ÖGB-Regionalvorstand Oberwart/Oberpullendorf war beim Kultur- und Netzwerktag in Wien
Eltern bauten Cannabis an, Kinder mussten verkaufen
Alle vier verurteilt
Weil die Tochter drogensüchtig war, begannen die Eltern selbst Cannabis zu produzieren. Die Kinder mussten die Ernte verkaufen.
Die ganze Familie war im Drogengeschäft tätig. Bis auf den Sohn erhielten alle unbedingte Haftstrafen.
© BVZ/Kirchmeir
Eine ganze Familie aus dem Bezirk Oberpullendorf - Vater, Mutter, Tochter, Sohn - musste sich am Mittwoch, 15. Jänner 2025, am Landesgericht Eisenstadt wegen Drogenanbaus und -verkaufs verantworten. Die Familie hatte sich fünf Jahre lang durch Cannabiszucht ein Zusatzeinkommen verschafft - die Staatsanwältin bezifferte den Verkaufswert mit 91.000 Euro.
Die heute 28-jährige Tochter konsumierte seit ihrem 12. Lebensjahr Drogen. „Es gab Gespräche mit den Eltern und diese entschieden sich, das Kind zu unterstützen“, berichtete die Staatsanwältin.
In vier Cannabisaufzuchten pro Jahr wurden ab 2019 insgesamt 400 Cannabispflanzen kultiviert. Daraus wurde ein Ertrag von 16 Kilo Cannabisblüten erzielt.
Zuerst war nur die Tochter im Drogenverkauf tätig, ab 2021 auch ihr jüngerer Bruder. Sie bekamen vom Vater abgepackte Drogenlieferungen zu je 50 Gramm, die sie um 10 Euro pro Gramm unter die Leute brachten. 350 Euro mussten die Kinder von dem Verkaufserlös je 50 Gramm an die Eltern abgeben, den Rest von 150 Euro durften sie behalten.
Die Tochter verkaufte insgesamt knapp zehn Kilo Cannabis, ihr Bruder vier Kilo.
Im Sommer 2024 war der Drogenhandel aufgeflogen, die Polizei stellte bei einer Hausdurchsuchung noch 46 nicht abgeerntete Cannabispflanzen sicher. Eltern und Tochter wurden in Untersuchungshaft genommen, der Sohn blieb auf freiem Fuß.
„Ich kann es nicht nachvollziehen“, rang Richterin Birgit Falb um Worte. „Wenn meine Tochter drogensüchtig ist, dann ist es doch das Letzte, selbst Drogen anzubauen und an sie weiterzugeben.“
Zur Überraschung aller Anwesenden antwortete der Vater: „Wir wollten die Kinder schützen. Wir hätten es eh nicht vermeiden können, wurscht, was wir gemacht hätten. Wenn ich es nicht gemacht hätte, dann hätten sie es sich woanders geholt. Das ist alles schon gestreckt. Sollen sie sich vergiften?“
„Was Ihnen vorgeworfen wird, ist ein Wahnsinn“, hielt Richterin Karin Lückel dem Vater vor. „Sie gaben die Drogen an Ihre Kinder weiter, damit sie diese verkaufen!“
„Ist Ihnen klar, was das an Unheil und Leid anrichtet?“, konfrontierte Richterin Falb den Mann mit den Folgen seiner Drogenproduktion. „Sie überschwemmen den Bezirk Oberpullendorf mit dem Gift!“ Es sei den Eltern „nur ums Geld gegangen“, hielt sie dem Ehepaar vor. „Was sind Sie für Eltern? Sie sind skrupellos ohne Ende!“, las die Richterin dem LKW-Fahrer die Leviten.
Die Plantagen wurden indoor betrieben, im heißen Sommer auch outdoor. „Wenn Sie nicht verhaftet worden wären, hätten Sie die nächsten 20 Jahre angebaut“, vermutete die Richterin.
Der Familienvater zeigte sich bis zum Schluss wenig einsichtig. Er sprach über hohe Stromkosten und Pflanzen, die eingegangen seien. Außerdem sei alles nicht seine Idee gewesen.
Die Tochter war süchtig nach Benzodiazepinen, einem starken Beruhigungsmittel. Nicht einmal die Geburt ihrer Tochter im Herbst 2023 konnte sie vom Drogenkonsum abhalten. Im April 2024 wurde ihr das Kind abgenommen.
„Meine Eltern wussten, dass ich süchtig bin“, sagte die junge Frau. Der Drogenanbau habe wegen ihrer Drogensucht stattgefunden. „Aber ich habe niemand dazu gezwungen“, sagte die 28-Jährige.
„Ich habe als Mutter komplett versagt“, heulte die Mutter. Der Sohn habe versprochen, dass er nie mit Drogen anfangen würde, begann dann aber auch, Cannabis zu rauchen.
„Sie haben ihn hineingezogen!“, hielt Richterin Falb der Mutter vor. 2021 sei der Sohn in das „florierende Geschäft“ eingestiegen. „Ich gab keinem der Kinder Gras in die Hände. Ich sagte nur, lasst's mich raus“, schluchzte die Mutter.
„Das ist scheinheilig, was Sie da sagen“, erwiderte die Richterin.
Als im Sommer alles aufflog, das sei „eine Grade auf d'Nas'n“ gewesen, sagte der Sohn, ein „richtiger Schock“. Während seine Familie im Gefängnis saß, musste er sich um das Haus der Eltern und die Haustiere kümmern. Jetzt ist der junge Mann beim PSD in Behandlung.
Der Schöffensenat verurteilte ihn zu zwölf Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Mutter und Tochter erhielten je zweieinhalb Jahre Haft, der Vater dreieinhalb Jahre.
Nur das Urteil gegen die Tochter ist rechtskräftig. Die Eltern nahmen die gegen sie verhängten Strafen an, jedoch gab die Staatsanwältin hierzu noch keine Erklärung ab. Der Sohn will sich das Urteil ebenfalls noch überlegen.
Mutter und Vater müssen jeweils 30.000 Euro an den Staat bezahlen, die Tochter 20.000 Euro. Das ist ein Teil jener Beträge, mit denen sie sich durch den Drogenverkauf bereichert haben.