Viele leer stehende Shops im Neusiedler Zentrum. Vor allem für Geschäftslokale mit großen Verkaufsflächen sind kaum Miet-Interessenten zu finden.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 22. Januar 2020 (04:22)
Zahlreiche Geschäftslokale entlang der Hauptstraße stehen momentan leer. Das Interesse am Immobilienmarkt an Verkaufs- oder Büroflächen im Neusiedler Zentrum ist gering. Fotos: BBR
Birgit Böhm-Ritter

Geht man durch Neusiedls Stadtzentrum, so fällt eines auf: Es stehen viele Geschäftslokale leer. Auslagen sind mit Plakaten oder Papier verklebt. Zu lesen sind Hinweisschilder, auf denen geschrieben steht: „Zu Vermieten“. Etliche Verkaufsräume stehen seit Jahren leer.

Handel floriert eher in den Randgebieten

Neusiedl am See ist kein burgenländischer Einzelfall, sondern ein Paradebeispiel. Erst kürzlich veröffentlichte die Wirtschaftskammer Burgenland Zahlen, die das belegen: Nur noch zwölf Prozent der burgenländischen Handelsflächen liegen in den heimischen Stadt- beziehungsweise Ortszentren. Auch in Neusiedl am See floriert der Handel eher in den Randgebieten als im Stadtkern.

Jahrelang wurden zu hohe Mieten im Neusiedler Zentrum als einer der Gründe für die Verlagerung der Einkaufsflächen an die Peripherie genannt. Heute könne man davon aber nicht mehr ausgehen, glaubt der Neusiedler Immobilienmakler Christian Rittsteuer: „Die Zeit der Spitzenmieten am Hauptplatz ist längst vorbei“, sagt er.

Trotzdem werde es für den Handel im Stadtkern immer schwieriger, weil die großen Frequenzbringer fehlen. Ein Teufelskreis, denn „eine sinkende Besucherfrequenz führt in der lokalen Wirtschaft oft zu Leerständen, welche die Innenstädte zunehmend unattraktiver machen. Die Zentren verlieren somit weiter an Anziehungskraft“, erklärt Andrea Gottweis, Spartenobfrau Handel der Wirtschaftskammer Burgenland.

Internethandel zieht Kaufkraft ab

Einer dieser angesprochenen Frequenzbringer ist vor fünf Jahren selbst vom Neusiedler Hauptplatz an den Ortsrand gezogen. Der Drogeriemarkt dm ist seitdem nur mehr im Einkaufszentrum in der Altenburgerstraße zu finden. Das ehemalige Geschäftslokal im Stadtkern steht allerdings seit damals leer.

Gerade für so große Flächen sei es schwierig, Mieter zu finden, noch dazu wenn es keine eigenen Parkplätze gäbe, betont Immobilienmakler Rittsteuer: „Das Interesse für Geschäfte im Einzelhandel, aber auch für Büros im Zentrum ist gering. Die Nachfrage an kleineren Geschäftslokalen ist aber schon da. Allerdings wollen neun von zehn Interessenten einen Kebap- oder Pizza-Stand eröffnen, ohne die regionale Marktlage zu kennen.“

Dem heimischen Einzelhandel macht vor allem der Online-Handel zu schaffen. Das beweisen die ersten veröffentlichten Zahlen der von der Wirtschaftskammer Burgenland in Auftrag gegebenen Kaufkraftanalyse: So ist beispielsweise die Kaufkraft-Eigenbindung - also jener Anteil des Kaufkraft-Volumens, der auch tatsächlich im Burgenland ausgegeben wird – seit 2009 von 78,8 % auf nunmehr 74 % im Jahr 2019 gesunken. Dabei fließt ein großer Teil der Kaufkraft in den ausländischen Internethandel ab.