Drei Bürgermeister suchen einen Käufer für Regionalbahn. Gemeinsam mit Eigentümer Franz Schuch soll nun die Strecke zwischen Oberwart und Bad Tatzmannsdorf reaktiviert werden.

Von Daniel Fenz. Erstellt am 26. Februar 2020 (04:25)
Aktuell fährt noch kein Zug. Das soll sich in der Zukunft aber wieder ändern.
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Einen außergewöhnlichen Aufruf starten die Bürgermeister Georg Rosner (Oberwart) Gert Polster (Bad Tatzmannsdorf) und Hans Unger (Oberschützen). Sie suchen gemeinsam mit dem aktuellen Eigentümer Franz Schuch einen Käufer und Betreiber für die Bahnstrecke zwischen Oberwart und Bad Tatzmannsdorf. Der neue Eigentümer müsste die Strecke verpflichtend sanieren und als Bahn betreiben - Kosten für die Sanierung: etwa 2,5 Millionen Euro. Findet sich kein Interessent, soll die durchgängige Verbindung in Form eines Rad- und Spazierweges erhalten werden.

Bahnstrecke hat bewegte drei Jahrzehnte hinter sich

Ende der 1980er Jahre beschloss die ÖBB die Einstellung des Güter- und Personenverkehrs zwischen Oberschützen und Rechnitz. Der Bus- und Reisebürounternehmer Franz Schuch kaufte die 36 Kilometer Bahnstrecke samt zwölf Bahnhöfen und allen Liegenschaften und gründete die Südburgenländische Regionalbahn, mit der er unter anderem viele Jahre lang Fahrten in den Märchenwald anbot.

Die von der Schuch angestrebte Anbindung an die 100.000-Einwohner-Stadt Steinamanger im Westen Ungarns blieb sein Wunschdenken. Eine von der SRB geduldete private Initiative für Fahrten ins Bad Tatzmannsdorfer Moorgebiet sprach Gäste an, doch für eine volle Übernahme der Anlagen durch diesen Verein reichte dies bei weitem nicht. Schließlich legte die SRB ihre Konzession nieder, die Liegenschaften verwilderten nach und nach.

Das Eisenbahngesetz jedoch schreibt vor, dass das Einstellen des Betriebes und die Rücklegung der Konzession eine Prüfung nach sich zieht. Gibt es keine Perspektive als Bahn, ist ein Rückbau vorgeschrieben.

Seit einiger Zeit kommt Bewegung in die Angelegenheit: Die Verkehrs-Infrastruktur-Burgenland GmbH erwarb das Teilstück Oberwart – Großpetersdorf und sicherte so Betrieben die Bahn-Anbindung. Das Teilstück Bad Tatzmannsdorf – Oberschützen wurde rückgebaut. Hier laufen aussichtsreiche Gespräche, um eine nachhaltige Nutzung des Geländes zu erzielen.

„Wir möchten, dass die Liegenschaft Oberwart – Bad Tatzmannsdorf nachhaltig genutzt wird"

Mittlerweile läuft auch für die Strecke Oberwart – Bad Tatzmannsdorf das Rückbauverfahren. Die SRB ist bereit, die rund 5,5 Kilometer lange Liegenschaft mit mehr als 100.000 Quadratmetern Fläche abzutreten. Franz Schuch: „Wir möchten, dass die Liegenschaft Oberwart – Bad Tatzmannsdorf nachhaltig genutzt wird. Für uns ist das als Bahn nicht möglich, vielleicht findet sich aber jemand mit einem Konzept und dem nötigen finanziellen Hintergrund.“ Diese Vorgehensweise wurde mit den Bürgermeistern Georg Rosner, Gert Polster und Hans Unger festgelegt.

Sollten sich keine Interessenten finden, werden die Gleisanlagen rückgebaut. „Das wäre bedauerlich – wir würden aber weiter gemeinsam mit den Bürgermeistern und dem Land daran arbeiten, das Gelände nicht zu zerteilen, sondern es durchgängig der Bevölkerung und den Gästen als Naherholungsgebiet zu erhalten“, so Schuch. Er denke dabei an einen Rad- oder Spazierweg. Eine Idee, die bei den Verantwortlichen sehr positiv aufgenommen wurde.

Da der Bahnbetrieb schon lange eingestellt ist und sich die Gleisanlagen auch zu einem Sicherheitsrisiko entwickeln, drängt die Zeit. Die Übernahme muss noch vor Sommer 2020 erfolgen, die Sanierung noch in diesem Jahr beginnen. Die Kosten liegen in Form von ersten Schätzungen für die Sanierung in der Höhe von etwa 2,5 Millionen Euro vor, der Ankauf mit den bestehenden Gleisanlagen schlägt mit 200.000 Euro zu Buche. Hinzu kommen für den Betrieb nötige Investitionen wie Schienenfahrzeuge und begleitende Infrastruktur.