Bezirk Oberpullendorf: 9.239 Flüchtlinge im Jahr 2021 aufgegriffen

Gab es im Jahr 2020 insgesamt 457 Aufgriffe im Bezirk, so waren es 2021 allein in der Kalenderwoche 44 über 400 Aufgriffe.

Erstellt am 06. Januar 2022 | 05:59
Lesezeit: 4 Min
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Foto: BVZ

Allein im Bezirk Oberpullendorf wurden 2021 9.239 Flüchtlinge aufgegriffen, darunter 238 Frauen und 337 Kinder. Rund 47 Prozent stammten aus Syrien, weitere rund 30 Prozent aus Afghanistan. Der Rest verteilt sich auf andere Nationalitäten wie Pakistan, Bangladesch, Somalia, Indien, Ägypten, Tunesien, Libyen, Irak, Türkei, Palästina, Jemen, Marokko und Libanon. Die meisten Aufgriffe erfolgten in Deutschkreutz, Nikitsch und Mannersdorf, aber es gab solche in allen Gemeinden entlang der Grenze zu Ungarn, ebenso wie in Gemeinden im „Hinterland“.

Laut Bezirkspolizeikommandant Emmerich Schedl gab es zahlreiche Aufgriffe in der Größenordnung von 20 bis 30 Personen. Aufgriffsstärkste Woche war die Kalenderwoche 44 mit über 400 Aufgriffen. Mehr als 90 Prozent der im Bezirk aufgegriffenen Migranten stellen laut Schedl einen Antrag auf Asyl. „Vereinzelt gibt es Fälle, bei denen zunächst kein Asylantrag gestellt wird. Diese Personen werden dann nach Ungarn zurückgewiesen, in der Regel aber einige Stunden später wieder im Burgenland aufgegriffen und stellen spätestens bei diesem zweiten Aufgriff Antrag auf Asyl“, so Schedl.

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Oberstes Ziel: Belastung für Bevölkerung gering halten

Außerdem konnte die Polizei im Bezirk 60 Schlepper festnehmen. „Oberstes Ziel der Polizei im Bezirk ist es, gemeinsam mit dem Bundesheer, die Belastung der Ortsbevölkerung durch die Migrationsbewegungen so gering als möglich zu halten.

Dies gelingt erfolgreich, eine Steigerung der Kriminalität, die im Zusammenhang mit der Migration steht – ausgenommen die Schlepperei – liegt nachweislich nicht vor“, betont Schedl. Seit September 2021 werden gemeinsam mit ungarischen Organen auf ungarischem Staatsgebiet Schwerpunktaktionen zur Bekämpfung der Schlepperei durchgeführt. Ebenso werden zahlreiche kriminaltaktische und technische Maßnahmen gesetzt wie der Einsatz von Drohnen, Wärmebildgeräten und Hubschraubern. Der Assistenzeinsatz des Bundesheeres zur Unterstützung der Polizei wurde aufgestockt.

„Das Bundesheer erbringt zahlreiche wichtige Unterstützungsleistungen für die Polizei, insbesondere beim Aufgriff und bei der Bewachung von Migranten sowie im Transportmanagement“ Emmerich Schedl

„Das Bundesheer erbringt zahlreiche wichtige Unterstützungsleistungen für die Polizei, insbesondere beim Aufgriff und bei der Bewachung von Migranten sowie im Transportmanagement“, erklärt Schedl. Ebenso sei der Personaleinsatz der Polizei im Bezirk aufgestockt worden, insbesondere bei den am stärksten durch Migration und Grenzkontrollen belasteten Dienststellen an der Grenze in Lutzmannsburg, Deutschkreutz, Horitschon und Lockenhaus.

Nachdem sich laut Polizei aufgrund der Überstellungen von Migranten aus der Türkei bzw. von den Lagern auf den griechischen Inseln auf das Festland ein „Rückstau“ auf dem Balkan gebildet hat, schätzt der Bezirkspolizeikommandant, dass der Migrationsdruck aus dem Westbalkan über Ungarn ins Burgenland auch 2022 hoch bleiben wird. Zudem habe Ungarn seine „Transit-Zone“ zu Serbien aufgrund einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes auflösen müssen.

In dieser Zone wurden Migranten, die sich über Ungarn nach Österreich bewegen wollten, angehalten. Nun können sich diese mehr oder weniger frei in Ungarn bewegen, ihre Zielländer seien aber nach wie vor Deutschland (über Österreich) bzw. auch Österreich selbst und andere EU-Staaten in West- und Nordeuropa. Es sei auch zu erkennen, dass Migranten aus Staaten wie Pakistan und Bangladesch auf legalem Luftweg nach Ost- oder Südeuropa kommen und dann versuchen über den Balkan Mittel- und Westeuropa zu erreichen.