Land kauft Synagoge in Kobersdorf. Im Gebäude soll ein Kultur-, Wissenschafts- und Bildungszentrum mit einem Schwerpunkt entstehen.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 12. Juni 2019 (04:14)
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Wechselte den Besitzer. Das Land Burgenland kaufte die Synagoge Kobersdorf vom“ Verein zur Erhaltung und kulturellen Nutzung der Synagoge Kobersdorf“.

Das Land Burgenland kauft die Synagoge Kobersdorf. „Uns ist das kulturelle und vor allem das jüdische Erbe im Burgenland ein besonderes Anliegen“, betonte Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Das Gebäude soll in Zukunft gleichermaßen Veranstaltungsstätte wie Mahnmal sein.

„Wir wissen, dass die Synagoge für die jüdische Gemeinde von äußerst großer Bedeutung ist. Ich bin mir sicher, dass wir mit dem Kauf der Synagoge einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt eines wirklich wichtigen und bedeutenden historischen Gebäudes beitragen, das viel mehr ist als nur altes Gemäuer“, so Doskozil.

„Uns ist das kulturelle und vor allem das jüdische Erbe im Burgenland ein besonderes Anliegen“

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Oskar Deutsch erklärt zum Besitzerwechsel: „Es wird damit nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Erinnerungskultur geleistet, sondern gerade in Zeiten eines steigenden Antisemitismus auch durch die geplante kulturelle Verwendung das wichtige und richtige Zeichen gesetzt.“ Bereits in den nächsten Wochen soll es erste Maßnahmen sowohl am Grundstück als auch am historischen Gebäude geben.

Anschließend soll ein Sanierungskonzept erarbeitet und die Synagoge generalsaniert werden. Über die Investitionssumme könne man derzeit noch keine Auskunft geben, heißt es vom Land. Die Arbeiten erfolgen wie bisher in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt.

Das Gebäude soll nach der erfolgten Generalsanierung ein Kultur-, Wissenschafts- und Bildungszentrum mit einem Schwerpunkt auf regionaler jüdischer Kultur und Geschichte sein und einen regelmäßigen Veranstaltungsbetrieb (geführt von der landeseigenen Kulturbetriebsgesellschaft) haben.

Geplant sind Kooperationen mit verschiedenen Institutionen. Die Restaurierung wird mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Die baulichen Maßnahmen werden von der BELIG – Beteiligungs- und Liegenschafts GmbH – durchgeführt.

Einen ersten Blick auf die Synagoge können Interessierte bereits in der Zeit der Schlossspiele Kobersdorf werfen. Der Außenbereich des Gebäudes wird ab 3. Juli eine Stunde vor Vorstellungsbeginn für Besucher der Schlossspiele zugänglich gemacht.

Naama Magnus, Obfrau vom „Verein zur Erhaltung und kulturellen Nutzung der Synagoge Kobersdorf“, dem die Synagoge bisher gehörte, meinte auf Anfrage der BVZ: „Wir sind zwar traurig, dass sie nicht mehr uns gehört, aber beim Land ist die Synagoge in sicheren Händen. Wir sind dem Landeshauptmann sehr dankbar.“

Verein will sich weiter engagieren

Der Verein wird sich weiter engagieren, das habe man auch so mit dem Land vereinbart. „Wir werden den Namen und die Statuten ändern, weil wir die Synagoge ja nicht mehr erhalten“, so Magnus.

In kultureller und wissenschaftlicher Sicht werde man weiterarbeiten. Auch „Kultur im Tempel“ soll nach den Renovierungsarbeiten wieder in der Synagoge stattfinden. Derzeit geht die Veranstaltung in Lackenbach über die Bühne. In absehbarer Zeit soll auch ein Buch über die Baugeschichte und das Schicksal der Synagoge erscheinen, so Magnus.