Hanf-Zucht im Bezirk Oberwart: Uni half

35-jähriger Drogenzüchter optimierte Anbau mit Tipps aus seinem Boku-Studium. 24 Monate Haft, davon 16 Monate bedingt.

Erstellt am 21. August 2021 | 05:19
Hanf
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Foto: APA (dpa)

„Ich machte an der Boku Seminare für Gemüseanbau“, erzählte der 35-jährige Angeklagte in der Vorwoche vor einem Schöffensenat am Landesgericht Eisenstadt. „Da ging es um Pflanzenernährung. Es wurde viel darüber gesprochen, wie man das Substrat aufbereitet“, erklärte der Student weiter.

Im Winter 2020/2021 habe er sein frisch erworbenes Wissen bei seiner Cannabis-Plantage ausprobiert, die er seit 2013 in seinem Haus im Bezirk Oberwart betrieb.

Daraufhin habe sich die Qualität seines bis dahin eher minderwertigen Marihuana wesentlich verbessert, schilderte der Angeklagte den Erfolg.

Die Polizei hatte heuer zwei anonyme Hinweise erhalten: Rund um das Haus des 35-Jährigen rieche es verdächtig nach Cannabis und außerdem seien dort immer die Rollläden unten.

Der Student war kooperativ und ließ die Kriminalbeamten zu einer „freiwilligen Nachschau“ ins Haus.

Man fand Suchtgift und das Equipment für die Indoor-Plantage.

Vor der Polizei habe sein Mandant „eine Lebensbeichte“ abgelegt, so Verteidiger Florian Astl.

Aufgrund der Angaben des 35-Jährigen wurde eine Gesamtanbaumenge von 17 Kilogramm Cannabis berechnet. 80 Prozent davon soll der Angeklagte verkauft haben, den Rest konsumierte er selbst.

Großteil trotz schlechter Qualität verkauft

„Ich verkaufte die Ernte um vier bis sechs Euro das Gramm, ganz schlechte Sachen um drei Euro“, berichtete der Angeklagte. Es sei sogar vorgekommen, dass er sein Erzeugnis zurücknehmen und das Geld zurückzahlen musste, weil die Abnehmer unzufrieden waren.

Die Namen seiner Abnehmer nannte der Angeklagte nicht. „Ich will keine anderen Leute hineinziehen“, erklärte der 35-Jährige, der in der Untersuchungshaft sein Studium fortgesetzt hat.

„Ihnen ist klar, dass Sie die Finger von den Drogen lassen müssen, wenn Sie entlassen werden?“, fragte Richterin Karin Lückl.

„Natürlich, natürlich!“, erwiderte der Angeklagte.

Er wurde wegen Suchtgifthandels, Drogenanbau und dem unerlaubten Umgang mit Suchtgiften zu 24 Monaten Freiheitsstrafe, davon 16 Monate bedingt verurteilt.

42.300 Euro muss er an den Staat bezahlen. Das ist jener Betrag, mit dem er sich durch Drogenverkauf zu Unrecht bereichert hat.

„Ich muss Ihnen sagen, dass wir hier viele Cannabis-Anbauer haben. Die wenigsten haben studiert und waren trotzdem in der Lage, Cannabis mit höherem Reinheitsgehalt anzubauen, als es bei Ihnen der Fall war“, kommentierte Richterin Karin Lückl die Angaben des Angeklagten zur Qualität seiner Hanf-Produktion.

Sie gehe davon aus, dass er das Cannabis zu einem „Freundschaftspreis“ weiterverkaufte, der sich nicht an der Qualität der Reinsubstanz orientierte.

Mildernd habe der Schöffensenat jedenfalls das „überschießende Geständnis“ des Drogenzüchters bewertet.