noch: Ich bin so müde.“
Wenn Yu Matsushita über ihre alte und ihre neue Heimat spricht, fällt auf, dass sie weder Japan noch Österreich idealisiert. Sie sieht die Stärken beider Länder.
Japan beeindrucke durch seine kulinarische Vielfalt, perfekte Organisation und hohe Servicequalität. Das Burgenland punkte hingegen mit menschlicher Nähe, spontanen Begegnungen und einem starken Gemeinschaftsgefühl. Obwohl sie Sushi, Tofu und die japanischen Thermalquellen vermisst, fühlt sich die 28-Jährige in Mattersburg mittlerweile angekommen.
Abschließend hält Yu fest: „Ich wünsche mir, dass diese Kultur des Miteinanders erhalten bleibt.“ Ein schöneres Kompliment für ihre neue Heimat könnte es wohl kaum geben.
Wer die japanische Sprache und Kultur erlernen oder seine bereits vorhandenen Kenntnisse vertiefen will, hat bei Yu Matsushita die Möglichkeit dazu, sie gibt online-Kurse für Anfänger oder auch für Fortgeschrittene. Einzel- oder Gruppenstunden sind möglich.
Anfragen per Mail unter: yu.sensei.jp@gmail.com