„Homeschooling“: Unterricht bei Mama und Papa . Der Schultrott ist zurück — nicht aber für 41 Kinder aus dem Südburgenland, die zu Hause lernen. Unterricht auf dem Sofa — Irrsinn oder eine tolle Chance?

Von Rosa-Stefanie Nutz. Erstellt am 23. September 2018 (05:09)
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Die Kids des Vereins „Flowzeit“ lernen bei Wandertagen, Kinderveranstaltungen und vielem mehr, ihr Potenzial zu entdecken und Freunde zu finden.
BVZ

Hast du denn keine Schule? Eine Frage, die wohl alle „Homeschooling“ Kids und Eltern die Augen verdrehen lässt. Nein, haben sie nicht, denn lernen geht auch anders.

Immer mehr Familien treffen die Entscheidung, ihre Kinder selbst zu unterrichten, weil es in Österreich auch erlaubt ist, die Schulpflicht zuhause zu erfüllen. Im Burgenland werden derzeit 71 Schüler, 41 davon in den Bezirken Güssing und Oberwart, daheim unterrichtet.

Die Gründe, die zum Ausstieg aus der Schule bewegen, sind komplett verschieden. Kinder mit besonderen Bedürfnissen oder Begabungen können so zum Beispiel besser gefördert werden. Auch das Lernen ohne Druck steht für viele Eltern im Vordergrund. Doch Kritik hagelt es trotzdem: Die Kinder würden isoliert aufwachsen oder die Eltern könnten unkontrolliert verweigern, bestimmte Themen, wie etwa den Holocaust zu unterrichten.

„Lebendig, kreativ und selbstwirksam“

„Ja, in einzelnen Fällen gibt es Probleme mit der Bildungsvermittlung und extremen Anschauungsbildern der Eltern, aber großteils sind die Familien sehr engagiert, ihren Kindern ein umfangreiches Allgemeinwissen anzueignen. Ich finde außerdem, dass Kinder auch außerhalb der Schule Freunde finden können“, erklärt Marina Stadlbauer, die den Verein „Flowzeit“ gegründet hat.

„Lebendig, kreativ und selbstwirksam“, so beschreibt Stadlbauer das Vereinsleben, an dem Kids, die zuhause unterrichtet werden sowie normale Schulkinder teilnehmen dürfen. Viele Veranstaltungen wie Wandertage oder Ausflüge geben den Mitgliedern die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen. „Wir gehen davon aus, dass sein eigenes Potenzial zu kennen, die Grundlage für Glück und Zufriedenheit im Leben ist. Genau das ist es, was wir uns auch für alle Kinder am meisten wünschen“, sagt Marina Stadlbauer abschließend.