Revitalisierung: Eine „Bruchbude“ wird zum Gasthaus

Rund 3,5 Millionen Euro werden in die Renovierung und Belebung eines spätmittelalterlichen Neusiedler Gebäudes investiert.

Erstellt am 20. Juni 2020 | 05:10
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Aus einem seit Jahren dem Verfall preisgegebenen historischen Gebäude am Hauptplatz soll ein neuer sozialer Treffpunkt entstehen. Der in Neusiedl als „Treppohaus“ bekannte Streckhof wird nun renoviert und soll künftig ein Wirtshaus, eine Schaubrauerei, (Gäste-) Wohnungen und Büroräumlichkeiten beherbergen.

Dass die Planungs- und Bauarbeiten einem Mammutprojekt gleichen, hat Armin Ziegler im BVZ-Interview dargestellt. Ziegler ist mit seinem Unternehmen „Denkmal-Invest“ auf die Revitalisierung und den Erhalt gefährdeter und denkmalgeschützter Gebäude spezialisiert. Er begleitet das Projekt am Hauptplatz 15 für den neuen Inhaber des Hauses Peter Konwitschka. Ziegler arbeitet dabei mit dem Architekten Wolfgang Kaitna vom Atelier Kaitna Smetana zusammen, das auch schon für die Revitalisierung des Gut Purbach oder der Orangerie in Eisenstadt verantwortlich zeichnete.

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Die größte Herausforderung beim Projekt am Neusiedler Hauptplatz sei es laut Ziegler und Kaitna, die Auflagen des Bundesdenkmalamtes und die Auflagen für die Gastronomie miteinander zu verheiraten.

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Als Projektverantwortlicher begleitet Armin Ziegler das Projekt am Hauptplatz 15. Mit einer Fertigstellung rechnet er Ende 2021/Anfang 2022.
Birgit Böhm-Ritter

Im Vorfeld der Planungen für das Projekt wurde das Gebäude nach bauhistorischen Aspekten untersucht. Dabei wurde die zeitliche Abfolge der Entstehung des gesamten Gebäudes festgestellt. Der älteste Teil des Hauses ist der Osttrakt, rechts der Einfahrt. Dieser dürfte spätmittelalterliche Fragmente aus dem Jahr 1517 enthalten. Wenige Jahrzehnte später dürfte der Westtrakt entstanden sein. Wie für burgenländische Streckhöfe typisch wurde das Gebäude im Laufe der Jahrhunderte hofseitig immer wieder erweitert. So entstanden etwa Stallungen, Lagerräume oder ein Schüttkasten (noch vor 1649). „Bis auf einen kleinen Gebäudeteil aus dem 20. Jahrhundert soll alles erhalten bleiben“, erklärt Ziegler. Das jüngste Gebäude werde abgerissen und im historischen Stil wieder aufgebaut. Dieser Neubau werde allerdings mit einem Aufzug bestückt. „Somit ist die Gastronomie barrierefrei erreichbar“, betont Ziegler.

Golser Bier in der Schaubrauerei

Das Wirtshaus soll das Kernstück im revitalisierten Gebäude werden. Ost- und Westtrakt werden mit einem neuen modernen 200 Quadratmeter großen Kellergeschoss verbunden, in dem etwa die Sanitäranlagen untergebracht werden. Rund 60 bis 70 Gäste sollen im Gasthaus Platz finden, dazu kommen noch Sitzplätze im Gastgarten und im Schanigarten vor dem Haus. Das ehemalige Presshaus wird zu einer Schaubrauerei umfunktioniert. Als lokaler Partner konnte dafür die Privatbrauerei Golser Bier gewonnen werden. Auf die Frage, wer denn das Gasthaus betreiben werde, gibt sich Ziegler noch geheimnisvoll: Es sei ein junger aufstrebender Gastronom aus der Region, mehr könne er noch nicht verraten.

Vielleicht kann durch die Revitalisierung dieser Liegenschaft ein exemplarisches Projekt gelingen, das der Bevölkerung vor Augen führt, was bei sensiblem, fachgerechtem Umgang mit historischer Bausubstanz möglich ist.“ Peter Adam, Bundesdenkmalamt Neusiedler Jahrbuch, Band 20

Insgesamt soll eine Nutzfläche von 800 Quadratmetern entstehen. Während der Öffnungszeiten soll der Innenhof als Passage zwischen Hauptplatz und Friedhofgasse dienen. Vorstellbar sei auch, dass hier mittelfristig kleine Shops entstehen, sagt Ziegler.

Seit einigen Tagen sind nun notwendige Vorarbeiten im Gange. Mit den eigentlichen Bauarbeiten will man Ende September beginnen. „Dann“, hofft der Projektverantwortliche, „haben wir alle Baugenehmigungen zusammen. Die Pläne wurden vor drei Wochen bei der Bezirkshauptmannschaft Neusiedl am See eingereicht.“ Geplant sei auch eine alternative Heizform mittels Erdwärme. Dafür seien allerdings Tiefenbohrungen notwendig, für die sowohl die Behörde im Amt der Burgenländischen Landesregierung als auch die Nachbarn ihre Zustimmung geben müssten. „Tiefenbohrungen auf 50 Meter sind hier erlaubt, das ist aber viel zu wenig. Da müssten wir zwanzig oder mehr Bohrungen machen, das ist nicht möglich“, so Ziegler und hofft auf ein Einlenken der Behörde