Aus für Enercon-Werk: 96 Jobs gehen verloren. Die Windenergiekomponentenfertigung Austria Gmbh stellt den Betrieb in Zurndorf ein. Die Produktion endet am 27. April.

Von Bettina Deutsch. Update am 26. März 2018 (16:43)
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Enercon baut Mitarbeiter ab Windenergie Windkraft Symbolbild
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Werner Müllner

Nachdem vor einem halben Jahr etwa 200 Menschen ihren Job bei Enercon in Neusiedl am See verloren haben, steht nun die Windkomponentenfertigung (WKF) in Zurndorf kurz vor der Schließung. Laut AMS sind es 96 Beschäftigte, die um ihre künftige Existenzsicherung bangen müssen.

„Die WKF, ein exklusiver Zulieferer von Enercon, beabsichtigt, die Produktion zum 27. April einzustellen, in den Folgewochen den Betrieb stillzuliegen und jede weitere unternehmerische Tätigkeit zu beenden“, teilt Felix Rehwald, Leiter der Unternehmenskommunikation auf Anfrage der BVZ mit.

Die Mitarbeiter sollen bereits Ende März bei einer Betriebsversammlung über die geplante Stilllegung informiert worden sein. Das Werk in Zurndorf produziert Fertigteilbetonturmsegmente für den österreichischen und deutschen Markt.

In beiden Ländern hat sich das Auftragsvolumen für Windenergieanlagen massiv reduziert. „Aufgrund der ausbleibenden Projekte ist es dem Auftraggeber Enercon nicht mehr möglich, Aufträge an die WKF zu vergeben“, bedauert man die Entwicklung.

Komponenten für andere internationale Märkte produzieren zu lassen, sei aus logistischen Gründen , aus Gründen der Kosteneffizienz sowie aufgrund landesspezifischer Eintrittsbarrieren ausgeschlossen. „Bei den Betonsegmenten handelt es sich um schwere Bauteile mit zum Teil lademaßüberschreitenden Abmessungen, die die Herstellung in den Zielmärkten erforderlich machen“ berichtet Felix Rehwald weiters.

Die WKF-Geschäftsführung beabsichtigt nun nach eigenen Angaben, im Rahmen ihrer unternehmerischen Verantwortung für die betroffenen Mitarbeiter in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat zeitnah eine sozialverträgliche Lösung zu finden. Sowohl die Gewerkschaft als auch der Betriebsrat fordern auf, soziale Verantwortung zu zeigen. „Wir werden alles versuchen, dass es für die Arbeitnehmer zumindest eine soziale Abfederung gibt. Wir erwarten uns ein faires Angebot “ kündigt Bernd Rehberger, Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft Bau-Holz im Burgenland an.

Niessl: Mitarbeiter nicht im Stich lassen

Der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) will nach den am Montag bekannt gewordenen Plänen zur Stilllegung der Windenergiekomponentenfertigung Austria GmbH im Bezirk Neusiedl die betroffenen Mitarbeiter nicht im Stich lassen. Das Land und die Gewerkschaft würden alles daran setzen um die Arbeitnehmer rasch wieder in Beschäftigung zu bringen, meinte Niessl in einer Aussendung.

Namhafte Unternehmen wie Porr, Strabag und Schindler Aufzüge hätten bereits Interesse gezeigt, Fachkräfte zu übernehmen. Schon im Vorjahr sei es gelungen, ehemalige Enercon-Mitarbeiter an die M.S-Aufzugsmontagen GmbH, einer Tochterfirma der Schindler Aufzüge und Fahrtreppen GmbH, zu vermitteln.

ÖVP-Landesparteiobmann Thomas Steiner vermutete, wie auch der ÖGB Burgenland, einen Zusammenhang zwischen der Stilllegung und dem Auslaufen von Wirtschaftsförderungen. Es handle sich um "ein weiteres Beispiel für die schlechte sozialistische Förderpolitik", kritisiert Steiner in einer Aussendung. Für die betroffenen Mitarbeiter brauche es nun einen raschen Sozialplan.