Autobahn-Ausbau mit vielen Fragezeichen. Die Umfahrung Sopron (M85) verbindet Deutschkreutz mit Klingenbach. Dem A3-Anschluss steht aber noch etwas im Weg: eine denkmalgeschützte Zuckerfabrik.

Von Doris Fischer, Kim Roznyak, Peter Wagentristl und Markus Wagentristl. Erstellt am 25. September 2019 (04:29)
NIF
Umfahrung. Die ungarischen Ausbaupläne.

Seit Februar 2018 baut das staatliche ungarische Verkehrsunternehmen NIF die M85. Die 16 Millionen teure Schnellstraße soll Sopron mit der Autobahn A1/M1 von Wien nach Budapest verbinden.

Für Burgenländische Pendler ist sie besonders praktisch, da sie ab Dezember 2020 eine Umfahrung von Sopron bietet. Vom Grenzübergang Deutschkreutz–Kópháza werden Pendler direkt auf die M85 auffahren und Sopron umfahren können, statt sich wie bisher durch den Stadtverkehr der 60.000-Einwohner-Metropole plagen zu müssen.

„Laut derzeitigem Stand ist eine Gebühr auf dieser Strecke nicht vorgesehen“

Laut Deutschkreutz’ Bürgermeister Manfred Kölly soll man beim ersten Kreisverkehr von Deutschkreutz kommend Richtung Sopron ab Ende 2020 auf die Sopronumfahrung auffahren können. „Laut derzeitigem Stand ist eine Gebühr auf dieser Strecke nicht vorgesehen“, meint Kölly, der bezüglich Verlängerung der A3 auf österreichischer Seite Maßnahmen fordert. BVZ-Recherchen bestätigen die Einschätzung, dass man die Straße mautfrei benützen können soll, allerdings eher nicht.

Da es sich um eine Straße höheren Ranges handeln soll, wird auf dieser voraussichtlich auch eine Vignette fällig werden. Es könnte jedoch die Möglichkeit bestehen, nur für ein „Komitat“ die Autobahngebühr entrichten zu müssen — etwa für den Bezirk Györ-Moson-Sopron. Diese kostet 18,52 Euro, die Jahresvignette für ganz Ungarn dagegen stolze 159,19 Euro.

In einer weiteren Ausbaustufe soll die M85 dann direkt an die österreichische Grenze führen. Wo dieser Grenzanschluss sein soll, diese Frage scheint nun geklärt: Die Anschlussstelle wird Klingenbach, wie eine Anfragebeantwortung des Verkehrsministeriums an Florian Schober (ÖVP) ergab.

Als Siegendorfer lebt Schober in unmittelbarer Nähe des letzten verbliebenen großen Fragezeichens vor dem A3-Ausbau: der alten und teilweise denkmalgeschützten Zuckerfabrik in der heutigen Siegendorfer Gewerbezone Ost, die 1853 errichtet wurde. Eine für den Autobahnbau notwendige Verbreiterung der Bundesstraße, die zwischen den Fabriks-Teilen durch führt, ist nicht mehr möglich, wie ein BVZ-Lokalaugenschein zeigt: Die Straße grenzt bereits an die Fabriksmauern an.

Keine Autobahn ohne Okay der Gemeinden

Neben der Zuckerfabrik gibt es aber natürlich auch noch Bedenken der Bürgermeister und Anrainer. Beiden verspricht Verkehrslandesrat Heinrich Dorner (SPÖ): „Eine Verlängerung der A3 kommt ohne Zustimmung und gegen den Willen der Gemeinden nicht in Frage.“ Dazu gibt es auch einen einstimmigen Beschluss im Landtag, so Dorner auf Anfrage von Christoph Wolf (ÖVP).

„Nach den uns bekannten Plänen soll der Ausbau zum Knoten Fertörakos bis Ende 2020 fertiggestellt werden."

Das ungarische Online-Medium cyberpress.hu recherchiert seit Jahren die Pläne für den Autobahnausbau. Im Gespräch mit der BVZ erklärt Chefredakteur Zsolt Leczovics: „Nach den uns bekannten Plänen soll der Ausbau zum Knoten Fertörakos bis Ende 2020 fertiggestellt werden. In der zweiten Bauphase wird nach heutigem Stand bis zur Grenze bei Klingenbach gebaut, bis 2024 soll die neue Autobahn stehen.“ Nach den Recherchen von cyberpress.hu stehen aber noch Gespräche mit den österreichischen Behörden an. Dabei soll geklärt werden, ob der Anschluss an die A3 auch auf österreichischer Seite bis zur Grenze geführt wird. Die bisherige Straße von Klingenbach nach Sopron soll aber bestehen bleiben.