Ein Lager im Museum: Mahnmal für kommende Generationen. Ein „Reichsarbeitsdienstlager“ aus dem Zweiten Weltkrieg ist nun Teil der Dorfmuseumskollektion von Beppo Haubenwallner.

Von Bettina Deutsch. Erstellt am 14. Oktober 2018 (05:00)
links: Schlafstätte. Die Holzbaracken wurden nach strengen Normen errichtet. rechts: Morgendliche Routine. Am Appellplatz wurde in den Tag gestartet.
Dorfmuseumskollektion

Rund 18.000 katalogisierte Objekte haben im Dorfmuseum über die Jahre hinweg ein neues und vor allem ehrwürdiges Zuhause gefunden, am Samstag wurde das jüngste seiner Art präsentiert – ein Reichsarbeitsdienstlager (kurz: RAD) von annodazumal.

„Im Zweiten Weltkrieg wurden alle Jugendlichen, also Männer und Frauen, zur Ableistung eines Arbeitsdienstes verpflichtet. Die Tätigkeiten waren unterschiedlichster Art, dienten jedoch vorrangig dem militärischen Zweck sowie der Disziplinierung der Jugend“, erzählt Historiker Herbert Brettl. Gewohnt, geschlafen und gearbeitet wurde in sogenannten Lagerbaracken, historischen Aufzeichnungen zufolge gab es rund zehn Lager dieser Art im Burgenland, Standorte in Zurndorf, Gattendorf, Mönchhof und Andau wurden überliefert.

In der Gemeinde Andau fand ein Relikt dieser Zeit schließlich eine gänzlich neue Bestimmung. Ein Teil einer bis dato erhaltenen Baracke wurde als Spielerkabine des FC Andaus genutzt, 2014 entschied man sich schließlich, das Objekt durch ein neues zu ersetzen. Und wäre Dorfmuseumsgründervater Josef „Beppo“ Haubenwallner just in diesem Moment nicht ins Spiel gekommen, würde die historische Kabine längst der Vergangenheit angehören. Dank Beppos Rettung wurde die Baracke fachgerecht abgebaut, zwischengelagert und am Zipfel des Museums wieder aufgebaut.

Rund zwei Jahre Arbeit wurden in das neueste Herzensprojekt gesteckt, voller Stolz und als Mahnmal für nachkommende Generationen nun der Öffentlichkeit präsentiert.

Ein Mannschaftsraum inklusive Küche sowie ein Appellplatz mit Fahnenstange stehen repräsentativ für die dunkle Zeit unserer Vergangenheit und machen Zeitgeschichte erlebbar. „Die Relikte führen vor Augen, was Krieg bedeutet und zeigen die Blendung sowie den Missbrauch der damaligen Zeit auf. Ideologisiert wird hier nichts“, so Brettl weiters.

Die Eröffnung war ursprünglich bereits im vergangenen Jahr geplant, für die heikle Thematik war jedoch viel Feingefühl nötig. Das „Dorf der Vergangenheit“ von Beppo Haubenwallner wächst weiter und stellt einen wichtigen Grundstein für nächste Generationen dar.