Neusiedler Hallenbad wird zum Denkmal. Das Gutachten des Bundesdenkmalamtes liegt vor: Gebäude ist zur Gänze schützenswert.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 17. Oktober 2018 (06:06)
Denkmal. Das Hallenbad ist ein besonders gelungener Verttreter des Baustils „Beton-Brutalismus“, der durch viel Holz und Glas allerdings wiederum aufgelöst wird. Für das Bundesdenkmalamt gilt das Gebäude als schützenswert. Geprüft wurde aufgrund eines Neos-Antrags. Foto: Archiv
BVZ-Archiv

Das Hallenbad wird zum Denkmal. Das Bundesdenkmalamt (BDA) hat es in seinem Gutachten als schützenswert eingestuft. Und zwar nicht teilweise, sondern zur Gänze.

„Das einzige authentisch erhaltene Hallenbad dieser Zeit“

Fast ein Jahr lang wurde an dem Gutachten gearbeitet. Der erste Lokalaugenschein durch das BDA fand Ende November 2017 statt, am 24. September wurde das Gutachten nun zugestellt. Peter Adam, Landeskoordinator des Bundesdenkmalamtes, bezeichnet das Neusiedler Hallenbad im BVZ-Gespräch als besonders tolles Dokument einer Zeit, die fast als neue Gründerzeit des Burgenlandes beschrieben werden könne.

Der Fortschrittsglaube sei in der Nachkriegszeit bis in die Siebziger Jahre stark ausgeprägt gewesen. „Das Neusiedler Hallenbad spielt auch im österreichischen Kontext eine wichtige Rolle. Es ist das einzige authentisch erhaltene Hallenbad dieser Zeit“, betont Adam.

Erbaut wurde das Bad in den Jahren zwischen 1975 und 1977. Der burgenländische Sportstättenplan von 1970 sah in jedem Bezirk mindestens ein Hallenbad vor. In Neusiedl am See wurde diesem Plan Rechnung getragen und 1973 der Beschluss für den Bau des Bades im Gemeinderat gefasst. Die damalige Stadtregierung unter Bürgermeister Hans Halbritter sah das Hallenbad vor allem als Impuls für den Tourismus. Mit der Planung beauftragt wurden die Architekten Rüdiger Stelzer und Walter Hutter.

Errichtet wurde das Gebäude im Stil des Beton-Brutalismus, einem Baustil der modernen Architektur. Der Ursprung dieser Bezeichnung liegt unter anderem im französischen Begriff béton brut („roher Beton“). „Das Hallenbad ist ein besonders schönes Beispiel für diesen Baustil, weil es weitestgehend original und authentisch erhalten ist“, erklärt Adam. Viele Gebäude dieser Stilrichtung seien verändert worden, sodass der Beton nicht mehr sichtbar sei.

Sanierung: „Charakter muss bleiben“

Dem Bundesdenkmalamt hat es allerdings nicht nur der Baustil in seiner Authentizität angetan. Auch die Einbettung in die Natur sei architektonisch besonders gelungen: „Es ist das einzige Hallenbad am Ufer eines Steppensees, das noch dazu durch einen Kanal mit dem See verbunden wurde“, so Adam.

Was eine Unterschutzstellung nun für eine notwendige Sanierung des Gebäudes bedeutet, stellt Adam im Interview klar: „Der wesentliche Charakter des Bades muss erhalten bleiben. Auch im Inneren.“ Eingriffe müssten mit dem Denkmalamt abgestimmt werden. Eine thermische Sanierung sei aber sinnvoll. „Das Flachdach ist gut zu dämmen und über Thermoscheiben lässt sich sicher reden“, beruhigt Adam.

Für Bürgermeisterin Elisabeth Böhm (SPÖ) ist der Erhalt des Bades eine logische Folge aus diesem Gutachten: „Das BDA hat sehr deutlich gemacht, dass der Baustil des Brutalismus als erhaltenswert gilt, siehe Kulturzentrum Mattersburg. Diese Sicht ist zu akzeptieren, auch wenn der Baustil vielleicht einigen nicht gefällt. Das Neusiedler Hallenbad etablierte sich in den letzten 40 Jahren zu einem wichtigen Bestandteil unserer Stadt, unseres Bezirkes und der ganzen Region. Ein Erhalt in dieser Form ist durchaus logisch und wünschenswert.“

Wie die Finanzierung von Betriebskosten und Sanierung künftig aussehen könnte, lässt sie offen: Es gäbe verschiedene Ansätze. Konkreter möchte die Ortschefin erst werden, wenn der endgültige Bescheid des Denkmalamts am Tisch liegt.

Noch läuft die vierwöchige Frist in der die Parteien, also Gemeinde, Freizeitbetriebe (FZB) und Landeshauptmann, Stellung zum Gutachten nehmen können. Erst nach Ablauf dieser Frist wird ein Bescheid ausgestellt. Gegen diesen Bescheid könnte rein rechtlich berufen werden. „Davon gehe ich allerdings nicht aus, da wir immer ein gutes Einvernehmen mit der Bürgermeisterin hatten“, glaubt Peter Adam.

Vizebürgermeister Thomas Halbritter (ÖVP) zeigt sich verwundert, weil die Parteien darüber nicht informiert worden seien: „Wenn das Gutachten seit September auf der Gemeinde liegt und wir nicht informiert wurden, dann halte ich das für einen groben Vertrauensbruch.“

Die Grünen und FZB-Geschäftsführer Glerton waren für eine Stellungnahme vor Redaktionsschluss nicht zu erreichen.