Leere Erdäpfel-Lager im Bezirk Neusiedl. Die heimischen Kartoffelbestände gehen zur Neige. Bis zur ersten Ernte im Juni soll nun ausländische Ware importiert werden.

Von Bettina Deutsch. Erstellt am 20. März 2019 (04:29)
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Berechtigte Sorge? Extreme Wetterbedingungen bereiten den heimischen Landwirten Sorgen und eine ungewisse Zukunft. Die Erdäpfellager sind so gut wie leer geräumt.
Symbolfoto/www.BilderBox.com

Vergangene Woche wurde in diversen Medien auf die Erdäpfelkrise in der EU aufmerksam gemacht, die BVZ hat sich über den aktuellen Stand der Dinge im Bezirk informiert und zwei fachkundige Experten um Auskunft gebeten.

Die prekäre Wetterlage des vergangenen Jahres und das verstärkte Auftreten von Schädlingen haben es den Kartoffelbauern in den vergangenen Monaten offensichtlich nicht leicht gemacht. Von Ernteausfällen in ganz Europa ist in medialen Berichten die Rede, die Lagerbestände sollen in den nächsten Wochen zu Ende gehen.

„Besonders betroffen sind die Bio-Bauern“

Um die Supermarktregale bis zur ersten Ernte des Jahres trotzdem mit den beliebten Erdknollen füllen zu können, sollen nun Kartoffeln aus Anbauländern wie Ägypten, Israel oder Zypern importiert werden. Schuld sei unter anderem auch das umstrittene Verbot von Pflanzenschutzmitteln, heißt es weiters.

„Der heiße Sommer des Jahres 2018 ist sicher nicht ganz unschuldig an der Misere. Landesweit wurden rund 20 Prozent weniger Erdäpfeln geernet als in den Jahren zuvor“, lässt Landwirtschaftskammer-Vizepräsident Werner Falb-Meixner wissen. Gegen anhaltende Trockenheit versuchen die heimischen Bauern mit kontinuierlicher Bewässerung anzukämpfen, doch gegen Schädlinge, wie den Drahtwurm, scheint bislang kein Kraut gewachsen.

„Besonders betroffen sind die Bio-Bauern. Ihnen steht lediglich die sogenannte Fruchtfolge zur Verfügung“, so Falb-Meixner weiters. Für den Fall der Fälle sollen nun Kartoffeln aus ausländischen Anbaugebieten importiert werden, woher diese letztendlich stammen, steht bislang jedoch nicht fest.

Einer, der ebenfalls ein Lied davon singen kann, ist Landwirt Lukas Scheiblhofer aus Andau. Seit 1996 ist der Familienbetrieb aus dem Seewinkel auf den Anbau von Speisekartoffeln, Zwiebeln sowie diverse Getreidesorten spezialisiert. „Mein Vater hat damals den Erstversuch im großen Stil in unserer Region gewagt und sich trotz aller Höhen und Tiefen nicht unterkriegen lassen. Unsere Anbauflächen in Andau, Tadten und Halbturn sind kontinuierlich gewachsen, mittlerweile sind wir der einzige Betrieb im Bezirk, der ein eigenes Lager für Speisekartoffeln besitzt“, erzählt Erdäpfelbauer Lukas Scheiblhofer.

Weniger Erdäpfel durch trockene Sommer

Auch ihm machen die Wetterkapriolen zu schaffen. „Ist es zu trocken, bekommen wir Probleme mit dem Drahtwurm, ist das Frühjahr zu feucht, kämpfen wir mit der Kraut- und Knollenfäule. Seit geraumer Zeit macht uns auch die Krankheit Stolbur große Sorgen. Infizierte Pflanzen bringen dann lediglich Gummiknollen hervor“, so der Experte.

Rund zehn Prozent weniger Ertrag hat der Andauer 2018 eingefahren, allerdings mit erheblich mehr Aufwand. „Durch den heißen Sommer mussten wir mehr bewässern. Der tückische Drahtwurm hat uns dafür nicht auf allen Anbauflächen zu schaffen gemacht“, blickt Lukas Scheiblhofer zurück.

Und obwohl sich der Ernteausfall im Seewinkel in Grenzen hält, wird das Lager in Andau aller Vorrausicht nach auch Mitte April leergeräumt sein, die Ernte der Frühkartoffeln erst Ende Mai Anfang Juni wie üblich starten.

„Wir zählen hinsichtlich der Erdäpfelernte erfahrungsgemäß zu den Ersten in ganz Österreich. Rund zwölf Hektar befinden sich derzeit unter Flies, aufgrund der guten Witterung konnten wir bereits im Feber mit dem Anbau beginnen, sollte sich das Wetter nicht extrem verändern, sollte eine reibungslose Ernte zwischen Ende Mai und Juni möglich sein. Bis dahin gilt es jedoch, die kartoffellose Zeit im Marktregal anderweitig zu überbrücken“, meint er im Gespräch mit der BVZ.