Frost! Totalausfall bei Marillenernte droht. Die Minusgrade der letzten Nächte haben der Obstblüte stark zugesetzt. Vor allem Marillenbäume sind von Frostschäden stark betroffen.

Von Saskia Jahn. Erstellt am 02. April 2020 (05:52)
Marillenbauer Alexander Roszuczky beklagt Totalausfall.
privat

Temperaturen weit unter null Grad verheißen Anfang April nichts Gutes für die kommende Obsternte - insbesondere dann, wenn zuvor schon frühsommerliches Wetter geherrscht hat.

Genau das war in den vergangenen Tagen und Nächten im Bezirk Neusiedl am See der Fall. Viele Bäume, die Mitte März schon in Vollblüte standen, haben einen Großteil ihrer Blüten eingebüßt. Die BVZ hat sich deshalb unter den Obstbauern der Region umgehört, wie stark die Schäden ausgefallen sind.

„Bei den Birnen wird es aber auch schon heikel“

Bei Obstbau Leeb in St. Andrä setzt man auf Beregnung der Blüten tragenden Bäume. Dabei wird die Wärme des Wassers auf die Blüten übertragen, um diese zu schützen. Beregnet wird solange, bis das Thermometer wieder Plusgrade anzeigt.

„Das hat teilweise aufgrund des starken Windes nicht funktioniert“, bedauert Vera Leeb im Gespräch mit der BVZ: „Auf den Marillenbäumen ist die Hälfte der Blüten schon weg und mit jeder Frostnacht werden es weniger.“

Besorgt. Albert und Vera Leeb haben während der Frostnächte beregnet - trotzdem wurde die Marillenblüte stark geschädigt.
Matthias Heisler

Laut Leeb ist derzeit vor allem die Marillenernte gefährdet, auf den Apfelbäumen seien noch keine Schäden sichtbar. „Bei den Birnen wird es aber auch schon heikel“, merkt Leeb an.

Eine Prognose auf die Obsternte des heurigen Jahres sei derzeit noch nicht möglich: „Letztendlich ist die Ernte Mitte Juni und wie sie ausfallen wird, kann ich erst sagen, wenn die Marillen in meinem Körbchen sind“, erklärt Vera Leeb, „aber wir glauben, dass wir nicht viel bis gar nichts ernten werden.“

Roszuczky: „Das ist ein Schock für uns alle“

Auch in Kittsee wird um die heurige Marillenernte gebangt. Die zarte Blüte der berühmten „Kittseer Marille“ litt enorm unter den frostigen Temperaturen der vergangenen Nächte. Die Stimmung vor Ort ist angespannt.

Der Kittseer Obstbauer Alexander Roszuczky berichtete im BVZ-Gespräch von der aktuellen Situation: „Das große Problem ist, dass wir uns gerade im Stadium ‚abgehende Blüte‘ befinden. Das ist das Stadium zwischen Blüte und Frucht, die kleinen Früchte entwickeln sich schon, je größer die sind, desto heikler ist es. Die Blüte hält Temperaturen bis zu Minus 2,3 Grad aus, aber das nur für dreißig Minuten. In der Nacht von Montag auf Dienstag war es mit bis zu Minus sechs Grad besonders kalt. Spätestens da hatten alle Bäume einen Frostschaden. Seitdem ist klar: Wir haben einen Totalausfall.“

Es sei zu erwarten gewesen, dass der Ausfall groß werde, „aber das ist schon ein Schock für uns alle.“

Er habe gehofft, dass zumindest die großen Bäume die Minustemperaturen überstehen, aber die Blüten hätten es nicht überlebt. „Es ist eine dramatische Situation. Unsere Stammkunden, die jedes Jahr auf unsere Marillen schon warten, muss ich heuer leider enttäuschen. Es kommt halt jetzt alles zusammen, die Corona-Krise und jetzt auch noch das“, zeigt sich der Kittseer von dem Totalausfall erschüttert. Roszuczky bewirtschaftet fünf Hektar Obstbauflächen, „das sind ungefähr 4.000 Bäume, hauptsächlich Marillenbäume.“

Auf Anfrage der BVZ erklärt die Obfrau des Vereins „GenussRegion Kittseer Marille“ Maria Bezenek-Salvamoser, dass vor allem die Spalieranlagen von dem Ausfall stark betroffen seien: „Man kann schon ziemlich sicher sagen, dass es die Spalieranlagen, also die niedrigeren Bäume, auf jeden Fall erwischt hat und es zu einem Totalausfall kommen wird. Sehr viele Kittseer bewirtschaften aber sehr hohe und ältere Bäume. In diesen Fällen kann man jetzt noch nichts sicher sagen. Die Kälte steigt von unten auf, dadurch sind die niedrigeren Bäume stärker betroffen.“