Bezirk Oberwart: Einkaufen mit Covid

47-Jähriger hielt sich nicht an Quarantäne. Strafprozess am Landesgericht.

Erstellt am 10. Juli 2021 | 05:38
Polizei Symbolbild
Symbolbild
Foto: APA

Weil er sich mit Covid-19 angesteckt hatte, erhielt ein 47-jähriger Mann aus dem Bezirk Oberwart im März 2021 einen Quarantänebescheid. Er hätte daraufhin die Wohnung nicht mehr verlassen dürfen.

Weil er am 30. März bei einer Polizeikontrolle nicht zuhause angetroffen wurde, klagte ihn die Staatsanwaltschaft wegen der vorsätzlichen Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten an.
Der Angeklagte habe, so Staatsanwalt Anton Paukner, trotz des Absonderungsbescheides der Bezirkshauptmannschaft in einem Lebensmittelgeschäft eingekauft.

Anzeige

Nur drei Minuten weg

„Es waren genau drei Minuten, dass ich weg war!“, verteidigte sich der mittlerweile genesene Mann. „Ich habe mir Mineralwasser geholt, weil ich nichts daheim hatte“, berichtete er.
Die Polizei hatte den Mann auch telefonisch nicht erreicht. Acht Minuten später sei er mit seinem Auto vor der Wohnung eingetroffen.
„Wussten Sie, dass Sie nirgends hingehen dürfen?“, fragte Richterin Karin Lückl. „Ich dachte, für das Lebensnotwendige darf ich aus dem Haus gehen“, meinte der Angeklagte.


Angeklagter: „Bei mir war überhaupt nichts!“

Er sei nicht schwer krank gewesen. „Bei mir war überhaupt nichts“, berichtete er. Die Richterin wies den 47-Jährigen darauf hin, dass er aufgrund der festgestellten Ct-Werte sehr wohl ansteckend gewesen sei.
„Ich habe es nicht so empfunden, dass ich jemanden gefährde“, meinte der Angeklagte. Er habe eine Maske aufgesetzt und Abstand gehalten, habe sich im Supermarkt schnell das Wasser geholt, mit Bankomatkarte bezahlt und sei wieder mit dem Auto nach Hause gefahren.

„Ich habe mir gar nichts dabei gedacht“, gab der Angeklagte zu. „Dass es so streng gehandhabt wird, dachte ich nicht.“ „Ich kann nicht glauben, dass Sie die Sensibilität nicht erkannten“, wunderte sich der Staatsanwalt. Der Erkrankte hätte für seine Versorgung einen Fahrten- und Zustelldienst in Anspruch nehmen können.
Der 47-Jährige wurde zu drei Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. „Ich gehe davon aus, dass Sie wissen, wie gefährlich diese Krankheit ist“, sagte die Richterin. „Tut mir leid, ich habe es nicht so gesehen, dass es eine Gefährdung anderer ist“, erklärte der Verurteilte.